Preisträger des Roelin-Preises für Wissenschaftspublizistik

Preisträger 2017: Michael Winkhaus

Michael Winkhaus, Lehrer am Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal Bild vergrößern
Michael Winkhaus, Lehrer am Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal

Michael Winkhaus, seit dem Jahr 2000 Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal, zeigt mit großem Erfolg, dass sich auch die Jugend von heute sehr wohl für Naturwissenschaften und Technik begeistern lässt, zumal wenn es mit astronomischen Themen versucht wird: Dafür wird er am 19. September 2017 auf der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft in Göttingen mit dem Hanno und Ruth Roelin-Preis für Wissenschaftspublizistik ausgezeichnet.

Die Bilanz von Michael Winkhaus ist beeindruckend. Zusammen mit seinen Schülerinnen und Schülern hat er auf dem Dach seiner Schule sechs gleichwertig ausgestattete Beobachtungsstationen errichtet, eine weitere steht in einem zusätzlichen Sternwartengebäude. So können insgesamt sieben Gruppen gleichzeitig ihre eigenständigen Beobachtungsprogramme durchführen. Und im Schulkeller ist ein kleines aber vollwertiges Planetarium für 15 bis 20 Personen entstanden, dessen sämtliche Komponenten von den Schülerinnen und Schülern selbst gebaut wurden.

Michael Winkhaus hat seine Schülersternwarte schon früh als Kooperationsprojekt mit dem Fachbereich Didaktik der Physik der Bergischen Universität Wuppertal ausgestaltet, so dass nicht nur Schülerinnen und Schüler seiner Schule, sondern eben alle Interessierten die Sternwarte nutzen und dort eine astronomische Ausbildung bekommen können. Zusammen mit dem renommierten Astrofotografen Bernd Koch hat Michael Winkhaus in den letzten fünf Jahren etwa 70 Schülerkurse und 35 Lehrer- und Erwachsenenfortbildungen mit mehr als 1500 externen Teilnehmern durchgeführt. Über 100 Projekt-, Fach- und Jugend-forscht-Arbeiten sowie ca. 30 Bachelor- und Masterthesen von Studenten der Universität wurden in dieser Zeit am Schülerlabor Astronomie betreut. Allesamt werden sie fortlaufend auf der Internetseite des Fachbereichs Didaktik der Physik veröffentlicht: www.schulpooltemp.uni-wuppertal.de/versuche/work.php.

Viele dieser Arbeiten waren bei Wettbewerben (Jugend forscht, Röntgen-Physikpreis, BundesUmweltPreis) erfolgreich. Allein in den letzten beiden Jahren gab es zwei Bundessiege beim Wettbewerb Jugend forscht. 2016 wurde dem Schülerlabor Astronomie der Jugendforscht-Schulpreis zuerkannt. Und Michael Winkhaus selbst wurde für seine weithin wirksame Arbeit an diesem Projekt bereits vielfach ausgezeichnet; seit 2014 ist er als einziger Lehrer Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung.

Preisträger 2015: Karl-Heinz Lotze

Prof. Dr. Karl-Heinz Lotze
Prof. Dr. Karl-Heinz Lotze

Auf der Jahrestagung 2015 der AG in Kiel wurde der Roelin-Preis an Karl-Heinz Lotze (64) verliehen, der als theoretischer Physiker mit dem Schwerpunkt Relativistische Physik an der FSU Jena eine besonders wirkungsvolle und nachhaltige Art von Brücken aus der Forschung in die Öffentlichkeit baut: Mit hoher Intensität und Kompetenz bildet er Lehramtsstudenten der Physik und Astronomie aus und setzt sich systematisch für die Fortbildung von Gymnasiallehrern ein. Seine Leistungen in der Aus- und Fortbildung von Lehrern der Physik und Astronomie gehen weit über das reguläre Maß der Lehrverpflichtungen eines Hochschullehrers hinaus. Hier die wichtigsten Schwerpunkte seiner Aktivitäten:

Seit 2005 organisiert Herr Lotze gemeinsam mit Vertretern des SFB  „Gravitationswellenastronomie“ der DFG fast jährlich einen „Einstein-Tag für Schulen“ an der FSU Jena. Diesen Themen widmet er auch zahlreiche Veröffentlichungen – etwa in der pädagogischen Zeitschrift „Astronomie + Raumfahrt im Unterricht“, wobei er sowohl als Autor als auch als Herausgeber auftritt. Nahezu 20 thematische Sonderhefte hat er für die Zeitschrift „Praxis der Naturwissenschaften“ herausgegeben und durch eigene Beiträge gestaltet.

