Marokko -  vom Riff über den Atlas in die Wüste

 

Motorradtour 2.5.-23.5.2008


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Anreise:

 

Ich starte morgens bei idealem Motorradwetter, 10 Grad  und wolkenlosem Himmel. Kein Stau auf der Autobahn, auch Karlsruhe liegt schnell hinter mir. Oh Schreck – es riecht nach Verbrennung! Entwarnung folgt schnell -  auf der Kriechspur ein Opel, der mit Warnblinker fährt. Ich komme gut voran, um die Mittagszeit Rast bei Kaffee und Kuchen bei Luzern. Bei Milano ist es schon sehr heiss, ich muss 3 mal an Mautstellen halten, löhne einmal €1.90, einmal €2.70 und einmal muss ich ein Ticket ziehen. Moderne Zeiten sind das ja nicht gerade, die Automaten sind unübersichtlich und alt, jedes Parkhaus in Deutschland hat da besseres zu bieten. Da man schon um 10 Uhr morgens bei der Fähre sein soll, übernachte ich in Allessandria ca.80 km vor Genua. Anhand der aus Google maps kopierten Karte (das sind moderne Zeiten) finde ich das Hotel auch ohne GPS problemlos. Die Stadt ist voller Leben und ganz nett, viele elegante Modegeschäfte, Italien eben. Sehr viele Nordafrikaner, die BMW GS ist auch in Italien ein Verkaufsschlager.  Restaurants sind dünn gesät, ein Döner hilft gegen den Hunger.

Am nächsten Morgen will ich mein Motorrad aus der Garage holen, aber oh Schreck, die ist mit Autos komplett zugeparkt. Wie eine Afrikanerin muss ich meine Alubox über dem Kopf tragen, und am Motorrad die andere Box abnehmen, um es aus der Umzingelung der Autos zu befreien. Schließlich ist auch das geschafft, die Fahrt nach Genua bei herrlichem Wetter ist schön, vor allem die letzten Kilometer, wenn sich die Straße aus den Bergen zum Hafen hinabwindet. Chaos an Bord des leicht schmuddeligen Schiffes Marrakesch Express, ein ausrangiertes griechisches Schiff. Ich bekomme eine 4 Bett Kabine trotz meines Hinweises, dass ich 2 Bett mit Einzelhaft gebucht habe. Als dann weitere Leute einziehen wollen, protestiere ich wieder, bekomme eine andere, bessere Kabine. Wieder muss ich protestieren, denn 2 Marokkaner wollen auch einziehen, müssen aber wieder raus. Sie übersehen mich geflissentlich auf dem Rest der Fahrt. Endlich geschafft, ich habe wofür ich bezahlt habe. (Dasselbe geschah auch auf der Heimfahrt, man sagte mir, die versuchen, Touristen in schlechtere Kabinen zusammenzulegen, um die frei werdenden Kabinen gegen Bakschisch an Marokkaner zu verkaufen… Macht natürlich einen schlechten Eindruck, aber während der Reise ist mir solches nicht mehr passiert, ich habe die Marokkaner als sehr freundliche Menschen erlebt.)


Abfahrt zu Hause. Rast an der Autobahn, das Wetter könnte nicht besser sein. Beim Anblick meines Motorrades muss ich unwillkürlich denken: wirst Du mir auch keine Probleme machen? (Hat es nicht)


Kurz vor dem Ablegen in Genua(links). Mit letzter Kraft wird die Fähre erreicht (rechts)



Abfahrt von Genua.Spartanisch ist die Kabine eingerichtet.


Überfahrt bei herrlichem Wetter. Ein Delphin (rechts).

Mittagessen Roulade, Abendessen Hähnchen mit Pommes. Das Essen ist gut. Mein Tischnachbar ist Vizekonsul in Bologna, wir führen interessante Gespräche, obwohl mein Französisch im Laufe der Jahre ziemlich aus den grauen Zellen diffundiert ist. Das Leben an Bord ist langweilig, man schlägt die Zeit tot. Die Einreiseformalitäten kann man schon an Bord erledigen, erwartungsgemäß ziemlich chaotisch, für die Marokkaner viel, für mich wenig Papierkram. Ich versuche sie mit Lesen des Reiseführers möglichst sinnvoll zu nutzen. Den Reiseführer habe ich eingepackt, obwohl mir das nicht so leicht fiel, denn mit 750g ist er doch ein schwerer Brocken. Ich habe ansonsten versucht, wenig Gepäck mitzunehmen: je leichter die Maschine, desto mehr Fahrspaß hat man natürlich. Ich habe daher auch nur 1 Pullover, 1 Hose und Unterwäsche und Socken dabei, einen Schlafsack (2kg) habe ich für Notfälle, Zelt und Kocher nicht, ich will in Hotels/Auberges essen und übernachten, ab und an einen Waschtag einlegen. Auch bei Ersatzteilen für das Motorrad war ich sparsam, 2 Zündkerzen, Universalbowdenzüge, 2 Ersatzschläuche, das Bordwerkzeug inkl. Reifenflickzeug und CO2 Patronen sind alles, was ich im Vertrauen auf bajuwarische Ingenieurkunst aus den 30er Jahren, optimiert in der Nachkriegszeit, mitnehme. Es sei vorweggenommen: das Motorrad lief absolut problemlos.

