

Marokko - vom Riff über den
Atlas in die Wüste
Motorradtour 2.5.-23.5.2008
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Anreise:
Ich starte morgens bei idealem Motorradwetter, 10 Grad und wolkenlosem
Himmel. Kein Stau auf der Autobahn, auch Karlsruhe liegt schnell hinter mir. Oh
Schreck – es riecht nach Verbrennung! Entwarnung folgt schnell - auf der Kriechspur ein Opel, der mit
Warnblinker fährt. Ich komme gut voran, um die Mittagszeit Rast bei
Kaffee und Kuchen bei Luzern. Bei Milano ist es schon sehr heiss,
ich muss 3 mal an Mautstellen halten, löhne einmal €1.90,
einmal €2.70 und einmal muss ich ein Ticket ziehen. Moderne Zeiten sind das ja
nicht gerade, die Automaten sind unübersichtlich und alt, jedes Parkhaus in
Deutschland hat da besseres zu bieten. Da man schon um 10 Uhr morgens bei der
Fähre sein soll, übernachte ich in Allessandria ca.80
km vor Genua. Anhand der aus Google maps kopierten Karte (das sind moderne Zeiten) finde ich
das Hotel auch ohne GPS problemlos. Die Stadt ist
voller Leben und ganz nett, viele elegante Modegeschäfte, Italien eben. Sehr
viele Nordafrikaner, die BMW GS ist auch in Italien ein Verkaufsschlager. Restaurants sind dünn gesät, ein Döner hilft
gegen den Hunger.
Am nächsten Morgen will ich mein
Motorrad aus der Garage holen, aber oh Schreck, die ist mit Autos komplett zugeparkt.
Wie eine Afrikanerin muss ich meine Alubox über dem Kopf tragen, und am
Motorrad die andere Box abnehmen, um es aus der Umzingelung der Autos zu
befreien. Schließlich ist auch das geschafft, die Fahrt nach Genua bei
herrlichem Wetter ist schön, vor allem die letzten Kilometer, wenn sich die
Straße aus den Bergen zum Hafen
hinabwindet. Chaos an
Bord des leicht schmuddeligen Schiffes Marrakesch Express, ein ausrangiertes
griechisches Schiff. Ich bekomme eine 4 Bett Kabine trotz meines Hinweises,
dass ich 2 Bett mit Einzelhaft gebucht habe. Als dann weitere Leute einziehen
wollen, protestiere ich wieder, bekomme eine andere, bessere Kabine. Wieder
muss ich protestieren, denn 2 Marokkaner wollen auch einziehen, müssen aber
wieder raus. Sie übersehen mich geflissentlich auf dem Rest der Fahrt. Endlich geschafft,
ich habe wofür ich bezahlt habe. (Dasselbe
geschah auch auf der Heimfahrt, man sagte mir, die versuchen, Touristen in
schlechtere Kabinen zusammenzulegen, um die frei werdenden Kabinen gegen
Bakschisch an Marokkaner zu verkaufen… Macht natürlich einen schlechten
Eindruck, aber während der Reise ist mir solches nicht mehr passiert, ich habe
die Marokkaner als sehr freundliche Menschen erlebt.)
Abfahrt zu Hause. Rast an der Autobahn, das Wetter könnte nicht besser sein.
Beim Anblick meines Motorrades muss ich unwillkürlich denken: wirst Du mir auch keine
Probleme machen? (Hat es nicht)
Kurz vor dem Ablegen in Genua(links). Mit letzter Kraft wird die Fähre erreicht (rechts)
Abfahrt von Genua.Spartanisch ist die Kabine eingerichtet.
Überfahrt bei herrlichem Wetter. Ein Delphin (rechts).
Mittagessen Roulade, Abendessen Hähnchen mit Pommes. Das Essen ist gut.
Mein Tischnachbar ist Vizekonsul
in Bologna, wir führen interessante Gespräche, obwohl mein Französisch im Laufe
der Jahre ziemlich aus den grauen Zellen
diffundiert
ist. Das Leben an Bord ist langweilig, man schlägt die Zeit tot. Die
Einreiseformalitäten kann man schon an Bord erledigen, erwartungsgemäß ziemlich
chaotisch, für die Marokkaner viel, für mich wenig Papierkram. Ich versuche
sie mit Lesen des Reiseführers möglichst sinnvoll zu nutzen. Den Reiseführer
habe ich eingepackt, obwohl mir das nicht so leicht fiel, denn mit 750g ist er
doch ein schwerer Brocken. Ich habe ansonsten versucht, wenig Gepäck
mitzunehmen: je leichter die Maschine, desto mehr Fahrspaß hat man natürlich.
Ich habe daher auch nur 1 Pullover, 1 Hose und Unterwäsche und Socken dabei,
einen Schlafsack (2kg) habe ich für Notfälle, Zelt und Kocher nicht, ich
will in Hotels/
Auberges essen und übernachten,
ab und an einen Waschtag einlegen. Auch
bei Ersatzteilen für das Motorrad war ich sparsam, 2 Zündkerzen, Universalbowdenzüge,
2 Ersatzschläuche, das Bordwerkzeug inkl. Reifenflickzeug und CO2 Patronen sind alles,
was ich im Vertrauen auf bajuwarische Ingenieurkunst aus den 30er Jahren, optimiert in
der Nachkriegszeit, mitnehme. Es sei vorweggenommen: das Motorrad lief absolut
problemlos.
Mein Zeitplan kommt schon vor
Anlegen des Schiffes durcheinander, denn statt 13 Uhr legen wir erst um 21 Uhr
an…Das Entladen des Schiffes ist absolut chaotisch, alle steigen nach Anlegen
des Schiffes in ihr Auto und lassen als erstes den Motor an. Bei 400 Autos kann
man sich leicht vorstellen, welche Luft im Laderaum war, ich bin klatschnass geschwitzt,
obwohl ich ja gar nichts tue… Die Abfertigung bei Zoll (gar keine Kontrolle) und
Polizei geht zügig voran. Ich werde plötzlich aufgerufen, muss zur Polizei mitkommen.
Ein Tippfehler von einem Polizisten in einem der Dokumente ist der Übeltäter, aber
der Fehler wird schnell und problemlos behoben. Auf der ganzen Reise war die Polizei
immer sehr freundlich, hat mich bei den vielen Kontrollen immer durchgewunken, auch bei der
Abreise gings freundlich und schnell zu. Nach ca.1 Stunde ist die Einreise erledigt, durch den
schmuddeligen Hafen gehts in die Stadt. Da ich nachts nicht fahren will - ich will ja was sehen,
und die marokkanischen Straßen sind nachts voll von Tieren und Menschen - verbringe ich
die erste Nacht im Hotel Scheherazade an der Uferstraße.