Herr Lotze ist die tragende Persönlichkeit hinter der mehrtägigen, bundesweit ausgeschriebenen Lehrerfortbildung „Astronomie“ in Jena. Etwas Derartiges war in der DDR und später an der Schulsternwarte „Johannes Franz“ in Bautzen beheimatet. Herrn Lotze gelang es im Jahre 2004 diese jährlichen „Tage der Schulastronomie“ an die Universität Jena zu holen, wo sie mittlerweile mehr als 140 Teilnehmer aus allen Bundesländern anziehen. Sponsoren sind die FSU, die DPG, die Heraeus-Stiftung und das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung.

Wichtige Weiterbildungen über Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie, Kosmologie sowie Physik und Mathematik für Lehrkräfte hat Herr Lotze auch als DPG-Fortbildungskurs im Physikzentrum in Bad Honnef durchgeführt.

Aus der Vereinigung von Initiativen von Herrn Lotze in Jena und im Haus der Astronomie in Heidelberg ist eine bi-nationale deutsch-italienische Serie von Heraeus-Sommerschulen „Astronomie aus vier Perspektiven“ für Lehramtstudenten und Lehrer entstanden. Begonnen 2013 in Heidelberg und fortgesetzt 2014 in Padua, 2015 in Jena und 2016 in Florenz, dienen die zyklischen Veranstaltungen dazu, über Landes-, Sprach- und Traditionsgrenzen hinweg Kenntnisstand und Motivation zukünftiger, aber auch derzeitiger Lehrer für zentrale Themen der Astronomie und Physik zu fördern. Der nächste Viererzyklus wurde 2016 bereits bewilligt.

Schließlich ist es insbesondere den vielfältigen Initiativen von Herrn Lotze zu danken, dass in Jena weiterhin die Möglichkeit des Astronomiestudiums für Lehrer und Lehramtsstudenten besteht. Damit ist in Thüringen die entscheidende Voraussetzung für einen geregelten Unterricht astronomischer und astrophysikalischer Themen an den höheren Schulen erfüllt.

Preisträger 2013: Claus Kiefer

Claus Kiefer, Institut für Theoretische Physik der Universität Köln
Claus Kiefer, Institut für Theoretische Physik der Universität Köln

Auf der Jahrestagung 2013 der Astronomischen Gesellschaft in Tübingen wurde der Roelin-Preis an Claus Kiefer (55) verliehen, der als theoretischer Physiker an der Universität Köln die Grundlagen der Quantenmechanik und die Möglichkeiten einer zukünftigen Quantengravitation erforscht.

Zwar wissen die Physiker heute, dass die große und die kleine Welt im Urknall einen gemeinsamen Ursprung haben, aber sie benötigen zur Beschreibung eines jeden dieser beiden Bereiche eine eigene Theorie: Die Allgemeine Relativitätstheorie gilt für die Welt im Großen und deren Entwicklung, während für die Welt im Kleinen und deren beobachtete Struktur die Quantentheorie zuständig ist. Beide Theorien sind, jede in ihrem Bereich, hochgradig erfolgreich – nur leider sind sie in ihrem innersten Kern in fundamentaler Weise nicht miteinander verträglich.

Heute ringen die Forscher um ein einheitliches physikalisches Bild der gesamten Welt und ihres Ursprungs. Claus Kiefer selbst forscht mit großem Erfolg an dieser hochaktuellen Front der Wissenschaft – und er hat seine eigene Reise zum Anfang der Welt in einem mitreißenden Buch beschrieben: »Der Quantenkosmos. Von der zeitlosen Welt zum expandierenden Universum«, erschienen 2008 im S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M..

Das Buch setzt beim Leser nur diejenigen Grundbegriffe der Schulphysik voraus, welche ein interessierter Abiturient auch nach Jahren noch in seinem Gepäck hat. Wer sich auf diese anspruchsvolle und faszinierende Lektüre einlässt sollte bereit sein, langsam zu lesen und ab und zu auch einmal zurückzublättern, um die geschilderten Zusammenhänge stets klar vor Augen zu haben. So wird er zur Erkundung des großen Baums der physikalischen Wissenschaft geführt, dessen Krone seit Beginn des 20. Jahrhunderts weiter ausgegriffen hat, und dessen Wurzeln heute tiefer dringen, als jemals zuvor – und dessen eigentliche Vollendung uns heute zum Greifen nahe zu sein scheint.