 

Mein Zeitplan kommt schon vor Anlegen des Schiffes durcheinander, denn statt 13 Uhr legen wir erst um 21 Uhr an…Das Entladen des Schiffes ist absolut chaotisch, alle steigen nach Anlegen des Schiffes in ihr Auto und lassen als erstes den Motor an. Bei 400 Autos kann man sich leicht vorstellen, welche Luft im Laderaum war, ich bin klatschnass geschwitzt, obwohl ich ja gar nichts tue… Die Abfertigung bei Zoll (gar keine Kontrolle) und Polizei geht zügig voran. Ich werde plötzlich aufgerufen, muss zur Polizei mitkommen. Ein Tippfehler von einem Polizisten in einem der Dokumente ist der Übeltäter, aber der Fehler wird schnell und problemlos behoben. Auf der ganzen Reise war die Polizei immer sehr freundlich, hat mich bei den vielen Kontrollen immer durchgewunken, auch bei der Abreise gings freundlich und schnell zu. Nach ca.1 Stunde ist die Einreise erledigt, durch den schmuddeligen Hafen gehts in die Stadt. Da ich nachts nicht fahren will - ich will ja was sehen, und die marokkanischen Straßen sind nachts voll von Tieren und Menschen - verbringe ich die erste Nacht im Hotel Scheherazade an der Uferstraße. Vor dem Hotel stehen ein paar Motorräder, ich stelle meines dazu. Eine Wache treibt sich auch herum, will am nächsten Morgen 1€ als Entlohnung. Auf diese Weise hat auf der ganzen Fahrt mein Motorrad sicher und problemlos übernachtet. In Bar und Billardraum suchen Menschen beiderlei Geschlechts nach Kunden.


Entladen des Schiffes. Erste Nacht in Tanger, Blick vom Hotelfenster auf die Avenue des F.A.R. am Hafen.

 

Tanger - Fes

 

Beim Weg aus Tanger muss ich nach dem Weg fragen, da die Beschilderung kümmerlich und inkonsequent ist, ein älterer Herr gibt mir die Hand und würdevoll Auskunft. Durch schöne bergige Landschaft  geht’s Richtung Tetuan, dann nach Süden über Chefchauen und Ouazzane nach Fes. Ich bekomme die ersten Eindrücke von Marokko: Müll, der den Straßenrand säumt, mehr als 20 Jahre alte, stinkende ausrangierte europäische Autos, Frauen, die auf den Feldern arbeiten und große Bündel mit Gras auf dem Rücken schleppen, keine Maschinen oder Traktoren, alles Handarbeit. Auf der ganzen Fahrt sehe ich nur 2 Mähdrescher. Ursprünglich wollte ich die schönere Strecke über Ketama wählen, aber das Auswärtige Amt rät vom Befahren dieser Strecke wegen aggressiver Drogenhändler ab. Auf der Rückreise erfahre ich von anderen Reisenden, dass diese Strecke aber vollkommen unproblematisch ist. Auch hat man vor Steine werfenden Kindern gewarnt, aber ich habe auf der ganzen Fahrt kein einziges Steine werfendes Kind gesehen. Im Gegenteil, die Leute sind überall sehr freundlich, grüßen und winken. Am Nachmittag ist Fes erreicht, im sehr schönen Hotel Ibis checke ich total verschwitzt für 2 Nächte ein. Eine Dusche und ein Bier am schönen Pool mit sattgrünem Rasen tun richtig gut. Die Hotelküche ist nicht so toll, aber wenigstens kann man ein Viertel sehr guten lokalen Weins trinken.

Südlich von Tanger ist das Land sehr fruchtbar, geerntet wird von Hand und die Ernte von Frauen und Eseln auf dem Rücken nach Hause getragen (unten links).


Oben links: beim Tanken. Oben Mitte: aufgelassene Läden Oben rechts: Viele dieser Cafes sollte ich noch besuchen... Unten links: typische Stadteinfahrt.