Vor dem Hotel stehen ein paar Motorräder, ich stelle meines dazu. Eine Wache treibt
sich auch herum, will am nächsten Morgen 1€ als Entlohnung. Auf diese Weise hat
auf der ganzen Fahrt mein Motorrad sicher und problemlos übernachtet. In Bar
und Billardraum suchen Menschen beiderlei Geschlechts nach Kunden.
Entladen des Schiffes. Erste Nacht in Tanger, Blick vom Hotelfenster
auf die Avenue des F.A.R. am Hafen.
Tanger - Fes
Beim Weg aus Tanger muss
ich nach dem Weg fragen, da die Beschilderung kümmerlich und inkonsequent ist, ein
älterer Herr gibt mir die Hand und würdevoll Auskunft. Durch schöne bergige
Landschaft
geht’s Richtung
Tetuan, dann nach Süden über
Chefchauen
und
Ouazzane nach Fes. Ich bekomme die ersten
Eindrücke von Marokko: Müll, der den Straßenrand säumt, mehr als 20 Jahre alte,
stinkende ausrangierte europäische Autos,
Frauen, die auf den Feldern arbeiten und große Bündel mit Gras auf dem Rücken
schleppen, keine Maschinen oder Traktoren, alles Handarbeit. Auf der ganzen Fahrt
sehe ich nur 2 Mähdrescher. Ursprünglich wollte ich die schönere Strecke über
Ketama wählen, aber das Auswärtige Amt rät vom Befahren
dieser Strecke wegen aggressiver Drogenhändler ab. Auf der Rückreise erfahre
ich von anderen Reisenden, dass diese Strecke aber vollkommen unproblematisch
ist. Auch hat man vor Steine werfenden Kindern gewarnt, aber ich habe auf der
ganzen Fahrt
kein einziges Steine werfendes Kind
gesehen. Im Gegenteil, die Leute sind überall sehr freundlich, grüßen und
winken. Am Nachmittag ist Fes erreicht, im sehr schönen Hotel
Ibis checke ich total verschwitzt für 2 Nächte ein. Eine Dusche und
ein Bier am schönen Pool mit sattgrünem Rasen tun richtig gut. Die Hotelküche ist nicht
so toll, aber wenigstens kann man ein Viertel sehr guten lokalen Weins trinken.
Südlich von Tanger ist das Land sehr fruchtbar, geerntet
wird von Hand und die Ernte von Frauen und Eseln auf dem Rücken
nach Hause getragen (unten links).
Oben links: beim Tanken. Oben Mitte: aufgelassene Läden
Oben rechts: Viele dieser Cafes sollte ich noch besuchen...
Unten links: typische Stadteinfahrt.
Am nächsten Morgen geht’s in die
Medina, ein Führer versucht sich aufzudrängen, ich kann ihn abwimmeln. In der
Medina beginnt das Leben, Läden werden geöffnet. Ich suche die Gerberei und
Färberei, finde sie aber nicht. Per Zufall höre ich, wie Touristen ihrem Führer
erklären, was Mozartkugeln sind! Erschöpft vom vielen Herumlaufen mache ich
eine Pause bei Orangensaft an einem kleinen Stand, komme mit den Leuten dort
ins Gespräch. Einer ist Student - Geschichte und Geographie – was er damit
anfangen kann, weiß er nicht. Alle sind aber gut drauf und fröhlich, ein
älterer Mann kann Englisch und ein wenig Deutsch, ihn engagiere ich als Führer.
Er nimmt mich auch mit zu sich nach Hause, kurz vor Erreichen des Hauses in
einem ärmlichen
Berberviertel geht er vor, ich nehme
an dass die Frau sich die Haare
bedecken
muss…Das Haus selbst ist mehrstöckig, die Familie wohnt unten. Die Eingangstür
ist ca.1.5m hoch, dann kommt ein kleiner Flur, eine Treppe führt nach oben.
Eine Plastikfolie markiert den
Eingang in das Reich
der Familie, 2 Zimmer, jeweils
ca 10 Quadratmeter,
getrennt durch einen winzigen Durchgang, ca. 50 cm 1.5m. Im hinteren Zimmer
stehen 3 Pritschen, die nachts als Bett dienen, und ein altes Regal, in dem
Kleider und Geschirr aufbewahrt werden. Im vorderen Raum wird gekocht, die Frau
hockt auf dem Boden vor dem Gaskocher. In der Ecke befindet sich auch ein
Abtritt mit einem kleinen Vorhang – jetzt wird mir klar, warum es so seltsam
riecht. Hier ist auch ein Wasserhahn…Das Essen wird auf einer großen Platte
serviert, Zucchini, Tomaten, Oliven, auch ein Stück Huhn ist dabei. Die Bissen
werden mit dem Brot vom gegrapscht und schmatzend verzehrt. Der Mann heißt
Hassan (47), hat 3 Kinder
Tsuria(5),
Youssef(3)
und Achmed(8), ein viertes ist anscheinend schon eingesamt. Er erzählt, dass er
früher geraucht hat, Hasch und Zigaretten, jetzt aber nicht mehr, weil ihm der
Arzt das geraten hat. Der Ramadan sei hart, kein Essen und Trinken von 6-18
Uhr. Alle seien nervös. In der Nacht geht dann aber die Post ab. Der Ramadan
wird oft mit unserer Fastenzeit verglichen, aber das ist falsch, denn gefastet
wird ja nur tagsüber, nach Sonnenuntergang wird alles nachgeholt. Eine solche
Begegnung hat man nur als Einzelreisender, entschädigt mehr als genug für
einsame Momente, in denen man sich nicht mitteilen kann. Nach dem Essen gehen
wir in die Medina zurück, passieren dort mehrere Märkte. Jeder verkauft hier
jedem etwas, Fes ist ein riesiger Marktplatz. Dies beschäftigt die Leute, nur
etwa 30% der Marokkaner haben Arbeit. Es ist wohl auch so, dass die Leute nicht
sehr nach Arbeit suchen, die Cafes sind immer gut besucht. Hier trinkt man
The a
menthe („Whisky
maroccaine“), sehr guter, sehr
süsser
Pfefferminztee. Hassan hat etwa noch die Hälfte der Zähne, die verbliebenen
sind auch schon ganz braun und überleben das nächste Jahrzehnt sicher nicht. Im
Süden des Landes sind die Zähne
i.A noch schlechter,
angeblich
kommts vom Rauchen (Hasch rauchen hier
alle, wie man ohne Umschweife zugibt) und/oder Saufen.
