Island - raue Schönheit im hohen Norden

Motorradtour 14.Juni-5.Juli 2009

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Anreise

Die Anfahrt nach Island ist schon eine eigene Reise: 1150km Bis Hanstholm in Dänemark (gelb), dann 48 Stunden per Schiff nach Seydisfjördur. Nur für 1.5 Stunden wird auf den Färöerinseln (roter Punkt) angelegt.

   

Auf geht's zu Hause bei perfektem Wetter. Während der ganzen langen Anreise war das Wetter gut, ebenso beim Einschiffen. Nervig war nur der starke Seitenwind von der Küste her in Dänemark. Mehr Bilder von der Anfahrt gibts hier .

   

   

Island kommt näher, und es ist sehr frisch...

   

Beim Ausschiffen. Schwer beladen sind die Motorräder, mit meinem als einziger Ausnahme (links). Aus einem Motorrad läuft Öl heraus. Macht nichts, sagt der Fahrer, ist nur Olivenöl. Interessant auch, daß er im Tankrucksackfenster die Bedienungsanleitung für seine Kamera hat. Erster Stop zum Geldwechsel in Egilstadir.

Myvatn - Krafla - Dettifoss

 

Freundlich hat mich Island ja nicht gerade empfangen. Das Ausschiffen im kleinen Hafen Seydisfjördur ging ja noch trocken von statten, auch wenn es ziemlich kalt war, was aber einen Schotten nicht davon abhielt, im Rock herumzuspazieren. Bei der kurzen Fahrt über den Gebirgspass nach Egilstadir habe ich mit Temperatur um etwa 5 Grad, Nebel, Regen und böigem Wind zu kämpfen. Schemenhaft tauchen Lichter von Autos aus der nebligen Suppe auf, manchmal glaube ich, einen Wasserfall zu hören.  Hoffentlich geht das nicht so weiter, denke ich... 

Ein kurzer Stop bei der Bank in Egilstadir, und es ist trocken! In Egilstadir muss man sich entscheiden - im oder gegen den Uhrzeigersinn um die Insel zu fahren. Da das Wetter im ganzen Osten laut Wetterbericht nicht so toll ist, fahre ich wie ich urprünglich geplant hatte, gegen den Uhrzeiger nach Norden auf der Ringstrasse. Die Ringstraße ist ca.1500 Kilometer lang und umrundet die ganze Insel, relativ küstennah. Bis auf die Westfjorde und das Hochland, also das Landesinnere, kann man auf bzw nahe der Ringstraße viele Sehenswürdigkeiten erreichen. Sie wurde von den Amerikanern im 2. Weltkrieg gebaut, die Island als Stützpunkt auf dem Weg nach Europa benutzten. Kein Problem, die Ringstrasse 1 zu finden, die Beschilderung ist in ganz Island hervorragend, und Egilstadir ist ja auch keine Metropole. Ich mache erste Bekanntschaft mit der isländischen Landschaft, mit Bergen und einem kleinen Wasserfall.

       

Die ersten Eindrücke von Island sind doch sehr eingetrübt...

       

Schweflige Dampfschwaden ziehen bei Reyhkalhid am Myvatn (=Mückensee) durch die Luft.

Island wird zwar zu Europa gezählt, aber schnell wird mir klar, daß ich nicht mehr in Europa bin. Temperaturen knapp über Null im Juni...und selbst die Ringstraße ist nicht überall geteert. Die ersten Straßenbauarbeiten erschweren das Fortkommen, Kilometer weit ist die ganze Straßenbreite tief eingeschottert, es geht in Serpentinen recht steil nach oben, es fährt sich wie auf Eiern. Es fängt auch wieder an zu regnen, heftig, ebenso der Wind. Ich friere, und hatte ja eigentlich vorgehabt, den Dettifoss (foss= Wasserfall) zu besuchen, da er sozusagen am Weg liegt. Da ich aber schon nass und kalt bin, fahre ich weiter zum Dorf Reykhalid und checke im Gästehaus ein. Möbliert ist das Zimmer mit 2 Etagenbetten, sonst kahl. Ein seltsamer Geruch nach Reinigungsmittel durchzieht das Haus. Die Schuhe muss man gleich nach dem Eingang ausziehen, etwa 30-50 Paar Schuhe von allen Gästen fliegen hier durcheinander. Eine große Gruppe Italiener ist da, lautstark werden Spaghetti gekocht. Mein Zimmergenosse kommt später, ein Italiener, den ich schon auf dem Schiff gesehen hatte. Das Dorf mit 200 Einwohnern besteht nur aus ein paar Häusern, Tankstelle, Supermarkt, Kirchlein, 2 Hotels und dem Landgasthof Gaemli Baerinn, in dem es Nachmittags sehr gute Kuchen mit Sahne und gutes Essen gibt und das von vielen Touristen und Einheimischen besucht wird.

     

Reykhalid, ein kleines Dörfchen mit 200 Einwohnern. Oben links ganz links eines der beiden Hotels. Ein Lavafluss im Jahre 17xx hat das ganze Dörfchen zerstört, machte aber vor der Kirche, in die sich die Bewohner auch der umliegenden Gehöfte geflüchtet hatten, Halt.

     

Campingplatz und das simple Gästehaus in Reykhalid, kein Luxushotel, aber gut geschlafen habe ich trotzdem, und die nassen Sachen wurden auch trocken.

Reykhalid liegt am Myvatn, dem Mückensee, und ist idealer Ausgangspunkt für einige Exkursionen. Nur wenige Kilometer vor dem Ort sind heise Quellen und verfärbter Boden im Namjafjall zu sehen, die Erde dampft und zischt, es riecht nach Schwefel. Ein wenig weiter ist das Vulkansystem Krafla, aus dem auch der Lavastrom entsprang, der große Teile von Reykhalid zerstörte. So ähnlich wie diese eigenartige Landschaft mögen große Teile der Erde in ihrer Entstehungsphase ausgesehen haben. Tatsächlich ist Island eine sehr junge Insel, gerade mal 20 Millionen Jahre alt. Ursache der geologischen Aktivitäten auf Island ist die Lage der Insel auf der Nahtstelle zweier tektonischer Platten, der amerikanischen und der eurasischen. An einer Stelle der Insel (Pingvellir, kommt noch) kann man auch sehr schön sehen, wie sich die beiden Platten voneinander trennen.

   

   

   

Am Namjafjall fiel mir Schiller ein: Und es siedet und wallet und brauset und zischt...

   

Der Vitikrater

   

Bei Krafla wird die Energie in Geothermieanlagen genutzt.

