FrInGe
Deutsches Interferometriezentrum
für den optischen und infraroten
Wellenlängenbereich
Heidelberg
AIP · AIU · HS · KIS · MPE · MPIA · MPIfR · UK
Tel.: +49-6221-528 217
Fax: +49-6221-528 246
e-Mail: graser@mpia.de
Tätigkeitsfeld
Das deutsche Interferometriezentrum für den
optischen und infraroten Wellenlängenbereich, genannt
FrInGe
(Frontiers of Interferometry in Germany), wurde im September 2001 gegründet.
Sein Ziel ist die Koordination der Leistungen deutscher Institute bei der
Beschaffung, Reduktion und Interpretation astronomischer Interferometriedaten im
Optischen und mittleren Infrarot. Zur Zeit konzentrieren sich in Deutschland die
Anstrengungen in der Interferometrie auf die Instrumentierung des
Very-Large-Telescope-Interferometers (VLTI) und des Large Binocular Telescopes
(LBT). In der Vergangenheit waren dies für das VLTI die mittlerweile bereits in
Betrieb befindlichen Instrumente MIDI und AMBER, in Zukunft sind dies
Instrumente der zweiten VLTI Generation, wie MATISSE, VSI und GRAVITY. Für das
LBT-Interferometer wird gegenwärtig das LINC/NIRVANA Instrument gebaut. Und
natürlich sind Beiträge zum geplanten Weltraum-Interferometer DARWIN in
Vorbereitung.
Wissenschaftliches Ziel der interferometrischen Instrumente ist das Erreichen
einer noch nie dagewesenen räumlichen Auflösung, um die Struktur wichtiger
Klassen astronomischer Objekte, wie aktive galaktische Kerne und
Starburst-Galaxien, protostellare Kerne und protostellare Scheiben, die
Umgebungen von Sternen sowie die staubhaltigen Hüllen um weit entwickelte Sterne
sichtbar zu machen. Darüber hinaus soll präzise Astrometrie den Nachweis von
sich bewegenden Strukturen ermöglichen, insbesondere die Bewegung von Sternen,
die durch umlaufende Planeten verursacht wird. Das Hauptziel der DARWIN-Mission
besteht im Nachweis und der Abbildung terrestrischer Exoplaneten sowie der
Charakterisierung ihrer Atmosphären.
FrInGe
soll Geräte und Software zusammenführen, die an den beteiligten Institute
entwickelt wurden, und der Gemeinschaft ein einheitliches Rüstzeug für die
Vorbereitung, Planung, Datenverarbeitung und -reduktion sowie Interpretation
interferometrischer Beobachtungen zur Verfügung stellen.
FrInGe
wird für die Ausbildung der nächsten Astronomengeneration verantwortlich sein,
die auf dem Gebiet der optischen und Infrarot-Interferometrie tätig sein wird.
Parallel hierzu wird FrInGe die Anforderungen für neue und/oder verbesserte
interferometrische Instrumente an ESO- und LBT-Einrichtungen festlegen. Das
Zentrum wird als Kontaktstelle für Partner aus der Industrie in Deutschland
dienen, die zu astronomischen Interferometrieprojekten beitragen möchten.
FrInGe
wird die Bedingungen für die Entwicklung und Unterhaltung neuer Instrumente
bieten.
FrInGe
hat die Kooperation mit anderen Interferometriezentren in Europa gesucht. Das
langfristige Ziel der Einrichtung eines europäischen Interferometriezentrums ist
mit der Gründung der
European Interferometry Initiative (EII)
für den optischen und infraroten
Wellenlängenbereich im Jahre 2002 in Erfüllung gegangen.
Beteiligte Institute
FrInGe
ist derzeit am Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg
angesiedelt.
Die beteiligten Institute sind:
·
AIP - Astrophysikalisches Institut
Potsdam
·
AIU - Astrophysikalisches Institut
und Universitäts-Sternwarte, Universität Jena
·
Hamburger Sternwarte
·
KIS - Kiepenheuer-Institut für
Sonnenphysik in Freiburg
·
MPE - Max-Planck-Institut für
extraterrestrische Physik in Garching
·
MPIA - Max-Planck-Institut für
Astronomie in Heidelberg
·
MPIfR - Max-Planck-Institut für
Radioastronomie in Bonn
·
UK - I. Physikalisches Institut der
Universität zu Köln
FrInGe
begrüßt die Teilnahme
weiterer deutscher Institute, die sich anschließen möchten.