Fes. Auf dem Weg in die Medina.
Langsam erwacht das Leben in der Medina
Der Obsthändler war sichtlich stolz, als ich ihn fragte,
ob ich ein Foto machen könne.
Die Medina ist riesig, ihre Mauer hat eine Gesamtlänge von 16 km
Der frischgepresste Orangensaft aus wirklich reifen Früchten ist wunderbar.
Mein Führer Hassan (4.v.r.)
Die Mauer der Medina. Eine Müllkippe innerhalb einer
Stadt hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Satellitenschüsseln "zieren" auch
in Fes die Dächer.
Der Busbahnhof, rechts im Hintergrund ein Friedhof.
Hassans Kinder
Auch Esel und Mopeds gibts in der Medina. Letztere selten in
Schrittgeschwindigkeit.
In der Gerberei (oben) und Färberei. In der großen Trommel werden
die Materialien gefärbt. Leider waren wegen
eines Defektes keine Farben zu sehen.
Die
Gerberei hätte ich ohne Führer nie gefunden,
weil sie nur durch verwinkelte Gässchen erreichbar ist. Dies ist aber der
arabische Stil, eine Geometrie wie etwa Mannheim ist hier
undenkbar.
In der Gerberei
stinkts erwartungsgemäß, aber es ist zum Aushalten.
Angeblich sei der Geruch gut für Asthma. In der Färberei ist leider etwas
kaputt, so
daß ich keine Farben sehe. Zum Abschluss
erstehe ich noch ein Hemd für meine Tochter, das sie sich gewünscht hatte.
Natürlich ist es handgemacht wie alles in Fes, die Leute sitzen in kleinen,
wenigen Quadratmeter großen Lokalitäten und nähen und werkeln und verkaufen. Es
ist sehr heiß, schätzungsweise 33-34 Grad. Zurück im Hotel sitze ich nach einer
Dusche im gepflegten Garten und mache Notizen. Das Grün des gepflegten Rasens ist
eine Wohltat für das Auge. Zwei Musiker unterhalten
die Gäste, Synthesizer und Geige, ungewöhnlich für mich, aber nicht übel.
Fes – Boulmane de Dades - Todra - Dra
Am nächsten Morgen (8.5., 7:15) ist es
angenehm kühl, es hat geregnet. Fahre die ersten km nach Gefühl, bis der erste
Wegweiser
Sefrou
auftaucht. El
Balil, ein Dorf mit normalerweise schöner
Ausssicht, liegt in den Wolken. Ich zweige ab Richtung
Ifrane. Schöne Tour, viel Wald, viel Sonne. Am
Mischliffen ist nichts zu sehen, saumäßiger Wind, kalt. Auch
hier viele Polizeikontrollen, aber ich werde überall freundlich gegrüßt und
durchgewunken. Kurze Rast in
Midelt,
ein Junge kommt aus Steinladen, man lädt mich zu Tee ein, zeigt Versteinerungen
von Fischen, Schnecken und Krokodilen. Als ich
wieder abfahre, kommt der Junge wieder gelaufen, schenkt mir ein paar kleine
Versteinerungen als Erinnerung. Ab und zu leichter Regen, daher fahre ich auch weiter
als ursprünglich geplant. In Er
Rachidia lädt mich ein Berber zum Tee ein
(
Berber hospitality sagt er), den ich am Ende aber
selbst bezahlen muss. Wahrscheinlich war dies auch der Grund für einen lautstarken
Streit, den er mit einem auffallend großen und schlanken, traditionell gekleideten
Mann mit schlechten Zähnen hat. Fahre weiter bis
Boulmane
Dades. In demselben Hotel sind auch 3 Engländer, mit
denen ich am Morgen in Fes ein Auto aus der Einfahrt geschaukelt habe: two, three,
up….
Mittlerer Atlas. Um die Skihütte auf dem Mischliffen pfeift der Wind.
Schöne Landschaft im Mittleren Atlas. Regenbogen bei Midelt.
Im Hotel rät man mir, zuerst die
Todra und dann die
Dadesschlucht
zu besuchen, wegen der Lichtverhältnisse und der Touristen, die im Laufe des
Tages in die
Todraschlucht einströmen. Also das Stück
zurück nach
Tinghir, und dann in die Schlucht.
Landschaftlich wild und unglaublich schön, man fährt auf der Sohle der Schlucht
entlang, teilweise ist auch die Straße ein kleines
Enduroparadies.
Ich treffe unten einen lässigen Reiseführer aus Frankfurt, er hat einen Wagen
von der Feuerwehr gekauft, und fährt jetzt mit diesem Touristen durchs Land.
Er will ihn in Agadir verkaufen und dann zurückfliegen, weil er nach Korsika
muss, eine Segeltour leiten. Er gibt mir ein paar
Tips
für interessante Routen. In
Tamtaouchte trinke ich
einen Kaffee, der Junge der ihn bringt, hat in Karlsruhe BWL studiert, will
auch wieder zurück, wartet auf sein Visum. Den Einstieg zum Übergang zur
Dadesschlucht finde ich zwar, aber die Piste verzweigt
sich, so dass ich doch wieder umkehre und bis
Aint
Hani fahre und dann umdrehe. Ich bereue es nicht, denn die Schlucht sieht
runter anders aus als
rauf…Mittlerweile sind auch sehr viele Touristen da. Zurück nach
Boulmane, die
Dadesschlucht ist
ganz anders als
Todra, aber auch sehr schön. Drehe
kurz vor
Msemir um. Auch
Fahradfahrer
klettern die Schlucht hinauf! Das Wetter ist traumhaft, nach dem Regen gestern
ist die Luft klar.
Boulmane de Dades, Hotelterrasse. Todraschlucht
Die Todraschlucht windet sich auf eine schöne Hochebene hinauf
Tamtaouchte ist ein gottverlassenes, aber schön gelegenes Nest
Die herrliche Todraschlucht wird von vielen Touristen besucht,
um die Mittagszeit hat die Schlucht ihren Reiz deswegen verloren.
Auf der Straße der Kashbahs gehts zur Dadesschlucht
Ganz anders im Charakter ist die Dadesschlucht. Über 2000m
Höhenunterschied windet sich die Straße hinauf und wieder hinab.