   

   

   

   

   

 

 

     

 

So richtig warm war's nicht....

Eine Tafel am Wegesrand zeigt an, warum mir's nicht so recht warm ist: 1 Grad... Mit so niedrigen Temperaturen hatte ich nicht gerechnet, erwartet hatte ich 8-15 Grad. So ziehe ich eben mehrere T-shirts und Rollis und einen Pullover übereinander... Weiter gehts zum Dettifoss, es fängt an zu regnen. Die Piste 864 wird sehr schmierig, außerdem ist sie von Schlaglöchern übersät, das Hinterrad rutscht oft in welche hinein, denn ich muss langsam fahren weil das Visier Innen beschlägt und Aussen voller Regentropfen ist. Fernreisen mit dem Motorrad haben auch ihre unangenehmen Momente...Eine Senke ist über die ganze Straßenbreite voll mit gelber Brühe, ca.5m lang. Da hilft nur Haxen auf die Rasten, Gas geben und durch, ich schaue nach unten, rechts und links spritzt das Wasser meterweit. Zwei Holzbrücken queren kleinere Flüsse, sind glitschig und der Wind peitscht durch das Flusstal. Welcome to Iceland! Nach diesem ersten Härtetest komme ich zum Dettifoss. Er ist tatsächlich sehr schön, selbst für einen, der bereits 2 Mal in Iguazu war. Leider regnet es weiter, ich bin nass, meine Hose ist nicht mehr ganz wasserdicht (warum ich meine Regenüberhose nicht angezogen habe, ist mir heute noch ein Rätsel.)

   

 

     

Der Dettifoss im Regen. Er stürzt ca 40 Meter tief über eine Breite von 100m. Das Gletscherwasser führt auch Geröll, Sand und Schlamm mit, jeden Tag rund 120000 Tonnen, das sind 2400 Güterwaggons.

Eigentlich hatte ich vor, die Halbinsel weiter zu umrunden und über Husavik zurückzukehren, aber ich muss mich wieder aufwärmen. In Husavik gibt es das einzige Penismuseum auf der Welt, mit 170 Epxonaten; ich hatte ohnehin nicht vor, dies zu besuchen. Ausserdem kann man in Husavik mit Schiffen aufs Meer hinaus zum Beobachten von Walen, aber bei diesem Sch...Wetter hatte ich dazu keine Lust. Der Kaffee und der gute Kuchen in Gaemli Baerinn lassen meine Lebensgeister wieder auferstehen, ich hänge meine Sachen zum Trocknen auf, und fahre zurück zur Lagune am Ortsausgang. Die Lagune besteht aus mehreren etwa 1,5 m tiefen Becken, die mit ca 40 Grad warmem leicht schwefeligem Wasser, so wie es eben aus der Erde kommt, gefüllt sind. Ach, wie schön ist es, durchgefroren in so herrlich warmes Wasser zu steigen und sich eine Stunde so richtig durchzuwärmen! Ein Schweizer kommt ins Wasser, sagt: Das ischt eine andere Temperatuhrr . Diese Lagune ist echt rustikal, vom warmen Becken muss man etwa 20 Meter durch die Aussenluft (bei mir 4 Grad, im Winter -10 Grad) in die ungeheizte Dusche laufen. Die Isländer sind eben harte Burschen, bei 12-15 Grad sitzen sie in shorts und T-shirt draussen... Es gibt auch einen Kiosk bei der Lagune, und ich erstehe ein Paar dünne Wollhandschuhe, die ich unter die Lederhandschuhe anziehe und die mir bei den tiefen Temperaturen die Griffheizung ersetzen. Wieder zu Hause, hat sie mir meine Holde gleich weggenommen, sie könne sie gebrauchen...

Dimmuborgir - Godafoss - F82

 

Am nächsten Tag - hurra - kein Regen, und es ist auch warm (Temperaturen über 10 Grad bezeichne ich ab hier als warm). Ich kann gerade so mein Motorrad auf dem Parkplatz neben dem Gästehaus besteigen, obwohl es viel Platz hat, haben 2 Damen ihren VWbus direkt daneben geparkt. Auf meine Frage, ob sie keine Angst hätten, dass das Motorrad auf ihr Auto umfällt, meinten sie, ja das hätten sie auch schon gedacht, aber sie denken es würde auf die andere Seite fallen. Ein gesunder Optimismus ist doch auch was schönes... Auf der Südseite des Myvatn besuche ich Dimmuborgir, ein Lavafeld mit beeindruckenen Formationen. Mir wird auch klar, warum der Mückensee so heißt: viele kleine, aber harmlose Mücken überfallen mich, wenn ich anhalte um ein Foto zu machen. Weiter gehts entlang der Ringstrasse zum Godafoss und dann nach Akuyeri, eine hübsche kleinere Stadt.

   

Das Südufer des Myvatn. Der Myvatn ist nur3-5 Meter tief und erst vor 3500 Jahren bei einem Vulkanausbruch entstanden. Im Sommer bilden die Mücken riesige, wolkenartige Schwärme. Zum Glück bekam ich davon wenig mit, aber bei jedem Fotostop war ich voller Fliegen.

                         

Die bizarren Lavafelsen am Dimmuborgir entstanden, als vor 2000 Jahren bei einem Vulkanausbruch Lava über ein Sumpfgebiet floss und sich durch den Wasserdampf Blasen in der Lava bildeten.

     


           

Der Godafoss. Der Name (God=Gott) soll daher kommen, dass nach der Christianisierung vor 1000 Jahren ein Fürst die alten Götzenstatuen in den Wasserfall geworfen hat.

           

Durch die gute Beschilderung ist die Orientierung in Island auch ohne GPS problemlos

                 

Akuryeri, auch die Perle des Nordens genannt, ist eine hübsche kleinere Stadt mit ca.17000 Einwohnern.