Struktur
Mitarbeiterstab
FrInGe
hat einen wissenschaftlichen und einen technischen Leiter. Beide leiten die
Aktivitäten des Zentrums auf ihren jeweiligen Gebieten und pflegen die
Beziehungen mit ähnlichen Institutionen im Ausland. Zusätzlich gibt es einen
wissenschaftlichen Rat, bestehend aus vier Mitgliedern, die aus den beteiligten
Instituten kommen. Dieser Rat legt die Prioritäten für die wissenschaftlichen
Aktivitäten von FrInGe
fest. Das Verfahren von
FrInGe bei der Herstellung von
Kontakten, Koordination und Kooperationen wird durch einen Verwaltungsrat
bestimmt, den die Direktoren der beteiligten Institute sowie der
wissenschaftliche und der technische Koordinator des Zentrums als Mitglieder von
Amts wegen bilden.
·
Wissenschaftlicher Koordinator:
Thomas Henning (MPIA)
·
Technischer Koordinator: Uwe
Graser (MPIA)
Wissenschaftlicher Rat:
·
Andreas Eckart (UK)
·
Christoph Leinert (MPIA)
·
Gerd Weigelt (MPIfR)
·
Hans Zinnecker (AIP)
Verwaltungsrat:
·
K.G. Strassmeier (AIP)
·
O. von der Lühe (KIS)
·
R. Genzel (MPE)
·
Th. Henning (MPIA)
·
G. Weigelt (MPIfR)
·
A. Eckart (UK)
Ausstattung von FrInGe
Die Anschubfinanzierung des
FrInGe -Zentrums ist vom MPIA
in Heidelberg gekommen. Dieses Institut bietet auch die nötige
Verwaltungsinfrastruktur für den Betrieb des Zentrums. Mit wachsenden Aufgaben
könnten in Zukunft auch ein oder mehrere zusätzliche Standorte nötig sein.
FrInGe
ist am europäischen Netzwerk (European Interferometry Initiative) beteiligt und
ist bestrebt Geldmittel aus europäischen wissenschaftlichen Projekten zu
erhalten.
Ziele
Das Zentrum möchte die Leistungen der teilnehmenden Institute auf folgenden
Gebieten koordinieren:
·
Hilfe, um rechtzeitig auf neue
Entwicklungen in diesem Gebiet reagieren zu können, sowie beim Bau und
Unterhalt neuer Instrumente
·
Hilfe bei der Herstellung von
Kontakten und Kooperationen mit dem europäischen Netzwerk oder anderen
ähnlichen Einrichtungen wie dem holländischen Interferometriezentrum in
Leiden oder dem Jean-Marie-Mariotti-Center in Frankreich
·
Bereitstellung einer zentralen
Schnittstelle für Kontakte und Kooperationen mit der ESO und dem LBT-Projekt
·
Unterhalt einer Datenbank über die
von den beteiligten Instituten durchgeführten und geplanten
Interferometrie-Beobachtungsprogramme. Man kam überein, dass sich das
Zentrum nicht in Beobachtungsanträge möglicherweise konkurrierender Parteien
einmischen wird und die Datenbank allein zur gegenseitigen Information zur
Verfügung stellt.
·
Aufbau eines Publikationsarchivs
·
Entwicklung von Software für die
Planung von Beobachtungen, das Speichern und Verarbeiten von Daten, die
Datenreduktion und die Interpretation von Ergebnissen.
In jedem der teilnehmenden Institute sind derartige Aktivitäten seit mehreren
Jahren im Gange. Die erfolgreiche Inbetriebnahme der beiden VLTI-Interferometer
MIDI und AMBER haben eine neue Ära der interferometrischen Beobachtung an
Gross-Teleskopen eröffnet.
Interferometrische Beobachtung und Visibilities ...
In der Interferometrie sind die Beobachtungsplanung und -durchführung, sowie die
Reduktion und Interpretation der Daten sehr viel enger miteinander verknüpft als
in der herkömmlichen Astronomie. Tatsächlich wird die Technik der
Dateninterpretation stark durch die genaue Bauweise des Instruments beeinflusst
und umgekehrt. Das am MPIA gebaute Instrument MIDI ist ein Interferometer, das
die von zwei Teleskopen kommenden Strahlen verknüpft und die so genannte
Visibility (das Verhältnis zwischen Verstärkung und Auslöschung) misst.