Das Hotel in
Boulmane
liegt am Ortsausgang, in einer Kurve am Ende einer Steigung. Ich rufe von der Straße aus
zu Hause an - der Handyempfang ist fast überall exzellent - einheimische Frauen und
Mädchen amüsieren sich köstlich, vermutlich hören
sie zum ersten Mal fremde Laute. Viele alte Autos
quälen sich lärmend und qualmend hoch, ein Q7 fährt praktisch geräusch- und völlig
qualmlos. Zu Hause ein Umweltsünder, hier vorbildlich…
Ich inspiziere einen
Geldautomaten, junge Leute im Cafe nebenan sprechen mich an. Wein, Bier, Hasch,
Frauen, alles könnten sie besorgen…Einer kann auch ein wenig Deutsch:
Prost, dass die Kehle nicht rost…Das
Essen im Hotel im marokkanischen Salon ist gut, der Kellner lacht, als ich nach
Wein frage, und schüttelt amüsiert den Kopf, freut sich aber, weil ich die
ganze Suppe aufgegessen habe.
Ouarzazate – M’Hamid
Bei schönstem Wetter solls
über Ouarzazate und Zagora nach M'Hamid gehen. In
Ouarzazate
mache ich einen
Stop für Kaffe und Orangesaft,
besichtige dann die
Kasbah. Ist nichts besonderes,
wird als
Artesanat benutzt. Der ganze Bau ist
verwinkelt, mit kleinen Treppchen und Türchen. Unterwegs treffe ich eine Gruppe
von netten Motorrad fahrenden Engländern, die in einem
Cafe sitzen. Ich mache ein Gruppenfoto von ihnen. Wir reden natürlich über
Motorräder und Routen. Über
Agdz geht’s durch das
herrliche
Draatal weiter bis
Zagora.
Es ist sehr
heiss, deutlich über 30 Grad. So hatte
ich es auch erwartet, im Atlas kühl, im Süden gerade noch erträglich. In
Zagora buche ich eine Kameltour in
M’Hamid,
am Ende der Straße, auch am Ende Marokkos, denn die Grenze zu Algerien ist hier nur
noch weniger als 45 Kilometer entfernt. Ich kann in einem Lager mein Motorrad
abstellen,
nach einer kurzen Dusche
geht’s per Dromedar zu einem Lager mit Berberzelten in der Wüste. Besonders
beeindruckend sind die Dünen ja nicht für mich, der ich in Namibia war, auch
wenns lange her ist. Die Dünen in
Merzouga
seien schöner, aber das erfahre ich zu spät. Ich bin der einzige Tourist, auch
nachts ist es noch angenehm warm. Zu essen gibt’s das Nationalgericht
Tagine,
gehe früh schlafen.
Auf dem Weg nach Quarzazate. Die Kashbah von Quarzazate.



Auf dem Weg nach Zagora im Süden werden herrliche Gebirge durchquert.
Die Landschaft im Draatal war Kulisse für den Film "Der Himmel über der Wüste"
M'Hamid. Auf dem Weg zum Beduinenlager
Das Marokkanische Nationalgericht Tagine scheint keine große
Begeisterung hervorzurufen.

Ein kleiner Sandsturm - auf dem Foto unten Mitte nicht sehr gut zu sehen - erschwert die
Rückkehr nach Zagora
Am nächsten Morgen fehlt das
Dromedar, ich hatte mich schon gewundert, dass es nicht festgebunden wurde. Per
Handy wird Ersatz bestellt, der auch bald eintrifft.
Youssef,
mein
Führer macht sich auf den Weg um
das Dromedar zu suchen, und kommt auch nach einer Stunde damit zurück. Der
Führer des Ersatzdromedars blickt mich missbilligend an (was kann
ich denn dafür) und reitet zurück, wir folgen
ihm. Nach einer Dusche und einem Tee im Lager kämpfe ich mich durch einen kleinen Sandsturm
zurück nach
Zagora. Dort in das im Reiseführer
empfohlene Hotel
Palmeraie. In der Stadt wird man
überall angequatscht, die Touristensaison ist vorbei, und die wenigen
verbliebenen sind die Beute. Ein Junge mit Moped spricht mich mindestens 10mal an,
ich solle doch den Laden seiner Eltern besuchen. Ziemlich lästig die Leute hier.
Auffallend auch, daß die Hautfarbe hier im Süden viel dunkler ist, man sieht
auch richtige Neger (nicht abwertend und rassistisch gemeint). Das Abendessen im
Hotel ist super, Salat, Huhn mit Mandeln, Orangencreme mit Zimt. Der Wein ist ausgegangen,
Nachschub wird erwartet. Zwangsweise trinke ich Bier, es gibt schlimmere Zwänge, denn
das lokale Spezial schmeckt gut. Ich mache noch
einen Verdauungsspaziergang, treffe 3 Biker vom Schiff. Auch ihnen gefällt
Marokko sehr. Ein Holländer kommt mit seiner GS ans Hotel, ich traue meinen
Augen nicht: er holt eine Plane und deckt das Motorrad ab! Wenn schon
Geländemotorrad, dann bitte staubfrei…
Ein Foto vor dem berühmten Schild Timbuktu 52 Tage in Zagora
ist natürlich Pflicht
Im Dratal. In Marokko ist ein Mann eben noch ein Mann (l.u.)...



In Agz sind die Leute extrem aufdringlich.
Am nächsten Tag will ich das
Draatal erkunden. Um 8 Uhr morgens ist auf den Straßen viel
los, Schulkinder sind zu Fuß unterwegs, oft mehrere Kilometer zum nächsten Ort.
Ich versuche ein wenig das Leben
einzufangen, wünsche mir ein stärkeres Teleobjektiv. Ich will 2 Frauen auf
einem Esel fotografieren, aber sie drehen sofort ab, als sie die Kamera sehen.
Kurze Rast in
Agdz, am zentralen Platz nerven
aggressive Händler. Ist man einen los, kommt der nächste. Ob man helfen könne, einen
Brief an einen Freund in Deutschland zu schreiben? Diesen Trick kannte ich aber schon
aus dem Reiseführer. Am Ortsausgang ist
ein Cafe,
Quadfahrertreff. Ich mache einen Abstecher nach
Talas, lohnt aber kaum, karge und aride Gebirgslandschaft.
Auf dem Rückweg
nach
Zagora tanke ich, der Tankwart macht sehr voll.
Wir kontrollieren den Reifendruck, Flüssigkeit läuft aus dem Motorrad. Der
Tankwart prüft und sagt:
huile. Oh Schreck, aber ich
prüfe auch: es ist Benzin, das aus dem Überlauf quillt. Ich will noch Öl für den
Motor, nein, 2 Taktmischung hätte man nicht. Nein, für den Motor.
Dies sei eine Tankstelle, hier gibt’s nur Benzin. Der Tankwart
liebt Deutschland, weil die deutschen Nummernschilder so schön reflektieren.