Ich verlasse die Ringstraße Richtung Dalvik, die Küstenlandschaft ist schön, und nehme bei Olafsfjördur Piste 82 übers Hochland. Island zeigt jetzt seine Schokoladenseite, es ist angenehm warm, die Sonne scheint, und die Landschaft ist wunderschön. Viel zu schnell ist die Fahrt zu Ende. Weiter gehts auf der Straße 76 bis Varmhalid und dann auf der N1. An einer Tankstelle übermannt mich der Hunger, und nicht nur das Motorrad bekommt was zwischen die Kiemen. Ich frage den Wirt, ob es hier eine Übernachtungsmöglichkeit gebe. Er hätte Zimmer, aber heute seien alle ausgebucht, gestern kein Mensch da und morgen ebenso. Aber wenige Kilometer weiter gebe es einen Reiterhof. Ob er anrufen solle? Ja, bitte. Nach ein paar Minuten legt er mir wortlos(!) einen Zettel mit Telefonnummer und Zimmerpreisen hin. Ich bitte ihn noch, den Namen des Reiterhofes hinzuschreiben, denn die Aussprache und die Schreibweise sind im Isländischen doch sehr verschieden. Der Reiterhof Gauksmyri ist nett, ein schönes Zimmer habe ich und total ruhig ist es auch. Leider muss ich das Abendessen verschmähen, da ich ja an der Tankstelle schon wie gesagt einen Cheeseburger verzehrt habe.

             

Die klaren Formen der Kirche in Dalvik kontrastieren mit den Formen in der Natur.

                     

 

       

Die Strasse 82 durch das Hochland war eine der schönsten der Reise.

   

   

Typische Gehöfte. Mit der Einsamkeit muss man eben klarkommen. Vor allem im Winter, wenn es nur 3-4 Stunden hell ist, sicher nicht immer einfach.

   

 

Die kleine Kirche mit dem Grassodendach wurde aus angeschwemmtem sibirischem Treibholz gebaut.

 

Der Reiterhof Gauksmyri, für eine Nacht mein Domizil.

Gauksmyri - Westfjorde - Isafjördur

 

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen ist gut, beim Bezahlen frage ich den Mann, ob sie viele Touristen hätten."Yes, especially from Germany". Ich versuche witzig zu sein:" These Germans are everywhere, like a plague". "Yes", sagt der Mann, dreht sich um und geht.

Gut gestärkt mache ich mich auf zu den Westfjorden, die ich unbedingt sehen will. Das Wetter ist trocken, und es kommt im Laufe des Tages auch die Sonne heraus. Die Landschaft ist wunderschön, vor allem nach Holmavik, wenn die Fjorde beginnen. Das Elfenmuseum in Holmavik lasse ich aus, an Elfen glaube ich nicht, aber in Island sieht man das ganz anders. 6 von 10 Isländern, selbst Städter, glauben an Elfen, Trolle und andere übernatürliche Wesen. So wurde im Jahre 1999 ein Tunnel dem örtlichen Troll gewidmet. Man hat hier schon Straßen verlegt, um die Elfen nicht zu stören... Nach einer Sage versuchten Trollen, die Westfjorde von der Hauptinsel zu trennen, aber die aufgehende Sonne ließ sie erstarren. In Isafjördur ist das Gästehaus voll belegt, so checke ich im Eddahotel ein. Als Eddahotels werden Internate bezeichnet, die in den Sommermonaten statt von Schülern von Touristen benutzt werden. Ich bekomme ein ganzes Klassenzimmer für mich alleine, Erinnerungen werden wach: nach mehr als 40 Jahren mal wieder in der Schule schlafen...Die junge Dame an der Rezeption ist für isländische Verhältnisse geradezu geschwätzig, ihr Vater arbeitet in Cuxhafen, und sie wird den August in Berlin verbringen. Sie verspricht (und hält), mein Zimmer von weiteren Gästen frei zu halten, so habe ich das ganze vielleicht 70 Quadratmeter große Zimmer für mich alleine.

In Isafjördur ist nicht viel zu sehen, bei einem Thailänder in einem kleinen Einkaufszentrum esse ich sehr gut, aber halt in schlichter Schnelllokal Ausstattung. Reis mit Huhn und Krabben inklusive kleinem Bier für 10€. Die Finanzkrise hat eben auch Gewinner.

                 

   

Holmavik, Tankstelle und Blick über den kleinen Ort.

                           


           

Isafjördur, an einem natürlichen Hafen gelegen.

   

Edda Hotel in Isafjördur, "mein" Klassenzimmer Nr.5

Isafjördur - Lauga

 

Die Sonne lacht am nächsten Tag, aber immer wieder kommt der Störenfried Regen dazwischen. Es geht Richtung Süden, über Pingevir und den Dysandifällen nach Patreksfjördur. Ich wärme mich dort ein wenig in der Tankstelle auf, treffe ein Ehepaar aus Südtirol. So einen geschwätzigen Menschen wie diesen Mann habe ich zum Glück in meinem ganzen Leben noch nicht getroffen. Er frägt etwas, aber bevor ich antworten kann, schnattert er schon wieder selber. Vielleicht kommt er sonst nicht zu Wort? Die Frau ist jedenfalls verdächtig schweigsam.

Über eine schlechte, aber schöne Strecke gehts weiter zum Vogelfelsen Latrabjarg, dort ist es sehr angenehm, die Sonne scheint, und es ist warm! Über eine Million Vögel soll sich dort aufhalten, aber ich glaube die Zahl ist um einiges zu hoch gegriffen. Schön ists aber trotzdem, und die Papageientaucher sind ja auch spossierliche Tiere.

In Branslaekur frage ich, wann die Fähre nach Stykkisholmur geht, aber die Wartezeit von 3 Stunden ist mir dann doch zu lang, ich fahre an der Südküste der Westfjorde entlang. Eine gute Entscheidung, denn die Strecke ist ebenfalls sehr schön und total einsam. Die Bevölkerungsdichte in Island liegt bei nur 2.9 Einwohner/Quadratkilometer, im Vergleich zu 230 für Deutschland. Entsprechend gering ist der Verkehr, das Fahren ist dadurch sehr angenehm, dazu kommt noch daß in Island alles sehr ruhig abläuft, ich glaube Streß gibts dort keinen. An einer Stelle taucht ein Schild auf: 16% Gefälle. Gerne hätte ich ein Foto gemacht, aber in dem Moment, in dem ich das Schild sehe, bin ich auch schon mittendrin, und bei diesem Gefälle auf ungeteerter Straße ist das Anhalten unmöglich. Erst spät am Abend erreiche ich Lauga, wo ich übernachten wollte. Ein sehr schöner Tag, aber auch mit fast 512 km der mit Abstand längste der Tour und auch anstrengend. Ich bin versifft von oben bis unten, und so ist sauber machen mal wieder meine Abendunterhaltung.

                 

   

Die ungeteerten Strassen hinterlassen ihre Spuren.

 

Nur die Bremsscheibe glänzt noch

             


 

Am Latrabjarg, gut eingesifft.

       

     

Latrabjarg, der Vogelfelsen. Bei genauem Hinsehen erkennt man die vielen Vögel.

         

Latrabjarg, der Vogelfelsen, ist auch der westlichste Punkt Islands.