Preisträger 2011: Hans-Thomas Janka

Hans-Thomas Janka, MPI für Astrophysik in Garching
Hans-Thomas Janka, MPI für Astrophysik in Garching

Auf der Jahrestagung 2011 der Astronomischen Gesellschaft in Heidelberg wurde der Roelin-Preis erstmals an einen selbst aktiven Forscher verliehen, und zwar an
Hans-Thomas Janka (51) vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching.

Auf seinem Arbeitsgebiet, der Erforschung der Supernovae und Gammastrahlenblitze, der Neutronensterne und der Neutrino-Astrophysik spielt Hans-Thomas Janka eine weltweit führende Rolle. Gleichzeitig – und diese Kombination ist hier relevant – engagiert er sich seit 1998 neben seiner Forschung auch für die Öffentlichkeitsarbeit seines Instituts. Den Roelin-Preis erhält er für sein Buch »Supernovae und kosmische Gammablitze. Ursachen und Folgen von Sternexplosionen«, erschienen 2011 in der Reihe Astrophysik aktuell bei Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.

In diesem schmalen Taschenbuch entwirft Hans-Thomas Janka ein geschlossenes Bild von seinem eigenen, hoch aktuellen, in rasantem Fluss befindlichen Arbeitsfeld. Das Buch ist in populärwissenschaftlicher Art geschrieben, und gleichzeitig verkörpert es den letzten Stand der Wissenschaft. Man kann es an einem Nachmittag durchlesen, und dabei seine gediegene didaktische Sorgfalt genießen: Jedes erwähnte Detail ist in den großen Zusammenhang gestellt und in seiner Bedeutung herausgehoben.

Das Buch liefert allen, die sich der aktuellen Berichterstattung aus diesem wichtigen Forschungsgebiet widmen, das für ihre Tagesarbeit nötige Hintergrundwissen. Für den interessierten Abiturienten kann diese Lektüre leicht zum Schlüsselerlebnis werden, das die Wahl seines Studienfachs und damit seinen weiteren Lebenslauf bestimmt. Denn die Begeisterung, die Hans-Thomas Janka ganz offensichtlich in die Welt der Supernovae getrieben hat und ihn dort seit Jahrzehnten gefesselt hält, springt wie ein zündender Funke auf den neugierigen Leser über!


Preisträger 2009: Ulf von Rauchhaupt

Ulf von Rauchhaupt, Wissenschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ulf von Rauchhaupt, Wissenschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Mit ihrer Entscheidung ehrt die Jury den umfangreichen astronomischen Teil der publizistischen Arbeit des Preisträgers, insbesondere seine Berichterstattung in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dort schreibt von Rauchhaupt oft umfassende Darstellungen über Themen aus der aktuellen astronomischen Forschung, und zwar in einer lebhaften, einprägsamen und unterhaltenden Art. Mit der innigen Verbindung aus fachlicher und journalistischer Kompetenz, die er in seiner Arbeit herstellt, vermittelt er – jenseits von Übertreibung und Sensationsmacherei – die Faszination unserer schönen Wissenschaft und ihrer nach wie vor andauernden, rasanten Entwicklung.

Ulf von Rauchhaupt (45) studierte Physik und Philosophie und forschte von 1992 bis 1998 am Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching, wo er 1997 über Radiohalos in Galaxienhaufen promovierte. Nach einer Hospitanz im Wissenschaftsressort der ZEIT und zwei Jahren als Reimar Lüst Research Fellow am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin war er zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Museum in München.

2001 trat er in die Feuilletonredaktion der F.A.Z. ein. 2002 wurde er mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus ausgezeichnet, 2006 mit dem Journalistenpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Er ist Autor von »Wittgensteins Klarinette. Gegenwart und Zukunft des Wissens« (Berliner Taschenbuch Verlag 2005) und von »Der neunte Kontinent. Die wissenschaftliche Eroberung des Mars« (S. Fischer Verlag 2009).