Hier im Süden prallen alte und neue Zeit besonders heftig aufeinander, man
sieht Leute mit Trikot vom FC Bayern auf dem Esel, oder mit Handy. Internetcafes
gibt es viele, und – nicht übertrieben -
draußen treiben die Leute einen Esel vorbei. Die Handysucht ist in
Marokko ebenso groß wie bei uns.
Zagora -
Marrakesch 13.5.
Die Strecke von
Zagora nach
Ouarzazate kenne ich
mittlerweile ja schon, aber schön ist sie immer wieder. Der Abstecher nach Ain Ben
Haddou lohnt sich nicht, den Fußweg zur
Kashbah
möchte ich in der Mittagshitze auch nicht mit meiner vollen Montur machen. Die
Strecke
nach
Telouet ist so
schlecht, dass ich umdrehe. Ich werde auch gleich belohnt, denn die Fahrt durch
den hohen Atlas ist ein absoluter Traum, die Straße mit dem rauen, griffigen
Asphalt perfekt, die Landschaft ebenso. Schade nur, dass die stinkenden Autos
eine Plage sind, auch wenn man sie mit dem Motorrad natürlich
ratz-fatz überholen kann. An allen Aussichtspunkten, wird
versucht, einem etwas zu verkaufen, Mineralien meist. Neben dieser Atlasquerung
gibt es noch weitere, die sicher ebenso traumhaft sind. Ein Grund zum
Zurückkommen!
Schöne Häuser in Zagora.Der Weg nach Marrakesch führt über
eine traumhaft schöne Strecke durch den Hohen Atlas.
Auch Ait Ben Haddou war Kulisse für den schönen Film "Der Himmel über der Wüste"
Gegen 17 Uhr komme ich nach
Marrakesch, der Verkehr ist horrend, Autos und noch mal so viele qualmende
2-Takt
Moppeds. Ich suche den Boulevard Hassan II,
halte vor einem Hotel. Auf diesem Boulevard soll es viele Hotels geben, ich
sehe aber nur zwei. Ich fahre daher weiter, engagiere unterwegs einen
Taxifahrer, der mir den Weg zum Boulevard zeigen soll. Wir fahren, nach wenigen
Minuten hält er vor demselben Hotel…Ich entlohne ihn wie
ausgemacht mit 1€ und checke im Hotel
Fashion für 2 Nächte ein.
Marrakesch
Der Boulevard Hassan II ist sehr
stark befahren, eine endlose zweispurige
Kolonne von Autos und Mofas und Motorrollern. Krach und Gestank sind
beeindruckend. Eine Pizza am Abend und ein kleiner Spaziergang -
ganz in der Nähe ein großer Kreisverkehr mit
Restaurants und Einkaufszentrum. Sieht alles perfekt westlich aus, auch junge und
hübsche Mädchen sieht man mit Jeans und Tops wie in jeder westlichen Stadt. Auffallend
auch dass die Leute hier viel bessere Zähne haben als im Süden.
Am Morgen geht’s zum Platz
Dra El Fna, ein Führer greift mich, ich kann ihn nicht
abschütteln, er will mich auch zu Teppich- und sonst was Händlern abschleppen,
aber ich lasse mich auf nichts ein. Marrakesch ist enttäuschend, das sagten mit
auch
andere Reisende,
wenn man in Fes war, ist Marrakesch eine Enttäuschung. Mir
ists
nicht gut, ich trinke eine Cola in einem Cafe, aber das hilft auch nicht viel.
Ich schlendere über den Platz, vor einem Cafe steht eine R1150RT. Glück, denke
ich, denn mein Vorderreifen sieht schon etwas mitgenommen aus durch den rauen
Asphalt, und ich habe schon überlegt, wo ich einen Ersatz
herbekomme. Den Besitzer erkenne ich gleich, er sagt mir auch, wo er die Reifen
für das
Bike kauft. Den Laden – Untergeschoss einer
Tiefgarage – finde ich auch, und frage nach meinem Reifen. Muss man
bestellen. Wann kommt er? Morgen? 10Uhr? 15 Uhr? 20Uhr?
Oui,
Monsieur. Ich soll um 3 Uhr mit Pass wiederkommen, da sei der Patron da. Klingt
ja alles nicht so toll, ich gehe ins Hotel, lege mich ins Bett. Die Route
ändern, nach Casablanca fahren? Den Reifen bestellen, obwohl das ein paar Tage
dauern kann? Ich beschließe, dass der Reifen halten muss, zur Not kann man ja
von Tanger aus einen Reifen in Genua organisieren. Eine gute Entscheidung, wie
sich herausstellte, denn der Reifen hielt problemlos bis nach Hause und darüber
hinaus. Am Abend esse ich in einem Cafe bei einem Einkaufszentrum ganz im westlichen Stil
Spaghetti au 4 fromages,
zum ersten (und wie sich zeigen sollte, auch zum letzten Mal) werde ich satt
in Marokko.
Marrakesch, Boulevard Hassan II. Ein rarer Moment mit wenig Autos und Mopeds
Marrakesch – Khenifra
Nach dem üblichen spärlichen französischen
Frühstück und
dem obligatorischen
Obulus für die Wache (das Motorrad stand auf dem Gehsteig)
geht’s weiter nach Norden. Ich fahre Nebenstrecken, durch schöne Wälder,
wenns
nur nicht so verflixt neblig und kalt wäre!
Die natürliche Brücke bei IsnIfni ist mein nächstes Ziel. Auch hier heftet sich mir
ein Führer an die Fersen, eine kleine Rundtour unter der Brücke durch auf der
anderen Seite wieder hoch. Nett, aber nicht spektakulär. Nach einem Kaffee mit
Orangensaft will ich zu den Wasserfällen in
Ouzoud.
Problemlos zu finden, gut beschildert. Ich lasse das Motorrad in einem
bewachten Hof zurück.
Kurzer Erfahrungsaustausch mit
einem Belgier, der mit seiner
R1150GS unterwegs ist, dann laufe ich zu den Wasserfällen. Unglaublich aber
wahr – ohne Führer! Die Wasserfälle sind hübsch, oben sieht man auch
Berberäffchen. Nach einer Stunde bin ich wieder an meinem Motorrad und breche
wieder auf, über
Kashba Tadla
geht’s weiter durch den Atlas. Hier ist das Land nicht mehr so fruchtbar wie im
Norden. Man kommt durch viele Städtchen und Dörfer, leider kann man beim Fahren
nicht fotografieren. Ich bedaure das sehr und hoffe, bei der nächsten Reise
eine Bordkamera zu haben, weil man dann auch unbemerkt das Leben – das spielt
sich hier vornehmlich auf der Straße ab – einfangen kann. In
Khenifra checke ich im Hotel
Nafa
ein, das im
Därr empfohlen wird. Das Hotel ist auch
in Ordnung, hat eine Bar und Restaurant. In der Bar trinke ich einen
Orangensaft, im Fernsehen verbreitet eine Dame mit ihrem Gesang Weltschmerz,
für meine Ohren sehr eintönig.