Derartige Beobachtungen müssen sorgfältig geplant werden, wobei a priori
Kenntnisse (aus Modellrechnungen) über das Zielobjekt verwendet werden, um sich
auf den "interessanten" Teil der Visibilitykurve zu konzentrieren. Diese
Visibilities müssen durch Beobachtungen geeigneter Standardquellen geeicht
werden. Die Interpretation der Visibilitykurven erfordert einfache Modelle und
Fragestellungen.
Das Nachfolge-Instrument für MIDI mit Namen MATISSE ist in Planung und wird
bildgebende Fähigkeiten besitzen.
AMBER, das von einem internationalen Konsortium von Gruppen an den Universitäten
von Grenoble und Nizza, am Arcetri Observatorium und am MPIfR gebaut wurde, ist
ein "Three-beam phase closure Instrument" (ein Interferometer zur Verknüpfung
dreier Teleskope, das die Phasen zu 360° bzw. 0° addiert). Es arbeitet im J-, H-
und K-Band.
Als Nachfolge-Instrument für AMBER ist bereits VSI in Planung, das bis zu 6
Teleskope vereinigen kann.
Die mit diesen Instrumenten gesammelten Daten werden die Rekonstruktion realer
Bilder ermöglichen (natürlich immer noch beeinträchtigt durch die mangelhafte
Abdeckung der u-v-Ebene). Bislang steht noch keine benutzerfreundliche Software
zur Bildrekonstruktion zur Verfügung. In Zukunft werden wir die Einrichtung
verbesserter Abbildungsmöglichkeiten am VLTI nachdrücklich unterstützen.
Interferometrie am LBT stellt uns vor eine Reihe ganz eigener Herausforderungen.
Da die beiden Teleskope auf einer einzigen Montierung befestigt sind, ermöglicht
das LBT Fizeau-Interferometrie, die nicht durch geometrische Verzögerungen über
ein großes Feld hinweg begrenzt ist. LBT und VLTI ergänzen sich gegenseitig, da
das LBT die kürzeren Basislinien abdeckt, die dem VLTI nicht zugänglich sind.
Das Punktbild (point spread function, PSF) des LBT-Interferometers ist jedoch
sehr komplex. Die Verarbeitung derartiger Bilder erfordert eine Reihe von
Softwarehilfsmitteln für die optimale Extraktion von Helligkeitsverteilungen der
Objekte aus mehreren Aufnahmen, die unter verschiedenen Positionswinkeln
aufgenommen wurden. Und da das LBT-Interferometer zum Erhalt verschiedener
Objektpositionswinkel auf die Erdrotation angewiesen ist, werden hochentwickelte
Planungshilfsmittel nötig sein, um die wertvolle LBT-Beobachtungszeit optimal
nutzen zu können.
Unter der Leitung des MPIA baut ein internationales Institutskonsortium die
Kamera LINC ("LBT Interferometric Camera"). LINC wird die von den beiden 8.4 m
großen Hauptspiegeln des LBT kommende Strahlung im so genannten "Fizeau"-Modus
vereinen. Diese Konfiguration erhält die Phaseninformation und erlaubt echte
Abbildungen über ein großes Gesichtfeld hinweg. LINC wird bei Wellenlängen
zwischen 0.6 und 2.4 Mikrometer arbeiten, unter Verwendung allerneuster
Detektorarrays. Gekoppelt mit dem hochentwickelten adaptiven Optiksystem des
LBT, wird das Instrument LINC über ein etwa 20 Quadratbogensekunden großes Feld
hinweg die Empfindlichkeit eines 12-m-Teleskops und das räumliche
Auflösungsvermögen eines 23-m-Teleskops liefern.
Software
Für fünf Interferometrie-Beobachtungsstadien sind Softwarepakete entwickelt
worden, - die Arbeiten daran sind jedoch immer noch im Gange:
·
Vorbereitung von Beobachtungen
·
Planung der zeitlichen Abfolge der
Beobachtungen
·
Datenverarbeitung und -reduktion
·
Interpretation (Erstellung von
Modellen)
·
Bildrekonstruktion
Vorbereitung:
SimVLTI
SimVLTI, das am MPIA entwickelt wurde, ist ein einfaches Hilfsmittel zur Planung
von Beobachtungen. Es ermöglicht die Eingabe von Modellkarten für jedes
Zielobjekt und liefert errechnete Visibilies für eine Reihe von
Beobachtungsparametern. SimVLTI unterstützt Eingabekarten in einer Reihe von
Formaten (FITS, Standardbildformate, einige Formate von Simulationsprogrammen
optischer Systeme (ray-tracing)), jede Konfiguration der 4 UTs sowie die
Basisbetriebsmodi des MIDI-Detektors. Eine rudimentäre Schnittstelle zur
Benutzung von SimVLTI als Hilfsmittel zur Modellinterpretation realer Daten ist
ebenfalls vorhanden.