 

Am nächsten Morgen geht’s in die Medina, ein Führer versucht sich aufzudrängen, ich kann ihn abwimmeln. In der Medina beginnt das Leben, Läden werden geöffnet. Ich suche die Gerberei und Färberei, finde sie aber nicht. Per Zufall höre ich, wie Touristen ihrem Führer erklären, was Mozartkugeln sind! Erschöpft vom vielen Herumlaufen mache ich eine Pause bei Orangensaft an einem kleinen Stand, komme mit den Leuten dort ins Gespräch. Einer ist Student - Geschichte und Geographie – was er damit anfangen kann, weiß er nicht. Alle sind aber gut drauf und fröhlich, ein älterer Mann kann Englisch und ein wenig Deutsch, ihn engagiere ich als Führer. Er nimmt mich auch mit zu sich nach Hause, kurz vor Erreichen des Hauses in einem ärmlichen Berberviertel geht er vor, ich nehme an dass die Frau sich die Haare  bedecken muss…Das Haus selbst ist mehrstöckig, die Familie wohnt unten. Die Eingangstür ist ca.1.5m hoch, dann kommt ein kleiner Flur, eine Treppe führt nach oben. Eine Plastikfolie markiert den Eingang in das Reich der Familie, 2 Zimmer, jeweils ca 10 Quadratmeter, getrennt durch einen winzigen Durchgang, ca. 50 cm 1.5m. Im hinteren Zimmer stehen 3 Pritschen, die nachts als Bett dienen, und ein altes Regal, in dem Kleider und Geschirr aufbewahrt werden. Im vorderen Raum wird gekocht, die Frau hockt auf dem Boden vor dem Gaskocher. In der Ecke befindet sich auch ein Abtritt mit einem kleinen Vorhang – jetzt wird mir klar, warum es so seltsam riecht. Hier ist auch ein Wasserhahn…Das Essen wird auf einer großen Platte serviert, Zucchini, Tomaten, Oliven, auch ein Stück Huhn ist dabei. Die Bissen werden mit dem Brot vom gegrapscht und schmatzend verzehrt. Der Mann heißt Hassan (47), hat 3 Kinder Tsuria(5), Youssef(3) und Achmed(8), ein viertes ist anscheinend schon eingesamt. Er erzählt, dass er früher geraucht hat, Hasch und Zigaretten, jetzt aber nicht mehr, weil ihm der Arzt das geraten hat. Der Ramadan sei hart, kein Essen und Trinken von 6-18 Uhr. Alle seien nervös. In der Nacht geht dann aber die Post ab. Der Ramadan wird oft mit unserer Fastenzeit verglichen, aber das ist falsch, denn gefastet wird ja nur tagsüber, nach Sonnenuntergang wird alles nachgeholt. Eine solche Begegnung hat man nur als Einzelreisender, entschädigt mehr als genug für einsame Momente, in denen man sich nicht mitteilen kann. Nach dem Essen gehen wir in die Medina zurück, passieren dort mehrere Märkte. Jeder verkauft hier jedem etwas, Fes ist ein riesiger Marktplatz. Dies beschäftigt die Leute, nur etwa 30% der Marokkaner haben Arbeit. Es ist wohl auch so, dass die Leute nicht sehr nach Arbeit suchen, die Cafes sind immer gut besucht. Hier trinkt man The a menthe („Whisky maroccaine“), sehr guter, sehr süsser Pfefferminztee. Hassan hat etwa noch die Hälfte der Zähne, die verbliebenen sind auch schon ganz braun und überleben das nächste Jahrzehnt sicher nicht. Im Süden des Landes sind die Zähne i.A noch schlechter, angeblich kommts vom Rauchen (Hasch rauchen hier alle, wie man ohne Umschweife zugibt) und/oder Saufen.

 

Fes. Auf dem Weg in die Medina.

Langsam erwacht das Leben in der Medina

Der Obsthändler war sichtlich stolz, als ich ihn fragte, ob ich ein Foto machen könne.

Die Medina ist riesig, ihre Mauer hat eine Gesamtlänge von 16 km

Der frischgepresste Orangensaft aus wirklich reifen Früchten ist wunderbar. Mein Führer Hassan (4.v.r.)

Die Mauer der Medina. Eine Müllkippe innerhalb einer Stadt hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Satellitenschüsseln "zieren" auch in Fes die Dächer.

Der Busbahnhof, rechts im Hintergrund ein Friedhof.

Hassans Kinder

Auch Esel und Mopeds gibts in der Medina. Letztere selten in Schrittgeschwindigkeit.

In der Gerberei (oben) und Färberei. In der großen Trommel werden die Materialien gefärbt. Leider waren wegen eines Defektes keine Farben zu sehen.