Ich esse
abends noch im Restaurant. An einem der Nebentische isst ein Mann, ohne
Besteck, mit der rechten Hand. (Die Einheimischen benutzen in den Restaurants aber
eigentlich immer Besteck). Er trocknet sich des
öfteren die Finger an dem Brot, das in einem kleinen
Korb auf dem Tisch steht, ab. Immer wenn ich später einen Brotkorb sehe, muss
ich daran denken…
Die natürliche Brücke bei IsnIfni.

Die Wasserfälle von Ouzoud. Mit ein wenig Glück kann man
Berberäffchen sehen.
Khenifra - Asilah
Am nächsten Morgen begrüßt mich
der Kellner mit Handschlag, das Frühstück lasse ich mir munden, die Dame mit
ihrem Weltschmerz ist auch schon wieder wach. Der Himmel ist bedeckt, es ist
frisch als ich losfahre. Ich will Richtung AsinLeu,
verpasse aber die Ausfahrt, weil sie in der Karte falsch eingezeichnet ist. Na
ja, man ist ja flexibel. Die Aussicht von El Balil soll sehr schön sein, aber heute
liegt der Ort in dichtem Nebel.
Meknes
will ich durchfahren, was mir auch problemlos gelingt, ich frage einmal nach
dem Weg, aber ich bin auf der richtigen Straße. Weiter geht’s nach Norden, in
Larache will ich übernachten. Die Strecke ist nicht
besonders aufregend, aber stark befahren. In
Sidi Kacem halte ich vor einem kleinen Cafe, aber ein Blick auf
Tische und Stühle bringt mich dazu, gleich wieder weiter zu fahren. So ein
dreckiges Cafe habe ich noch nie gesehen. Weiter geht’s, endlich ist
Larache erreicht. Aber auch das ist ein Dreckloch, so dass
ich weiterfahre, obwohl mir eigentlich schon genug gefahren
bin.
Bei der Rast an einer Tankstelle kommen 2 BMWs vorgefahren. „Hallo, ich bin
der Jürgen, wie geht’s Dir?“ begrüßt er mich freundlich. Er und seine
Begleiterin Uschi waren in Spanien, aber es regnete so stark, dass ihnen das Campen
keinen Spaß mehr gemacht hat und sie kurzerhand nach Marokko übergesetzt sind.
Sie haben nur die ADAC Übersichtskarte dabei, ich schenke ihnen die Kopien der
Strecken, die ich gefahren bin und nicht mehr brauche und gebe ihnen Tipps.
Laut Reiseführer ist
Asila ein nettes sehenswertes Städtchen. Das Benzin wird
knapp, ich fahre schon auf Reserve, der Motor stottert. Ich stelle den zweiten
Benzinhahn auf Reserve, schüttle das Motorrad, es läuft wieder rund. Noch 10
km… Gott sei Dank, am Ortseingang von
Asilah eine
Tankstelle. Ich lasse wie immer voll machen, will zahlen, aber oh Schreck, ich
habe noch 195 DH, die Rechnung
ist aber 210 DH. Ich
sage dem Tankwart, dass ich Geld hole und wiederkomme. Kein Problem sagt er,
ich suche einen Geldautomaten und fahre dann zurück zur
Tanke,
gebe ihm das Geld und er winkt mir freundlich bei der Abfahrt zu. Auch das ist
Marokko.
In der Stadt suche ich ein Hotel,
ein Schlepper greift mich und lotst mich zu einem Haus in der Medina. Ich sage
zu, obwohl das Zimmer für 17€ mit Gemeinschaftsdusche ja nicht besonders billig
ist. Aber es ist sauber und ruhig, und es ist auch einmal eine Erfahrung, in
der Medina zu wohnen. Das Motorrad kann außerhalb der Stadtmauern auf einem
bewachten Platz stehen. Außerhalb der Medinamauern sind viele Cafes und
Restaurants mit Tischen im Freien. Ich esse hier als einziger, Touristen kommen
nur im Sommer. Das Essen (Fisch) ist sehr gut, ich bekomme auch einen Wein. Ich
hatte Weißwein bestellt, der Wirt verschwindet in einem Laden, bringt den Wein
(es ist roter…) an den Tisch in einer braunen Tüte, damit
niemand sehen soll, wie der gottlose Tourist
Alkohol trinkt. Diesselbe alberne Tarnung mit der Tüte habe ich auch in USA erlebt.
In der Nähe von Asila
gibt es den einzigen Steinkreis (
Cromlech ) in Nordafrika,
das will ich mir nicht entgehen lassen. Ich finde den Einstieg in die Piste
trotz
der schlechten Beschreibung im
Därr, ein Auto kommt mir entgegen, der Fahrer wünscht noch grinsend
„bonne route“, aber mit einer
Enduro ist die Strecke
problemlos, im Gegenteil, es macht sogar richtig Spaß, die 4 km zum
Cromlech zu fahren. Der
Cromlech
selbst ist nicht so beeindruckend, da er ziemlich zugewachsen ist. Im
wesentlichen sind es 2 konzentrische Steinkreise mit über
50m Durchmesser. Nachmittags besuche ich die Medina in Asila, laufe alle die vielen
malerischen Gässchen ab. Abends esse ich wieder in einem
kleinen Lokal, es gibt hier Bier, das aus einem kleinen Laden nebenan geholt
wird. Das Bier kostet soviel wie das ganze Essen (Omelett 20DH, Huhn 30DH, Bier 55DH)...



Nördlich des Atlas, im Nordwesten, ist das Land sehr fruchtbar.Gegend bei Asila.
Abzweigung von der Hauptstrasse auf einen kleinen holprigen Weg, der
nach 4km zum Cromlech, dem einzigen Steinkreis in Nordafrika führt.



Asilah, am Strand und in der Medina.
Die Medina ist sehr sauber und malerisch. Blick vom Strand auf die Medina,
vor den Mauern der bewachte Parkplatz für Autos.
Asilah – Tanger
Von
Asila
will ich an die Küste südlich von
Tetouan fahren. Die Strecke
Asilah
–
Tetuan führt durch Berge an die Küste und ist sehr
schön, ebenso schön ist die Küstenstraße südlich von
Tetuan.