Preisträger 2007: Markus Pössel

Markus Pössel
Markus Pössel

Markus Pössel arbeitete bis zur Zeit der Preisverleihung als Postdoc am Max-Planck-Institut für Gravitationsforschung (Albert Einstein Institut) in Potsdam. Neben zahlreichen Beiträgen in den einschlägigen Zetschriften und Zeitungen (Sterne und Weltraum, Spektrum der Wissenschaft, Astronomie heute, Cicero, Die Welt und anderen) hat er mit dreierlei Leistungen die Jury besonders beeindruckt:

  • Der wichtigste Beitrag des MPI für Gravitationsphysik zum Einsteinjahr 2005, das populärwissenschaftliche Webportal Einstein Online zu Einsteins Relativitätstheorien wurde von ihm konzipiert und umgesetzt. Markus Pössel hat den ganz überwiegenden Teil der dort erschienenen Artikel – in deutsch und in englisch – selbst verfasst, und er unterhält es weiterhin und baut es aus. Als Redakteur wirbt er Autoren anderer Institute weltweit für Einstein Online an und redigiert deren Artikel.
  • Für verschiedene Ausstellungen im Einsteinjahr hat Markus Pössel Texte verfasst und interaktive Experimente konzipiert. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang seine Mitarbeit an der großen Ausstellung »Albert Einstein – Ingenieur des Universums«. Für diese Ausstellung, die im Jahr 2005 in Berlin 130.000 Besucher anzog, war er an Konzeption, Planung und Umsetzung des Bereichs »Einsteins Welt heute«, der sich mit den Auswirkungen von Einsteins Entdeckungen auf die moderne Physik auseinander setzt, maßgeblich beteiligt. Dafür schrieb er auch Ausstellungs- und Katalogtexte.
  • Schließlich hat Markus Pössel zwei erfolgreiche populäre Bücher verfasst:
    • »Phantastische Wissenschaft«, Rowohlt 2000 (2. Aufl. 2002) und
    • »Das Einstein-Fenster. Eine Reise in die Raumzeit«, Hoffmann und Campe 2005

Die Jury war beeindruckt von der Breite dieses multimedialen Ansatzes und von der fachlichen Kompetenz, die ihm zugrunde liegt. Die Arbeiten von Markus Pössel vermitteln dem Leser, Nutzer und Betrachter klare Einsichten in grundlegende Zusammenhänge und in eine bunte Vielfalt überraschender Konsequenzen, sowie reine Begeisterung für unsere schöne Wissenschaft und ihre Gegenstände.


Preisträger 2005: Thomas Bührke

Thomas Bührke
Thomas Bührke

Thomas Bührke (48) wurde nach Abschluss seines Studiums der Physik, Promotion in Astronomie, sowie weiteren Jahren der aktiven astronomischen Forschung Redakteur bei den Physikalischen Blätter; seit 1990 ist er Redakteur der Zeitschrift Physik in unserer Zeit. Schwerpunkt seiner Arbeit ist aber die Darstellung astronomischer Themen als freier Journalist und Buchautor.

Für den Hanno und Ruth Roelin-Preis 2005 hat sich Thomas Bührke mit seinem Buch Albert Einstein und mit seinen umfassenden Darstellungen aktueller astronomischer Themen aus den Jahren 2004/2005 in der Süddeutschen Zeitung, der Welt, der Berliner Zeitung, sowie den Zeitschriften Spektrum der Wissenschaft und Bild der Wissenschaft beworben.

Albert Einstein, dtv portrait, München 2004 (3. Aufl.), ist eine lebendige Biographie, in der Bührke es mit großem Geschick versteht, Einsteins Leben, sein wissenschaftliches Denken und die turbulenten Umstände seiner Zeit miteinander in Bezug zu setzen. Einsteins Entdeckungen werden anschaulich geschildert und in den Kontext der zeitgenössischen Physik gestellt. Die astronomischen Bezüge, insbesondere in der Kosmologie, kommen ausführlich zur Geltung. Dabei bleibt E = mc2 die einzige Formel im ganzen Buch - und auch sie wird anschaulich erklärt!

Thomas Bührkes Berichterstattung in überregionalen Tageszeitungen und Zeitschriften überzeugt mit dem breiten Spektrum der behandelten Themen aus Astronomie und Weltraumforschung und mit der sorgfältigen Erläuterung komplexerer Zusammenhänge und Hintergründe. Dabei behält Bührke den Unterhaltungswert seiner Texte sehr wohl im Auge.

 
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