Die  Gerberei hätte ich ohne Führer nie gefunden, weil sie nur durch verwinkelte Gässchen erreichbar ist. Dies ist aber der arabische Stil, eine Geometrie wie etwa Mannheim ist hier undenkbar.  In der Gerberei stinkts erwartungsgemäß, aber es ist zum Aushalten. Angeblich sei der Geruch gut für Asthma. In der Färberei ist leider etwas kaputt, so daß ich keine Farben sehe. Zum Abschluss erstehe ich noch ein Hemd für meine Tochter, das sie sich gewünscht hatte. Natürlich ist es handgemacht wie alles in Fes, die Leute sitzen in kleinen, wenigen Quadratmeter großen Lokalitäten und nähen und werkeln und verkaufen. Es ist sehr heiß, schätzungsweise 33-34 Grad. Zurück im Hotel sitze ich nach einer Dusche im gepflegten Garten und mache Notizen. Das Grün des gepflegten Rasens ist eine Wohltat für das Auge. Zwei Musiker unterhalten die Gäste, Synthesizer und Geige, ungewöhnlich für mich, aber nicht übel.

 

 

 

Fes – Boulmane de Dades - Todra - Dra

 

Am nächsten Morgen (8.5., 7:15) ist es angenehm kühl, es hat geregnet. Fahre die ersten km nach Gefühl, bis der erste Wegweiser Sefrou auftaucht. El Balil, ein Dorf mit normalerweise schöner Ausssicht, liegt in den Wolken. Ich zweige ab Richtung Ifrane. Schöne Tour, viel Wald, viel Sonne. Am Mischliffen ist nichts zu sehen, saumäßiger Wind, kalt. Auch hier viele Polizeikontrollen, aber ich werde überall freundlich gegrüßt und durchgewunken. Kurze Rast in Midelt, ein Junge kommt aus Steinladen, man lädt mich zu Tee ein, zeigt Versteinerungen  von Fischen, Schnecken und Krokodilen. Als ich wieder abfahre, kommt der Junge wieder gelaufen, schenkt mir ein paar kleine Versteinerungen als Erinnerung. Ab und zu leichter Regen, daher fahre ich auch weiter als ursprünglich geplant. In Er Rachidia lädt mich ein Berber zum Tee ein (Berber hospitality sagt er), den ich am Ende aber selbst bezahlen muss. Wahrscheinlich war dies auch der Grund für einen lautstarken Streit, den er mit einem auffallend großen und schlanken, traditionell gekleideten Mann mit schlechten Zähnen hat. Fahre weiter bis Boulmane Dades. In demselben Hotel sind auch 3 Engländer, mit denen ich am Morgen in Fes ein Auto aus der Einfahrt geschaukelt habe: two, three, up….

Mittlerer Atlas. Um die Skihütte auf dem Mischliffen pfeift der Wind.

Schöne Landschaft im Mittleren Atlas. Regenbogen bei Midelt.

 

Im Hotel rät man mir, zuerst die Todra und dann die Dadesschlucht zu besuchen, wegen der Lichtverhältnisse und der Touristen, die im Laufe des Tages in die Todraschlucht einströmen. Also das Stück zurück nach Tinghir, und dann in die Schlucht. Landschaftlich wild und unglaublich schön, man fährt auf der Sohle der Schlucht entlang, teilweise ist auch die Straße ein kleines Enduroparadies. Ich treffe unten einen lässigen Reiseführer aus Frankfurt, er hat einen Wagen von der Feuerwehr gekauft, und fährt jetzt mit diesem Touristen durchs Land. Er will ihn in Agadir verkaufen und dann zurückfliegen, weil er nach Korsika muss, eine Segeltour leiten. Er gibt mir ein paar Tips für interessante Routen. In Tamtaouchte trinke ich einen Kaffee, der Junge der ihn bringt, hat in Karlsruhe BWL studiert, will auch wieder zurück, wartet auf sein Visum. Den Einstieg zum Übergang zur Dadesschlucht finde ich zwar, aber die Piste verzweigt sich, so dass ich doch wieder umkehre und bis Aint Hani fahre und dann umdrehe. Ich bereue es nicht, denn die Schlucht sieht runter anders aus als rauf…Mittlerweile sind auch sehr viele Touristen da. Zurück nach Boulmane, die Dadesschlucht ist ganz anders als Todra, aber auch sehr schön. Drehe kurz vor Msemir um. Auch Fahradfahrer klettern die Schlucht hinauf! Das Wetter ist traumhaft, nach dem Regen gestern ist die Luft klar.

Boulmane de Dades, Hotelterrasse. Todraschlucht

Die Todraschlucht windet sich auf eine schöne Hochebene hinauf

Tamtaouchte ist ein gottverlassenes, aber schön gelegenes Nest

Die herrliche Todraschlucht wird von vielen Touristen besucht, um die Mittagszeit hat die Schlucht ihren Reiz deswegen verloren.

Auf der Straße der Kashbahs gehts zur Dadesschlucht

Ganz anders im Charakter ist die Dadesschlucht. Über 2000m Höhenunterschied windet sich die Straße hinauf und wieder hinab.