Sie windet sich in engen Kurven um Felsen,
der Wind pfeift und drückt und zerrt am Motorrad, so dass ich nur langsam
vorwärts komme. Die Kamera streikt, obwohl ich
ihr neue Batterien spendiert habe; die Fotos der Medina von Asilah sind daher die letzten,
die ich machen konnte. Wäre doch besser gewesen, das Ladegrät mitzunehmen.
Ich hatte es aus Gewichtsgründen zu Hause gelassen...In einem tristen Städtchen
mache ich Rast, trinke wie immer einen Cafe au
lait
und einen Orangensaft. Ein Einheimischer setzt sich zu mir und qualmt seine
Haschpfeife.
Da ich langsamer vorwärts komme
als gedacht, drehe ich auch bald wieder um und fahre bis Tanger. Die große
Uferstraße am Hafen finde ich sofort, checke in einem Hotel ein, bringe meine
Sachen in Ordnung, wasche Hemden.
Am nächsten Morgen regnet es, so
ein Mist denke
ich, aber um 10:30 hört es auf, ich
gehe zur Medina. Bei einem Gewürzhändler erstehe ich Gewürze für Fleisch und
Safran für Reis. In der Medina greift mich wieder ein Führer, er zeigt mir
Häuser und Cafes, die ich ohne ihn nie gefunden hätte, denn die Medina ist
auch hier äußerst verwinkelt und unübersichtlich. Er zeigt mir ein Cafe, in dem Kofi
Annan Pfefferminztee getrunken und Mick Jagger - natürlich - Hasch geraucht hat,
das Haus von Barbara Hutton. Er führt mich auch eine winzige Treppe hoch zu einem
Teppichhändler. Wunderschöne Teppiche hat der Mann in seinem Laden, alles mit
natürlichen Farben
hergestellt. Ich
würde gerne einen großen mitnehmen bzw. nachschicken lasssen, aber man
weiss ja
nie,
obs zu Hause auch gefällt. Ein kleiner Läufer
aus Kaschmir sieht schön aus und sollte auch nicht zu viel Platz auf dem
Motorrad beanspruchen. Er will €250, ich sage 80, er sagt 150, ich bleibe bei
80. Es ist ihm recht - der erste Kunde am Tag sei der wichtigste
- um den Kauf zu besiegeln, drückt er mich theatralisch „
heart to
heart“. Ich habe nur 800
DH (ca.72€) im
Portmonnaie, aber er
ists auch so zufrieden. Er wickelt den Teppich zu einer
kleinen Rolle, etwa so groß wie die berühmte 1000 Blatt Rolle, und wir wünschen
uns zum Abschied noch gegenseitig ein langes Leben.
Am Abend gehe ich wieder ins Cafe Africaine auf dem Weg zur Medina. Ich hatte
tags vorher dort gegessen,und da mir das Essen geschmeckt hatte, esse
ich wieder dort. Der Inhaber erkennt mich gleich wieder und begrüßt mich per Handschlag.
Er spricht sogar ganz ordentlich Deutsch. In einer Ecke des Lokals sitzen 2 mollige
leichte Mädchen und stärken sich für die kommende Nacht. Etwas neidisch sehe ich die
großen Portionen, die sie vertilgen. Ich selber esse Spaghetti, die aus einem nahen
Laden geholt werden. Die Portion wäre selbst für italienische Verhältnisse klein.
Zum Dessert bestelle ich Flan, der ebenfalls vom Sohn des Hauses aus einem Laden
geholt (Danone) und ein wenig verschämt an mir vorbei geschmuggelt wird. Etwa 1/3
der Portion landet auf meinem Teller... Zum Test frage ich den Inhaber, was denn
das für Mädchen seien. "Äh,hm, na du weißt schon...". Nach dem Bezahlen - das
ganze Menü kostet ca.5 € - , gibt er mir die Hand und sagt zum Abschied:"Bis morgen".
Ich erkläre ihm,daß ich
morgen wieder nach Hause fahre,und er wünscht mir gute Reise.
Rückreise. 20.5-23-5.
Am Morgen fahre ich zum Hafen, ein
Händler versucht noch, mir gefälschte Uhren anzudrehen. Die Formalitäten –
Polizei und Zoll - sind schnell erledigt, als Motorradfahrer hat
mans sehr leicht, ich werde nie vom Zoll kontrolliert,
Autos werden dagegen genau untersucht, vermutlich auf Rauschgift.
Die Überfahrt von Tanger nach
Genua verläuft problemlos, abgesehen von dem erneuten Versuch, mir eine
schlechtere Kabine anzudrehen. Das Wetter ist perfekt. Da ich leider keine
Lektüre außer dem Reiseführer dabei habe, den ich jetzt natürlich nicht mehr
lese,
ists sehr langweilig. Ich treffe einige Leute
die ich schon bei der Hinfahrt gesehen hatte.Interessant war der
Erfahrungsaustausch, wie anders hat ein Ehepaar mit 2 Kindern (schätzungsweise
2 und 4 Jahre) Marokko erlebt. Sie waren die meiste Zeit bei Merzouga, der Wind
hat immer Sand aufgewirbelt und einen richtigen Sandsturm hatten sie auch.
Sie machten auch Bekanntschaft mit einem lokalen Arzt, denn ein Kind wurde von einem
Skorpion gebissen. Ich treffe auch einen Wiener, der mit dem Auto vor allem im Süden
unterwegs war. Da er auch Motorradfahrer ist, haben wir genügend Gesprächsstoff.
Er behauptet, eine extrem feine Nase zu haben, und würde viele Dinge riechen können.
Mir verschlägt's ein wenig die Sprache, denn seine eigene olfaktorische Aura ist gewaltig.
Wir kommen am 22.5. wieder
viel zu spät an, 23:00 (statt 13:00). Ich
komme als 3. Fahrzeug vom Schiff, werde beim Zoll
durchgewunken.
Auch die Passkontrolle in Italien ist schnell erledigt; der Zöllner schaut das Foto an,
dann mich, ich sehe, daß er wegen des Helmes mich natürlich nicht erkennen kann und will
daher den Helm abnehmen. (An der tschechisch-deutschen Grenze musste ich mal den Helm abziehen).