Planung der zeitlichen Abfolge der
Beobachtungen
Interferometrisches Beobachten erfordert
eine neue Vorgehensweise, da wir bedeutend weniger Freiheiten bei der Planung
unserer Messungen haben. Zum Beispiel können wir bei einer besonderen Quelle
einen besonderen Positionswinkel benötigen, dann für eine Weile einen anderen
Positionswinkel bei einer anderen Quelle einstellen und dann wieder zur ersten
Quelle zurückkehren. Eine optimale Nutzung der Teleskopzeit macht daher neue
Planungshilfsmittel erforderlich.
Kalibratoren
Die neuen interferometrischen Instrumente
an den Keck- und VLTI-Teleskopen werden schwächere Objekte bei längeren
Wellenlängen beobachten als die bereits existierenden Interferometer an
kleineren Teleskopen (CHARA, COAST, GI2T, IOTA, PTI). An mehreren Stellen,
darunter am MPIA, bei der ESO, beim AMBER-Team und bei der IAU-Arbeitsgruppe für
optische-/IR-Interferometrie (http://olbin.jpl.nasa.gov/iau),
sind Anstrengungen im Gange, Listen geeigneter Kalibratoren und für die
Kalibration ungeeigneter Quellen anzufertigen. Das Zentrum wird die
Informationen zu diesen Quellen kanalisieren und besonderen Wert auf den
mittleren Infrarotbereich legen, der bislang in der Entwicklung zurückliegt.
Datenverarbeitung und -reduktion
Die Schritte von Pixelwerten zu Rohdaten der Visibilities sind größtenteils
instrumentenspezifisch und hängen stark von der jeweiligen Hardware ab, so dass
sie weniger gut für einen Austausch geeignet sind. Dennoch wird das Zentrum
Algorithmen für allgemeinere Anwendungen sammeln und unterstützen. Die
Bemühungen der zuvor erwähnten IAU-Arbeitsgruppe, den Datenaustausch zu fördern,
zum Beispiel durch Einigung auf gemeinsame Formate bei kalibrierten Daten,
müssen unterstützt werden.
Für die Auswertung der MIDI Daten wurde am MPIA und bei NEVEC/Leiden eine
Software entwickelt, die unter http://www.mpia.de/MIDISOFT zur Verfügung steht.
Interpretation (Erstellen von Modellen)
Strahlungstransfermodelle
Gruppen in Bonn und Jena haben 2- und
3-D-Strahlungstransfercodes entwickelt, die auf herkömmlichen Gittermethoden und
auf der Monte-Carlo-Technik beruhen. Diese Codes werden zur Zeit zur Vorhersage
von Bildern und Visibilities verwendet. Zusätzlich sollten einfache geometrische
Modell sowie Modelle, die von einer einfachen Abhängigkeit von physikalischen
Parametern ausgehen, zum Beispiel der Temperatur der Komponenten eines
Doppelsterns, für die Analyse interferometrischer Daten zur Verfügung stehen.
Bildrekonstruktion
Die Stärke des VLTI wird erheblich mit
seinem Abbildungsvermögen anwachsen, indem mindestens 4 bis 5 Teleskope
verwendet werden. Der jetzige Plan sieht 7 Teleskope (4 UTs und 3 ATs) vor mit
einer möglichen Erweiterung auf mehr ATs und längere Basislinien. Beobachtungen
mit einer größeren Anzahl von Teleskopen werden wahrscheinlich parallel in
Dreier- und Vierergruppen durchgeführt werden.
FrInGe
wird an der Festlegung des künftigen Abbildungsvermögen des VLTI mitwirken und
Hilfsmittel bereitstellen, um Bilder aus diesen dünn gerasterten Daten zu
gewinnen.
Zukünftige Instrumentierungsprojekte
Ein weiteres Ziel von FrInGe besteht
in der Vorbereitung der nächsten Generation von interferometrischen
Instrumenten.
Folgende Projekte sind in der Entwicklung:
·
am VLTI: MATISSE, GRAVITY, VSI,
PRIMA/DDL
·
am LBT: LINC/NIRVANA
·
Beteiligung an der Vorbereitung der
Mission DARWIN
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