Das Hotel in Boulmane liegt am Ortsausgang, in einer Kurve am Ende einer Steigung. Ich rufe von der Straße aus zu Hause an - der Handyempfang ist fast überall exzellent - einheimische Frauen und Mädchen amüsieren sich köstlich, vermutlich hören sie zum ersten Mal fremde Laute. Viele alte Autos quälen sich lärmend und qualmend hoch, ein Q7 fährt praktisch geräusch- und völlig qualmlos. Zu Hause ein Umweltsünder, hier vorbildlich…

 

Ich inspiziere einen Geldautomaten, junge Leute im Cafe nebenan sprechen mich an. Wein, Bier, Hasch, Frauen, alles könnten sie besorgen…Einer kann auch ein wenig Deutsch: Prost, dass die Kehle nicht rost…Das Essen im Hotel im marokkanischen Salon ist gut, der Kellner lacht, als ich nach Wein frage, und schüttelt amüsiert den Kopf, freut sich aber, weil ich die ganze Suppe aufgegessen habe.

 

OuarzazateM’Hamid

 

Bei schönstem Wetter solls über Ouarzazate und Zagora nach M'Hamid gehen. In Ouarzazate mache ich einen Stop für Kaffe und Orangesaft, besichtige dann die Kasbah. Ist nichts besonderes, wird als Artesanat benutzt. Der ganze Bau ist verwinkelt, mit kleinen Treppchen und Türchen. Unterwegs treffe ich eine Gruppe von netten Motorrad fahrenden Engländern, die in einem Cafe sitzen. Ich mache ein Gruppenfoto von ihnen. Wir reden natürlich über Motorräder und Routen. Über Agdz geht’s durch das herrliche Draatal weiter bis Zagora. Es ist sehr heiss, deutlich über 30 Grad. So hatte ich es auch erwartet, im Atlas kühl, im Süden gerade noch erträglich. In Zagora buche ich eine Kameltour in M’Hamid, am Ende der Straße, auch am Ende Marokkos, denn die Grenze zu Algerien ist hier nur noch weniger als 45 Kilometer entfernt. Ich kann in einem Lager mein Motorrad abstellen,  nach einer kurzen Dusche geht’s per Dromedar zu einem Lager mit Berberzelten in der Wüste. Besonders beeindruckend sind die Dünen ja nicht für mich, der ich in Namibia war, auch wenns lange her ist. Die Dünen in Merzouga seien schöner, aber das erfahre ich zu spät. Ich bin der einzige Tourist, auch nachts ist es noch angenehm warm. Zu essen gibt’s das NationalgerichtTagine, gehe früh schlafen.

Auf dem Weg nach Quarzazate. Die Kashbah von Quarzazate.

Auf dem Weg nach Zagora im Süden werden herrliche Gebirge durchquert.

Die Landschaft im Draatal war Kulisse für den Film "Der Himmel über der Wüste"

M'Hamid. Auf dem Weg zum Beduinenlager

Das Marokkanische Nationalgericht Tagine scheint keine große Begeisterung hervorzurufen.

Ein kleiner Sandsturm - auf dem Foto unten Mitte nicht sehr gut zu sehen - erschwert die Rückkehr nach Zagora

 

Am nächsten Morgen fehlt das Dromedar, ich hatte mich schon gewundert, dass es nicht festgebunden wurde. Per Handy wird Ersatz bestellt, der auch bald eintrifft. Youssef, mein  Führer macht sich auf den Weg um das Dromedar zu suchen, und kommt auch nach einer Stunde damit zurück. Der Führer des Ersatzdromedars blickt mich missbilligend an (was kann  ich denn dafür) und reitet zurück, wir folgen ihm. Nach einer Dusche und einem Tee im Lager kämpfe ich mich durch einen kleinen Sandsturm zurück nach Zagora. Dort in das im Reiseführer empfohlene Hotel Palmeraie. In der Stadt wird man überall angequatscht, die Touristensaison ist vorbei, und die wenigen verbliebenen sind die Beute. Ein Junge mit Moped spricht mich mindestens 10mal an, ich solle doch den Laden seiner Eltern besuchen. Ziemlich lästig die Leute hier. Auffallend auch, daß die Hautfarbe hier im Süden viel dunkler ist, man sieht auch richtige Neger (nicht abwertend und rassistisch gemeint). Das Abendessen im Hotel ist super, Salat, Huhn mit Mandeln, Orangencreme mit Zimt. Der Wein ist ausgegangen, Nachschub wird erwartet. Zwangsweise trinke ich Bier, es gibt schlimmere Zwänge, denn das lokale Spezial schmeckt gut. Ich mache noch einen Verdauungsspaziergang, treffe 3 Biker vom Schiff. Auch ihnen gefällt Marokko sehr. Ein Holländer kommt mit seiner GS ans Hotel, ich traue meinen Augen nicht: er holt eine Plane und deckt das Motorrad ab! Wenn schon Geländemotorrad, dann bitte staubfrei…

 

Ein Foto vor dem berühmten Schild Timbuktu 52 Tage in Zagora ist natürlich Pflicht

Im Dratal. In Marokko ist ein Mann eben noch ein Mann (l.u.)...