                   

Lauga - Bogarnes

 

Am nächsten Morgen gehts bei Regen nach Stykkisholmur. Der Ort ist nicht sehenswert, aber die Kirche ist sehr schön in ihrer klaren Schlichtheit. Über eine 70 Kilometer lange miserable Piste weiter nach Westen. In der Tankstelle von Olasfsvik treffe ich Deutsche wieder, die ich gestern an der Fähre getroffen hatte. Dort hatte der Mann nach Blick auf mein Nummernschild geagt: Der Heidelberger ist ein harter Knochen. Eigentlich wollte ich hoch zum Snaefsjökull Gletscher, der eine der großen Attraktionen auf Island ist; Jules Verne läßt hier seine 'Reise zum Mittelpunkt der Erde' beginnen. Aber es regnet in Strömen und die Berge sind in dichten Nebel gehüllt. Ein Schild an der Piste: road impassable besiegelt endgültig die Entscheidung weiter zu fahren. Wenn man in Island wirklich alles sehen will, muss man einen Puffer für Schlechtwetterperioden haben und diese aussitzen. Bei zwei Wochen inklusive Westfjorde kann man sich das aber nicht groß leisten.

Ich steuere Bogarnes an, in der dortigen Touristeninfo frage ich nach Unterkunftsmöglichkeiten. Der junge Mann empfiehlt Motel Venus. Ich sage: "sounds promising", aber ich habe wohl doch einen anderen Humor als die Isländer, denn er findet das nicht zum Lachen.

Total eingesaut und nass komme ich im Motel an. Gleich darauf hört's auf zu regnen... Vor dem Motel steht der urig umgebaute Boxer von Gustl aus Bayern, den ich schon auf der Fähre kennen gelernt hatte und der die Insel im Uhrzeigersinn umrundet. Ich mache meine Sachen mal wieder sauber, und hänge sie zum Trocknen auf. Eine heiße Dusche genieße ich ohne schlechtes Gewissen für eine halbe Stunde, denn das Wasser ist schwefelhaltig, so wie es direkt aus der Erde kommt. Über das Abendessen haben wir genug Gesprächstoff, die Touren und Sehenswürdigkeiten. Er wollte auch einige Strecken fahren, die ich auch anvisiert hatte, aber bei einer Piste sind 20 Wasserdurchfahrten, die tiefste sei 80cm...Man muß das Schicksal ja nicht herausfordern. Natürlich fachsimpeln wir auch über Motorräder. Als er erfährt, daß ich keine Griffheizung habe, meint er:"Bist scho a harter Hund." Das weiss ich nicht, aber einen gewissen Biss braucht man als Motorradfahrer in Island wegen des Klimas schon. Auch gibt es bequemere Straßen als isländische Pisten. Man kann - ja man muss - dies sportlich nehmen, dann machts sogar Spaß, wenn man alle Steine und Löcher umkurvt. Viele Pisten haben Wellblech, dies rüttelt einen durch und durch, daß einem die Füllungen (vulgo Plomben) aus den Zähnen fallen. Da hilft nur schneller fahren, so ab Temp 60 fliegt man über die Wellentäler und das Motorrad ist ruhig. Ich fahre nicht schneller als 60, weil ich mir keinen Steinschlag einhandeln möchte. Gustl fährt da nach eigener Aussage 90, und auf der Rückreise auf der Fähre erzählt er, daß er seinen Vorderreifen und den Kardan kaputt gefahren hat. Bei der Reparaturaktion hilft ein Isländer, der ihn auch zu sich einlädt. Er ist Anfang 40, verdient sein Geld mit 3 Kühlautos, die 9 Monate lang Fisch transportieren, hat ein Haus, einen Geländewagen, ein Auto für die Frau, ein Motorrad und ein Ferienhaus in Spanien, alles auf Kredit mit wenigen Zinsen gekauft. Jetzt geht das Geschäft nicht so gut, die Zinsen steigen und er weiss nicht, wie er das bezahlen soll.

     

Die Kirche in Stykisholmur, klare Linien wie im Norden üblich.

 

Der Ort selbst bietet wenig...

                   

Motel Venus, hält nicht ganz, was der Name verspricht...

Bogarnes - Pingvellir

 

Am nächsten Tag ist schönes Wetter, das im Verlauf des Tages immer besser wird. Über die Pisten 50 und 52 gehts Richtung Pingvellir. Ich komme wieder in Straßenbauarbeiten, ein Tankwagen näßt die (ungeteerte) Straße ein. Ich will warten, bis er weg ist, aber nach ca 2 Kilometern dreht er um und kommt wieder, und dreht wieder um... Ich warte ein paar Minuten, bis alles ein wenig abgetrocknet ist, und dann Augen zu und durch. Bin mal wieder eingesifft...

Unterwegs treffe ich 3 Biker vom Schiff, die auch schlechtes Wetter im Süden hatten. Einer meinte: das Fahren hier ist die Härte. Schön finden Island aber alle. Bei strahlendem Sonnenschein gehts zum Laugarvatn, im Eddahotel habe ich ein eigenes kleines Zimmer. Wieder Sachen sauber machen, meine übliche Abendunterhaltung. Die Stiefel brauchen Fett, dies gibts im kleinen Supermarkt der zur Tankstelle gehört. Made in Indonesia steht auf der Dose, die also die halbe Welt umrundet hat. Die Reissverschlüsse an Stiefeln und Tankrucksack laufen nicht mehr, ein paar Gramm Vaseline - eigentlich für die Haut gedacht, werden zweckentfremdet. Das Angebot im Supermarkt ist dürftig, die Lebensmittel kommen großen Teils aus England (einen Kommentar zum 'Schinken' spare ich mir hier), an Kosmetika gibts Teile der Niveakollektion.

Die Tankstelle mit kleinem Restaurant ist auch so etwas wie ein sozialer Mittelpunkt, viele Einheimische kommen dorthin zum Tratschen. Mir ist dort auch aufgefallen, daß die Leute den Automotor gerne laufen lassen... Dass Island in vielen Umweltstatistiken Spitzenplätze belegt, liegt wohl mehr an der Natur - die Energie sprudelt dort ja direkt aus der Erde - als an den Leuten selber.