Er macht eine Geste, daß ich das nicht tun soll, schaut in den Pass:
(Germania? Si. Ciao!). Ich bin gut
ausgeruht und will mindestens bis Mailand fahren,
fühle mich aber gut und fahre weiter, nach
Mailand ist man ja gleich in der Schweiz, aber hier
ists
saukalt und neblig. Ich fange an zu frieren, und überlege ob ich ein Hotel
suchen soll. Da das letzte Hotel in Tanger etwas teurer war, will ich sparen
und fahre weiter. Bei einem Tankstop klappe ich wg. durchgefroren den
Seitenständer nicht ganz aus, das Motorrad fällt um, so unglücklich um, dass der
linke Spiegel beschädigt wird. Für die 35€, die der Ersatzspiegel kostet, hätte
ich fast auch ein Hotelzimmer bekommen…
Bei der Fahrt über die
Rheintalautobahn
ist es dann angenehm warm, und der
Verkehr auch nicht so stark. Kurz vor 11 Uhr biege ich am Walldorfer Kreuz,
hier bildet sich anscheinend ein Stau, Richtung Heilbronn ab und verlasse die
Autobahn in Wiesloch/Rauenberg. War bei meiner Abreise das Grün noch sehr
spärlich und zart, ist es jetzt voll und prall. Bei der Fahrt über Meckesheim
und Wiesenbach
muß ich unwillkürlich denken: bei uns
ist es doch auch sehr schön.
Eine wunderbare Reise
ist zu Ende. Außer Problemen hat sie alles
geboten: Kälte, Hitze, Regen (zum Glück sehr wenig), herrliche Landschaft,
tolle Straßen und Pisten, freundliche Menschen, Begegnung mit einem völlig
anderen Kulturkreis. Sie war immer interessant und schön, auch mal beschwerlich,
wie das bei einer Fernreise mit dem Motorrad ja normal ist, und hat meinen
Horizont erweitert. Noch Wochen nach der Rückkehr muss ich oft an Marokko
denken, sehe die Menschen in den Medinas und
Souqs
vor mir, die herrliche Landschaft im Hohen Atlas. Au revoir Maroc!
Orco freut sich, dass ich wieder daheim bin.
Tourkarte:
Reisezeit:
Da Marokko mehrere Klimazonen
hat, gibt es keine bevorzugte Reisezeit. Mai war ein guter Kompromiss zwischen
nicht zu kalt im Hohen Atlas (ca.10-15 Grad) und nicht zu heiss
in der Wüste (ca.33 Grad). Für einen reinen Wüstentrip sollte man früher
fahren, den Süden kann man auch erreichen, ohne den Atlas zu überqueren (über Midelt/ ErRachidia).
Anreise:
Es gibt mehrere Möglichkeiten,
nach Marokko zu kommen: über Spanien nach Almeria,
von dort Fähre (viele Autobahn km), Motorrad verschicken und hinterherfliegen (teuer), nach Genua (mit Autoreisezug bis Allessandria, teuer aber bequem) oder mit eigenem Motorrad
über Basel, Luzern, Gotthard, Mailand, ca. 700 km) und von dort mit Fähre nach
Tanger. Kosten für die Fähre mit Einzelkabine im Seniorentarif und
Reiserücktrittsversicherung ca. € 700, Überfahrtsdauer >54 Stunden
(fahrplanmäßig 48…).
Empfehlenswerte Hotels
(Preise u.U.verhandelbar):
- Fes
Ibis sehr schön, Pool, ca 30€
- Boulmane Dades, Hotel Chems, DBB 300DH, gute Küche, Terrasse mit schöner
Aussicht
- Zagora Hotel Palmeraie,
preiswert (120DH), sehr gute Küche, Bier
- Khenifra Hotel Nafa
- Tanger
Hotel Scheherazade
Was in Marokko schön bzw. gut ist:
- Die
Landschaft
- Die
freundlichen Menschen, deren Verhalten im Straßenverkehr
- Gemüse,
Obst sind exzellent. Frisch gepresster Saft aus reifen Orangen (ca. 1€ für
ca. 0.15 l) ist ein Traum
- Die
Straßen sind i.A. gut, der Asphalt oft rau, gut
für den grip, aber höherer Verschleiss
ist die Folge. Beschilderung in den Städten nicht immer gut, aber
auch ohne GPS war die Orientierung
meist einfach
- Die
Versorgung mit Benzin ist auch für ein Motorrad mit 300km Reichweite
problemlos, ebenso gibt es genügend Unterkünfte
- Das
Essen ist preiswert, man kann für 5€ essen, allerdings sind die Portionen
klein. Ein 3 Sternehotel kostet ca.30-45€, meine Erfahrung mit Hotels um
10€ ist auch sehr gut
-
Handyempfang ist fast überall sehr gut.
Was nicht so gut ist:
- Fast alle Autos qualmen grauenhaft, auf den Straßen stinkts daher gewaltig
- Auf größere Geldscheine kann man selten herausgeben
- Die Versorgung mit Bier und Wein ist bei weitem nicht so gut wie die mit Benzin, zumindest offiziell.
Sonstiges:
- Motorrad
(Bayern)
- BMW
R80GS, Bj1992, hat wie immer lautstark mit den Ventilen geklappert und
damit genervt, aber keinerlei Probleme verursacht. Ein Mal ½ l Öl
nachgefüllt. Reifen Michelin Anakee (gute Wahl)
- Km
Stand bei Start 79673 bei Ende 84841. Gefahrene km 5178, davon in Marokko
km 3800
- Fahrer
(Pfalz)
- Körpergewicht
83.6 kg bei Abfahrt, 81.6 kg bei Rückkehr. Keinerlei Probleme, auch nicht
mit Verdauung
- Kamera
(China/Japan)
- Sony
W1, die in Marokko gekauften Batterien sind zu schlapp gewesen.
Erkenntnisse, Erfahrungen:
- Die
Reise war gut geplant, alles verlief wie erwartet
- Ein
Handy mit prepaid Karte ist unbrauchbar, weil
sich das Guthaben (zu) schnell reduziert. Für die lange Schiffsreise sollte
das Handy auch einen mp3 Player haben und eine
Kamera für den Notfall. Lesestoff/Rätselheft für die lange Schiffsreise mitnehmen.
- Batterien
sind für die Kamera u.U. zu schlecht, Akkus+Ladegerät
ist sicherer
- Auf
der Fähre versucht man, Passagiere in Kabinen niedrigerer Kategorie zu
bringen (in meinem Fall 4-Bett!) um die freigewordenen besseren Kabinen an
Marokkaner gegen Bakschisch zu verhökern. Hier hilft nur protestieren und
insistieren.
Reiseplanung:
- Von Därr sind der Reiseführer, vor allem aber die Karte, sehr zu empfehlen.
Strecken für eine weitere Reise:
- Von Rich nach Tinerhir, Strecke
mittlerweile geteert
- Von Ouarzazate über den Atlas nach Demnate
- Umrundung
des Erg Chebbi
- Südwesten
Richtung Mauretanien
- Die
Küste vo Essaouira
nach Norden ist laut Aussagen eines Reisenden nicht sehr interessant