In Agz sind die Leute extrem aufdringlich.

Am nächsten Tag will ich das Draatal erkunden. Um 8 Uhr morgens ist auf den Straßen viel los, Schulkinder sind zu Fuß unterwegs, oft mehrere Kilometer zum nächsten Ort. Ich versuche ein wenig das Leben einzufangen, wünsche mir ein stärkeres Teleobjektiv. Ich will 2 Frauen auf einem Esel fotografieren, aber sie drehen sofort ab, als sie die Kamera sehen. Kurze Rast in Agdz, am zentralen Platz nerven aggressive Händler. Ist man einen los, kommt der nächste. Ob man helfen könne, einen Brief an einen Freund in Deutschland zu schreiben? Diesen Trick kannte ich aber schon aus dem Reiseführer. Am Ortsausgang ist ein Cafe, Quadfahrertreff. Ich mache einen Abstecher nach Talas, lohnt aber kaum, karge und aride Gebirgslandschaft. Auf dem Rückweg nach Zagora tanke ich, der Tankwart macht sehr voll. Wir kontrollieren den Reifendruck, Flüssigkeit läuft aus dem Motorrad. Der Tankwart prüft und sagt: huile. Oh Schreck, aber ich prüfe auch: es ist Benzin, das aus dem Überlauf quillt. Ich will noch Öl für den Motor, nein, 2 Taktmischung hätte man nicht. Nein, für den Motor. Dies sei eine Tankstelle, hier gibt’s nur Benzin. Der Tankwart liebt Deutschland, weil die deutschen Nummernschilder so schön reflektieren. Hier im Süden prallen alte und neue Zeit besonders heftig aufeinander, man sieht Leute mit Trikot vom FC Bayern auf dem Esel, oder mit Handy. Internetcafes gibt es viele, und – nicht übertrieben -  draußen treiben die Leute einen Esel vorbei. Die Handysucht ist in Marokko ebenso groß wie bei uns.

 

Zagora -  Marrakesch 13.5.

 

Die Strecke von Zagora nach Ouarzazate kenne ich mittlerweile ja schon, aber schön ist sie immer wieder. Der Abstecher nach Ain Ben Haddou lohnt sich nicht, den Fußweg zur Kashbah möchte ich in der Mittagshitze auch nicht mit meiner vollen Montur machen. Die Strecke  nach  Telouet ist so schlecht, dass ich umdrehe. Ich werde auch gleich belohnt, denn die Fahrt durch den hohen Atlas ist ein absoluter Traum, die Straße mit dem rauen, griffigen Asphalt perfekt, die Landschaft ebenso. Schade nur, dass die stinkenden Autos eine Plage sind, auch wenn man sie mit dem Motorrad natürlich ratz-fatz überholen kann. An allen Aussichtspunkten, wird versucht, einem etwas zu verkaufen, Mineralien meist. Neben dieser Atlasquerung gibt es noch weitere, die sicher ebenso traumhaft sind. Ein Grund zum Zurückkommen!

Schöne Häuser in Zagora.Der Weg nach Marrakesch führt über eine traumhaft schöne Strecke durch den Hohen Atlas.

Auch Ait Ben Haddou war Kulisse für den schönen Film "Der Himmel über der Wüste"

 

Gegen 17 Uhr komme ich nach Marrakesch, der Verkehr ist horrend, Autos und noch mal so viele qualmende 2-Takt Moppeds. Ich suche den Boulevard Hassan II, halte vor einem Hotel. Auf diesem Boulevard soll es viele Hotels geben, ich sehe aber nur zwei. Ich fahre daher weiter, engagiere unterwegs einen Taxifahrer, der mir den Weg zum Boulevard zeigen soll. Wir fahren, nach wenigen Minuten hält er vor demselben Hotel…Ich entlohne ihn wie  ausgemacht mit 1€ und checke im Hotel Fashion für 2 Nächte ein.  

 

Marrakesch

 

Der Boulevard Hassan II ist sehr stark befahren, eine endlose zweispurige  Kolonne von Autos und Mofas und Motorrollern. Krach und Gestank sind beeindruckend. Eine Pizza am Abend und ein kleiner Spaziergang -  ganz in der Nähe ein großer Kreisverkehr mit Restaurants und Einkaufszentrum. Sieht alles perfekt westlich aus, auch junge und hübsche Mädchen sieht man mit Jeans und Tops wie in jeder westlichen Stadt. Auffallend auch dass die Leute hier viel bessere Zähne haben als im Süden.