Am Laugarvatn gibt es wieder viele kleine Mücken, manche Leute laufen mit Moskitonetz über dem Kopf herum. Laugarvatn ist ein kleines Dorf,ausser der Tankstelle mit Supermarkt und Schnellimbiss gibt es noch ein etwas heruntergekommenes Schnellrestaurant (die Pizza dort war aber sehr gut). Das Leben in solchen Dörfern muss ja recht öde sein, vor allem im Winter wenn es nur 3-4 Stunden hell ist. Auf den vielen einsam gelegenen Gehöften dürfte es noch öder sein. Kein Wunder, daß in Island die Landflucht ausgeprägt ist und viele Leute nach Reykjavik ziehen.

In allen Eddahotels gibt es einen PC mit Internet für die Gäste. Somit bin ich über das Geschehen in der Welt informiert (u.a. Finanzkrise, Opelpleite, Absturz der Air France Maschine, Tod von Michael Jackson) und werfe jeden Abend einen Blick auf die Wettervorhersage für die nächsten Tage. Zuverlässig ist diese aber nicht.

         

Jetzt regnet's mal nicht, da wird künstlich bewässert...Nach dieser Strecke ist mal wieder sauber machen angesagt...

       

Auf dem Islandmoos läuft man unglaublich weich

 

   

Hier lässt sich's gut fahren, solange kein Gegenverkehr kommt und man im "Tal" bleiben kann (links). Erstarrte Lava, man erahnt noch, wie sich die schwabbelige Masse vorwärts bewegt hat(rechts).


Pingvellir ist für einen nüchtern Denkenden die Nahtstelle zwischen eurasischer und amerikanischer Platte, alte und neue Welt driften auseinander, 2cm pro Jahr, Gräben durchziehen die Gegend und legen davon Zeugnis ab. Während der letzten 10000 Jahre sind hier die beiden Platten um 70 Meter auseinandergedriftet, der Talboden hat sich um 70 Meter gesenkt. Vier Vulkansysteme umgeben Pingvellir.

Für die Isländer ist Pingvellir ein magischer und auch historischer Ort. Hier wurde nach der Landnahme durch die Wikinger vor mehr als 1100 Jahren die gesetzgebende Versammlung Alping abgehalten. Um das Jahr 1000 wurde hier auch die Annahme des Christentums beschlossen, und 1944 die Republik Island ausgerufen, und 1994 die Fünfzigjahrfeier begangen.

         

Hier sieht man die beiden tektonischen Platten, links die amerikanische, rechts die eurasische(Almannagia,rechts unten). Beide Platten driften auseinander und führen zu dieser Spalte und zur geologischen Aktivität auf Island.

   

   

Die Pingvellakirche wurde um 1860 an dem Ort erbaut, an dem die erste Kirche nach der Christianisierung um 1000 n.Chr. stand. In den Nachbarhäusern wohnen der Pfarrer und der Direktor des Nationalparks.

Laugarvatn - Landmannalaugar

 

Landmannalaugar heisst mein Ziel heute. Beim Frühstück sieht alles prima aus, blauer Himmel und die Hekla ist gut sichtbar. Die Hekla ist Islands aktivster, berühmtester und auch berüchtigster Vulkan, 1491 m hoch ragt er über die Lavalandschaft hervor. . Noch bis im 17.Jahrhundert glaubte man, daß die Hekla das Tor zur Hölle sei. Vermutlich kam dies daher, daß bei einem Ausbruch Vögel aus dem Krater geschleudert wurden, die man für arme Seelen hielt. Die größte Eruption fand 1947 statt, die Asche wurde bis Helsinki getragen. In den letzten 50 Jahren gab es alle 10 Jahre einen Ausbruch, der letzte war im Jahr 2000.

Der Himmel zieht sich aber zu, und nach einigen Kilometern Fahrt regnet es, bis kurz vor der Rückkehr... Der Weg nach Landmannalaugar geht über die Straßen 37-35-33-32-26-F208. Kurz vor der Piste F208 wärme ich mich noch in einem Cafe auf, und - oh Wunder - ein Isländer (fährt selber Enduro) spricht mich an, zeigt mir Fotos von den ersten Autos und Motorrädern vor 70 Jahren in Island. Autos wurden auf Boote geladen, um Flüsse zu überqueren, übernachtet wurde in Zelten, im Schnee...Pioniergeist, oder einfach nur verrückt? Die Piste F208 ist nicht einfach, viel Wellblech und sie ist auch schmierig. Ein Lavafeld ist zu durchqueren, überall schwarzer Sand. In einer Tiefsandpassage taucht mein Vorderrad bis zur Achse ab, ich bin zu langsam. Auf der Rückfahrt klappts dann problemlos. Die Landschaft bei Landmannalaugar (= die warmen Quellen der Landmänner) ist beeindruckend, kieselsäurehaltiges Gestein schillert in verschiedenen Farben, die sich mit dem Sonnenstand ändern sollen. Schade nur, daß ich keinen Sonnenschein habe, es regnet ohne Pause. Bei Sonnenschein sieht eine Landschaft ja doch viel schöner aus.

             

   

Das Tanken ist kein Problem, nur im Hochland ist die Tankstellendichte gering, sonst aber für ein Motorrad mit 350km Reichweite sehr gut.

                           

   

Landmannalaugar. Bizarre Ablagerungen in einem kleinen Fluss.

   

Perfekte Kombination: Wellblech und Tiefsand.

   

 

   

Laugarvatn - Geysir- Gulfoss - Kjölurpiste - Hveravellir

 

Das Wetter ist mäßig, als ich zum Gulfoss und zum Geysir aufbreche. Der Gulfoss (=Goldener Wasserfall) ist sehr schön, Wege führen zu Aussichtspunkten nah am Wasser. Nahebei liegt der Geysir, der allen anderen den Namen gegeben hat.

Durchs Hochland führen zwei bekannte Pisten, mehr oder weniger von Norden nach Süden, Askia und Kjölur. Wenigstens eine wollte ich unbedingt befahren, aber trotz heftigen Grübelns sah ich nicht, wie man eine Piste komplett befahren kann, ohne dann auf der Ringstraße etliche Kilometer doppelt zu machen. So entschied ich mich, die Kjölurpiste bis Hverevellir, einem Thermalgebiet in der Mitte Islands, zu fahren und dann wieder zurück. Ich überhole einen Radfahrer, schon älteres grauhaariges Semester. Die Piste ist sehr holprig, aber auch sehr schön. Eine Wasserdurchfahrt - ich halte ein paar Meter davor an, kann in dem klaren Wasser bis zum Grund sehen, etwa 30cm tief. An einer Stelle sehe ich nicht den Boden, denke aber, wird schon gehen. Gas geben und durch - eine kleine Wäsche für das Motorrad von unten. Nach 2 Stunden bin ich am Ziel, Hveravellir mit heißen Quellen und Solfataren. Einen Kaffee getrunken und wieder gehts zurück. Der grauhaarige Radfahrer kommt mir entgegen, kämpft gegen die Piste und den Wind, das Gesicht zur Faust geballt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie anders eine Strecke erscheint, wenn man sie in umgekehrter Richtung befährt.

Ein Päarchen mit Rädern macht Pause mit Nüssen. Ich halte an und spreche ein wenig, woher, wohin usw. Sie sind aus der Schweiz, und die junge Frau war wie ich am Tag vorher in Landmannalaugar. Auf die Piste angesprochen, meint sie kurz und bündig: das war ein Kack. Sie sind aber gut drauf, nicht wie der andere. Die Sonne kommt hervor, und so mache ich nochmal einen kurzen Fotostop am Gullfoss, mit Sonne und Regenbogen... Mittlerweile fühle ich mich auf den Pisten auch viel sicherer, und freue mich über jeden Stein, dem ich ausweichen konnte, jedes ausgelassene Schlagloch. Dennoch hinterlässt Island seine Spuren, ein Gabelholm fängt an zu nässen,und der Neutralschalter stellt später seinen Dienst ein. Am Abend, nach 160km rauer Piste und 100km Straße, bin ich doch ordentlich müde. Saubermachen, einen Hamburger verdrücken, und ab in die Koje.

   

Zuerst macht er blubb, dann geht die Fontäne ab, und fällt nach wenigen Sekunden in sich zusammen, bis das Spiel nach ein paar Minuten von vorne beginnt. Der Geysir Strokkur.

   

Am Geysir gibts alle Versorgungsmöglichkeiten, Hotel, Restaurant und Tankstelle.

                 


                 

     

   

Der Gullfoss (=Goldener Wasserfall) ist sehr schön, man kann auch nahe ans Wasser heran.

                         

Überall blubberts, aus dem Donnerkegel zischt lautstark der Dampf.

                   

Laugarvatn - Reykjavik

 

Heute gehts nach Reykjavik, ich will zum Hafen, denn Von dort ists ja auch nur ein Katzensprung ins Zentrum der Stadt.ich fahre nach Gefühl und Sonne, und finde den Hafen problemlos. Reykjavik ist ja ganz nett, aber man sieht, daß es keine sehr reiche Stadt ist. Die bekannte Kirche 'Hallgrimskirkja' ist wegen Bauarbeiten eingehüllt, im Innern ist sie wie alle nordischen Kirchen schlicht, klar aber schön. Im Cafe Paris (scheint in zu sein) genehmige ich mir ein kleines (0.33l) Bier, Lasagne mit Salat und Cappuccino für 17 €. Ein akzeptabler Preis, für Touristen hat die Finanzkrise eben Vorteile. Island hat Bilanz gezogen und festgestellt, daß es Pleite ist. Der Wechselkurs, der im Vorjahr 1 € = 78 ISK war, steht jetzt bei 1 € = 180 ISK. Damit wird aus dem bislang sauteuren Island ein recht preiswertes Reiseland, 1 Liter Diesel oder Benzin 1€, ein Burger an der Tankstelle 5-6 €. (Amerikanische Kollegen sagten mir nach der Rückkehr als ich diese Preise nannte: 'you don't need more, just gas and burgers'). Übernachten kann man auch sehr preiswert, wenn man ein wenig auf Komfort verzichtet. 'Sleeping bag accomodations' in Gästehäusern gibts ab ca.8€, ebenso in den Eddahotels. Ich hatte da manchmal ein Einzelzimmer, aber auch mal in einer Turnhalle oder Klassenzimmer geschlafen. Dusche und Toilette gabs auch immer, und sauber wars wie in Island überall.

         

Der Kjeridkrater ist sehr beeindruckend. Er ist durch eine Explosion vor etwa 3000 Jahren entstanden und 55m tief, ein Kratersee bedeckt den Boden..

                                     

   

 

Vom Restaurant und Museum Perlan hat man einen schönen Blick auf Reykjavik.

   

Ein künstlich angelegter Geysir...

   

Nach all der Zivilisation in Reykjavik war ein kleiner Abstecher auf einer Piste wieder angesagt.

Fast 'food' ist in Island sehr weit verbreitet, an Tankstellen gibts es praktisch überall. Ansonsten habe ich mir ab und zu in den besagten Eddahotels ein richtiges Essen gegönnt, das war immer sehr gut, vor allem Fischgerichte. Die traditionelle isländische Küche habe ich nicht probiert, einseitig angesengte Schafsköpfe (Svid) und halbvergammelter - pardon, fermentierter - Hai (Hakarl), soll nach Ammoniak schmecken, selbst die Isländer brauchen hinterher einen Schaps, fand ich nicht so verlockend...

Die Reykjanes Halbinsel kann man sich getrost sparen; 4spurige Straßen, Tankstellen, Einkaufszentren - hier siehts wirklich aus wie in Europa... Die kleine Straße 425 nach Reykjanes ist perfekt geteert, ich wundere mich warum, wo doch selbst die Ringstraße nicht durchgehend geteert ist. Bald wird mir klar, warum: der Aluminiumkonzern Alcoa betreibt ein mit Geowärme gespeistes Aluminiumwerk. Optisch ist dieses Werk natürlich kein Höhepunkt, ökologisch zweifelhaft, denn der Rohstoff Bauxit muss per Schiff nach Island transportiert werden, und das produzierte Aluminium wieder wegtransportiert. Beim schnöden Mammon muss die Umwelt eben zurückstecken.

           

Radfahrer sieht man überall auf Island

       

Auf diesen Straßen ziehen Fahrzeuge eine riesige Staubfahne hinter sich her...

                           

   

Die Aluminiumfabrik bei Reykjanes ist eine Umweltsünde.

                 

Laugarvatn - Skogar

 

Es wird Zeit, Richtung Osten aufzubrechen, denn das Schiff fährt nur ein Mal pro Woche. Bei sehr schönem Wetter mache ich eine kleinen Abstecher, Route 26 nach Hekla. Ein weiterer kleiner Abstecher führt mich nach Keldur, alte Grassodenhäuser geben einen Eindruck, wie vor 150 Jahren das Farmleben ausgesehen hat. Seljandsfoss und Skogarfoss liegen an der Route. Am Skogarfoss kann man hinaufsteigen, und den Wasserfall von oben sehen. Das Wetter ist so schön - wer weiss, wie es morgen sein wird - daß ich ein paar Kilometer weiter als mein Tagesziel Skogar fahre und die tollen Felsen bei Dyrholey besuche. In Skogar bin ich wieder im Eddahotel. Der junge Mann an der Rezeption ist gesprächig, verbringt die Winter in Schottland. Wir stimmen überein - die Bewohner der englischen Insel sind ein wenig seltsam, aber liebenswert. Ich habe die ganze Turnhalle für mich allein... Die Dusche riecht nach Schwefel, nicht so toll für die Nase, aber gut für die Haut.