 

Am Morgen geht’s zum Platz Dra El Fna, ein Führer greift mich, ich kann ihn nicht abschütteln, er will mich auch zu Teppich- und sonst was Händlern abschleppen, aber ich lasse mich auf nichts ein. Marrakesch ist enttäuschend, das sagten mit auch andere  Reisende, wenn man in Fes war, ist Marrakesch eine Enttäuschung. Mir ists nicht gut, ich trinke eine Cola in einem Cafe, aber das hilft auch nicht viel. Ich schlendere über den Platz, vor einem Cafe steht eine R1150RT. Glück, denke ich, denn mein Vorderreifen sieht schon etwas mitgenommen aus durch den rauen Asphalt, und ich habe schon überlegt, wo ich einen Ersatz herbekomme. Den Besitzer erkenne ich gleich, er sagt mir auch, wo er die Reifen für das Bike kauft. Den Laden – Untergeschoss einer Tiefgarage – finde ich auch, und frage nach meinem Reifen. Muss man bestellen. Wann kommt er? Morgen? 10Uhr? 15 Uhr? 20Uhr? Oui, Monsieur. Ich soll um 3 Uhr mit Pass wiederkommen, da sei der Patron da. Klingt ja alles nicht so toll, ich gehe ins Hotel, lege mich ins Bett. Die Route ändern, nach Casablanca fahren? Den Reifen bestellen, obwohl das ein paar Tage dauern kann? Ich beschließe, dass der Reifen halten muss, zur Not kann man ja von Tanger aus einen Reifen in Genua organisieren. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn der Reifen hielt problemlos bis nach Hause und darüber hinaus. Am Abend esse ich in einem Cafe bei einem Einkaufszentrum ganz im westlichen Stil Spaghetti au 4 fromages, zum ersten (und wie sich zeigen sollte, auch zum letzten Mal) werde ich satt in Marokko.

Marrakesch, Boulevard Hassan II. Ein rarer Moment mit wenig Autos und Mopeds

 

 

Marrakesch – Khenifra

Nach dem üblichen spärlichen französischen Frühstück und  dem obligatorischen Obulus für die Wache (das Motorrad stand auf dem Gehsteig) geht’s weiter nach Norden. Ich fahre Nebenstrecken, durch schöne Wälder, wenns nur nicht so verflixt neblig und kalt wäre!  Die natürliche Brücke bei IsnIfni ist mein nächstes Ziel. Auch hier heftet sich mir ein Führer an die Fersen, eine kleine Rundtour unter der Brücke durch auf der anderen Seite wieder hoch. Nett, aber nicht spektakulär. Nach einem Kaffee mit Orangensaft will ich zu den Wasserfällen in Ouzoud. Problemlos zu finden, gut beschildert. Ich lasse das Motorrad in einem bewachten Hof zurück. Kurzer Erfahrungsaustausch mit einem  Belgier, der mit seiner R1150GS unterwegs ist, dann laufe ich zu den Wasserfällen. Unglaublich aber wahr – ohne Führer! Die Wasserfälle sind hübsch, oben sieht man auch Berberäffchen. Nach einer Stunde bin ich wieder an meinem Motorrad und breche wieder auf, über Kashba Tadla geht’s weiter durch den Atlas. Hier ist das Land nicht mehr so fruchtbar wie im Norden. Man kommt durch viele Städtchen und Dörfer, leider kann man beim Fahren nicht fotografieren. Ich bedaure das sehr und hoffe, bei der nächsten Reise eine Bordkamera zu haben, weil man dann auch unbemerkt das Leben – das spielt sich hier vornehmlich auf der Straße ab – einfangen kann. In Khenifra checke ich im Hotel Nafa ein, das im Därr empfohlen wird. Das Hotel ist auch in Ordnung, hat eine Bar und Restaurant. In der Bar trinke ich einen Orangensaft, im Fernsehen verbreitet eine Dame mit ihrem Gesang Weltschmerz, für meine Ohren sehr eintönig.  Ich esse abends noch im Restaurant. An einem der Nebentische isst ein Mann, ohne Besteck, mit der rechten Hand. (Die Einheimischen benutzen in den Restaurants aber eigentlich immer Besteck). Er trocknet sich des öfteren die Finger an dem Brot, das in einem kleinen Korb auf dem Tisch steht, ab. Immer wenn ich später einen Brotkorb sehe, muss ich daran denken…

Die natürliche Brücke bei IsnIfni.