Eine französische Reisegruppe belegt den Speisesaal. Die guten Leute zelebrieren ihr dinner und stehen nicht so schnell auf, ich muss fast eine Stunde auf einen Platz warten. Das Buffet ist sehr gut, es gibt mehrere Fischgerichte. Der Koch kommt aus der Küche, um zu sehen, was eventuell fehlt. Ein Franzose will ihm ein Kompliment machen: 'Le buffet c'etait delicieux. Vous comprendez le francais?' Der Koch brummt: 'No, icelandish' und verschwindet in der Küche.

             

Eine typische Tankstelle mit Schnellrestaurant und kleinem Supermarkt.

     

       

Der Vulkan Hekla ist heute noch aktiv, alle 10 Jahre bricht er aus. Der letzte Ausbruch war 2000.

 

Nicht nur am Mückensee gibts Mücken...Sie waren aber erträglich, keine Plage

         

Die Häuser bei Keldur geben einen guten Eindruck, wie vor 150 Jahren das Leben auf den Höfen war. Die Grassodendächer sind sehr gut isolierend, nur das Mähen dürfte nicht so einfach sein...

   

Der Seljalandsfoss. Man kann hinter dem Fall durchlaufen, aber alle die es getan haben, kamen pitschnass wieder hervor.

         

Der Skogafoss ist auch sehr schön, man kann an der Seite hinaufsteigen und hat einen tollen Ausblick.

               

Die Felsen bei Dyrholey, ursprünglich eine Insel, durch Vulkanauswürfe aber mit Island verbunden.

 

Geschüttelt, nicht gerührt...

Skogar - Höfn

 

Nach dem Frühstück gehts los bei Nebel, und bald fängt es zu regnen an; wie gut daß ich gestern die Felsen besucht habe. Bei der Tankstelle Kirsjhub treffe ich 2 Radfahrer aus Bayern, die insgesamt 5 Wochen unterwegs sind. Ob Radfahren so gut geeignet ist, um Island zu erkunden? Das Klima hats in sich, und bergig ist Island ja auch, selbst auf der Ringstraße, so daß man auch nach ein paar Wochen nur einen kleinen Teil gesehen hat.

Eine der ganz großen Sehenswürdigkeiten Islands ist das Skaftafjell, mit dem Gletscher Vatnajökull. Dieser bedeckt 8% Islands, Volumenmäßig der größte Gletscher Europas. Die Eiskappe ist 400-1000 m dick. Unter dieser mächtigen Eisschicht liegen 4 Vulkane. Sie sind noch aktiv, Feuer und Eis liegen hier dicht beeinander. Bei einem Vulkanausbruch bilden sich unter dem Eis zunächst riesige Schmelzwasserseen. Wenn sich genug Wasser angesammelt hat, hebt sich das Eis und das Wasser fließt in gewaltigen Flutwellen ab, die Eis und Felsblöcke mitreißen können. Der letzte dieser sog. Gletscherläufe fand 1994 statt. Riesige Sanderflächen wurden im Laufe der Jahrtausende an der Südküste Islands aufgeschüttet und haben Inseln (Dyrholey, s.o.) mit dem Festland verbunden.

Es ist viel Betrieb, das Wetter ist mittlerweile herrlich und lockt natürlich Leute an, die Wanderungen zu und auf den Gletschern machen. Ich wandere etwa 1/2 Stunde zum Gletscher, es ist sehr schön, aber saumäßig heiss, ich schwitze. Der Seitenständer hinterlässt eine deutliche Vertiefung im Asphalt, der offensichtlich für andere Temperaturen gemischt ist. Auf dem Parkplatz höre ich das Brummen von Motorrädern, Italiener, die auch auf dem Schiff waren, mein Zimmergenosse von Reykhalid ist auch dabei. An seiner KTM ist nach einem Sturz ist einiges beschädigt, der ABS Sensor baumelt am Kabel, und die Gabel verliert Öl. Island ist eben ein Stress für die Fahrzeuge.

Weiter gehts entlang der Ringstraße bis zum Gletschersee Jökursarlon, in dem Eisblöcke, die vom Vatnajökull abbrechen, treiben. Die Gletscherzunge reichte noch vor 100 Jahren fast bis ans Meer, heute hat sie sich aber 2km zurückgezogen und den See gebildet. Es gibt blaue und weisse Eisblöcke, die blauen sind die neuen, bestehen aus reinem gefrorenen Wasser und reflektieren das Himmelslicht. Nach ein paar Tagen dringt Luft ein, sie werden weiss. Hier kommt unweigerlich Arktisfeeling auf. Vorbei ists mit dem Schwitzen, Kälte ist jetzt angesagt...

Bis Nesjaveli bei Höfn tolle, teilweise alpine Landschaft. Die saubere Wäsche geht mir aus, eine Waschmaschine könnte ich jetzt gut gebrauchen, denn nur mit Handwäsche werden die Sachen ja doch nicht richtig sauber.

                       


                       

Schwarzer Lavasand, im Hintergrund der Vatnajökullgletscher.

                     

Milchig-trübe fließt der Gletscher in einen See, die Eismassen sind durch Lavasand schwarz gefärbt.

                 


     

                   

 

           

 

   

Arktisfeeling kommt unweigerlich am Jökursarlon auf. Große Eisblöcke, die vom Gletscher Vatnajökull abbrechen, treiben im See.

 

Mit diesem Amphibienfahrzeug kann man eine kleine Tour auf dem Gletschersee machen.

 


   

Skogar, Tankstelle, ein paar Häuser und Internat (Eddahotel).

               

Oft anzutreffen: Schafe und Pferde. Fast gar nicht anzutreffen: Bäume.

Höfn - Eidar

 

Weiter gehts am nächsten Tag die Küste entlang. Nebel dringt vom Meer ins Land, was manchmal eine richtig gespenstische Atmosphäre ergibt. Bei Breidalsvik entscheide ich mich zur Fahrt durch die Berge nach Egilstadir, um dem Nebel und der Kälte zu entgehen. War aber nichts, in den Bergen ists auch kalt und regnen tuts auch...In Egilstadir ist das schönste Wetter, sauwarm bei 16 Grad. An der großen Tankstelle mit Restaurant im Ort trifft man "alte Bekannte" von der Hinfahrt wieder, Zeit für einen Plausch. Gustl kommt auch, er berichtet von seinem Platten und mehreren vergeblichen Versuchen, ihn zu reparieren. Er ist auch einmal von der Strecke abgekommen...Eine dem Fahrkönnen angepasste Geschwindigkeit hat auch Vorteile...

     

Das Schild "einbreid bru" taucht häufig auf, signalisiert einspurige Brücken.

   

                 

So etwa sieht Island bei Regen und Nebel durchs Visier aus...(rechts)

     

Nach Hause

 

Island verabschiedet mich mit dem schönsten Wetter am nächsten Morgen, die kurze Fahrt über den Gebirgspass nach Seydisfjördur ist leider zu schnell zu Ende. Den Pass hatte ich ja bei der Ankunft schon befahren, aber jetzt bei Sonnenschein erkenne ich erst, wie schön er wirklich ist.

       

Der Gebirgspass nach Seydisfjördur ist klein aber fein.

     

Pünktlich kommt die Fähre, und fährt auf die Minute genau wieder ab.



Auf der langen Überfahrt nach Hanstholm habe ich genug Zeit, um noch einmal meine Tour Revue passieren zu lassen. Island ist wunderschön, keine Frage. Das Klima in Island ist rau, auch keine Frage. Holperstrecken und üble Pisten erfordern eine sportliche Einstellung. Man muss gut drauf sein - psychisch wie physisch, denn ist eine Motorradreise durch Island ist eine Herausforderung, aber auch ein Erfolgserlebnis, wenn alles gut gelaufen ist. Weniger gefallen hat mir eigentlich nur der geringe Kontakt zur schweigsamen Bevölkerung. Ich selbst bin ja kein Kontaktwunder und wurde acuh schon 'maulfaul' genannt, aber im Vergleich zu den Isländern sicher eine Plaudertasche...

Auf der langweiligen Autobahnfahrt nach Hause denke ich darüber nach, wo meine nächste Reise hingehen könnte. Die Pyrenäen kenne ich noch nicht...Beim Schreiben dieses Berichts muss ich aber mehr als ein Mal denken: War doch eine tolle Resie, eigentlich könnte man ja doch noch einmal ...


Praktische Infos:

Reisezeit:

Island liegt wenige Kilometer südlich des nördlichen Polarkreises. Dies bedeutet lange, dunkle Winter und helle Sommer. Im Juni ist es nur von ca.0:30 bis 3:30 dunkel, im Winter nur 3-4 Stunden hell. Die Temperaturen liegen zwischen ca.15Grad im Sommer und -10Grad im Winter. Als Reisemonate kommen also nur die Monate Juni-August in betracht.

Anreise:

Die geografische Lage erfordert eine lange Anreise, wenn man das eigene Fahrzeug mitnehmen möchte. Es gibt 2 Möglichkeiten, mit dem eigenen Motorrad nach Island zu reisen: Motorrad per Luftfracht schicken und hinterher fliegen, oder mit der Fähre über England oder Norwegen (Bergen) oder Dänemark (Hanstholm). Mittlerweile fährt das Schiff Dienstags von Hanstholm nur mit kurzem 1.5 stündigem Zwischenstop auf den Färöerinseln nach Seydisfjördur. Ich bin über Dänemark gefahren, die 1150km bis Hanstholm sind natürlich kein Zuckerschlecken. Kosten der Fähre für Hin-und Rückfahrt 540 € (Nebensaison) , allerdings mit sog. Couchette, d.h. 9 Personen schlafen in einer 2.5x2.5m großen Kabine. Dies geht besser als man annehmen möchte, die Lüftung ist sehr gut. Problem sind die unterschiedlichen Zeiten des Zubettgehens und Aufstehens. Eine Einzelkabine kostet ca. 1000 Euro mehr.

Das Fährschiff Nörröna ist sauber und in gutem Zustand, die Preise in der Cafeteria allerdings relativ hoch, ein Stück Kuchen und Kaffee 6 €, eine warme Mahlzeit (sehr kleine Portion) 10 €. Das Buffet ist teurer (Frühstück z.B. 15 €), das schöne Restaurant ist natürlich wesentlich teurer.

Unterwegs traf ich 2 Biker aus Deutschland, die in Reykjavik neue F650GS gemietet hatten. Mit ca. 150€/Tag was für Leute mit mehr Geld als Zeit.

Motorrad:

Geld, Preise 2009:


Allgemeines:


Übernachten:

Es gibt Unterkünfte aller Kategorien. Um die Reisekasse nicht zu überlasten, habe ich in preiswerten Herbergen zwar einfach, aber immer sauber übernachtet. Internatsschulen werden im Sommer ausgeräumt und an Touristen vermietet (Edda Hotels), eine 'sleeping bag accomodation' (mal in der Turnhalle, mal im Klassenzimmer, auch mal ein kleines Zimmer) schlägt mit ca 8€ zu Buche, mit Frühstücksbuffet etwa 15 €. Duschen konnte man überall, sauber wars auch überall. Ein einfaches Zimmer mit Bad kostet in Eddahotels oder einfacheren Motels ca 40-50 €.

Gut daß es dabei war:

Schlecht daß es nicht dabei war:

Habe ich nicht vermisst:

Tourdaten: 

  • Abfahrt 14.Juni, Fähre 16.-18.Juni, auf Island vom 18.Juni bis 2. Juli, Fähre 2. bis 4.Juli, Ankunft zu Hause am 5.Juli
  • Motorrad BMW R80GS Bj1992. Keine Probleme, aber am Ende ist der Neutralschalter defekt, und der linke Gabelholm verliert Öl. Das hat man vom Pistenfahren....
  • km Stand Abfahrt 92463, Ankunft 99246, also insgesamt 6783 km. Auf Island 4404 km

Wetterstatistik: 

  • 18.6. 100% Regen
  • 19.6. 60%
  • 20.6. 0%
  • 21.6. 10%
  • 22.6. 10%
  • 23.6. 100%
  • 24.6. 0%
  • 25.6. 90%
  • 26.6. 0%
  • 27.6. 0%
  • 28.6. 0%
  • 29.6. 0%
  • 30.6. 15%
  • 1.7. 30%
  • 2.7. 0%
im Mittel also 30% Regen (nur bezogen auf die Fahrzeit, also etwa von 9-17 Uhr). Guter Wert, kann mich nicht beklagen.


Josef Fried

last update: August 2009
 

 

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