Die Wasserfälle von Ouzoud. Mit ein wenig Glück kann man Berberäffchen sehen.

 

Khenifra - Asilah

Am nächsten Morgen begrüßt mich der Kellner mit Handschlag, das Frühstück lasse ich mir munden, die Dame mit ihrem Weltschmerz ist auch schon wieder wach. Der Himmel ist bedeckt, es ist frisch als ich losfahre. Ich will Richtung AsinLeu, verpasse aber die Ausfahrt, weil sie in der Karte falsch eingezeichnet ist. Na ja, man ist ja flexibel. Die Aussicht von El Balil soll sehr schön sein, aber heute liegt der Ort in dichtem Nebel.

 

Meknes will ich durchfahren, was mir auch problemlos gelingt, ich frage einmal nach dem Weg, aber ich bin auf der richtigen Straße. Weiter geht’s nach Norden, in Larache will ich übernachten. Die Strecke ist nicht besonders aufregend, aber stark befahren. In Sidi Kacem halte ich vor einem kleinen Cafe, aber ein Blick auf Tische und Stühle bringt mich dazu, gleich wieder weiter zu fahren. So ein dreckiges Cafe habe ich noch nie gesehen. Weiter geht’s, endlich ist Larache erreicht. Aber auch das ist ein Dreckloch, so dass ich weiterfahre, obwohl mir eigentlich schon genug gefahren bin. Bei der Rast an einer Tankstelle kommen 2 BMWs vorgefahren. „Hallo, ich bin der Jürgen, wie geht’s Dir?“ begrüßt er mich freundlich. Er und seine Begleiterin Uschi waren in Spanien, aber es regnete so stark, dass ihnen das Campen keinen Spaß mehr gemacht hat und sie kurzerhand nach Marokko übergesetzt sind. Sie haben nur die ADAC Übersichtskarte dabei, ich schenke ihnen die Kopien der Strecken, die ich gefahren bin und nicht mehr brauche und gebe ihnen Tipps.

 

Laut Reiseführer ist Asila ein nettes sehenswertes Städtchen. Das Benzin wird knapp, ich fahre schon auf Reserve, der Motor stottert. Ich stelle den zweiten Benzinhahn auf Reserve, schüttle das Motorrad, es läuft wieder rund. Noch 10 km… Gott sei Dank, am Ortseingang von Asilah eine Tankstelle. Ich lasse wie immer voll machen, will zahlen, aber oh Schreck, ich habe noch 195 DH, die Rechnung ist aber 210 DH. Ich sage dem Tankwart, dass ich Geld hole und wiederkomme. Kein Problem sagt er, ich suche einen Geldautomaten und fahre dann zurück zur Tanke, gebe ihm das Geld und er winkt mir freundlich bei der Abfahrt zu. Auch das ist Marokko.

In der Stadt suche ich ein Hotel, ein Schlepper greift mich und lotst mich zu einem Haus in der Medina. Ich sage zu, obwohl das Zimmer für 17€ mit Gemeinschaftsdusche ja nicht besonders billig ist. Aber es ist sauber und ruhig, und es ist auch einmal eine Erfahrung, in der Medina zu wohnen. Das Motorrad kann außerhalb der Stadtmauern auf einem bewachten Platz stehen. Außerhalb der Medinamauern sind viele Cafes und Restaurants mit Tischen im Freien. Ich esse hier als einziger, Touristen kommen nur im Sommer. Das Essen (Fisch) ist sehr gut, ich bekomme auch einen Wein. Ich hatte Weißwein bestellt, der Wirt verschwindet in einem Laden, bringt den Wein (es ist roter…) an den Tisch in einer braunen Tüte, damit  niemand sehen soll, wie der gottlose Tourist Alkohol trinkt. Diesselbe alberne Tarnung mit der Tüte habe ich auch in USA erlebt.

 

In der Nähe von Asila gibt es den einzigen Steinkreis (Cromlech ) in Nordafrika, das will ich mir nicht entgehen lassen. Ich finde den Einstieg in die Piste trotz  der schlechten Beschreibung im Därr, ein Auto kommt mir entgegen, der Fahrer wünscht noch grinsend „bonne route“, aber mit einer Enduro ist die Strecke problemlos, im Gegenteil, es macht sogar richtig Spaß, die 4 km zum Cromlech zu fahren. Der Cromlech selbst ist nicht so beeindruckend, da er ziemlich zugewachsen ist. Im wesentlichen sind es 2 konzentrische Steinkreise mit über 50m Durchmesser. Nachmittags besuche ich die Medina in Asila, laufe alle die vielen malerischen Gässchen ab. Abends esse ich wieder in einem kleinen Lokal, es gibt hier Bier, das aus einem kleinen Laden nebenan geholt wird. Das Bier kostet soviel wie das ganze Essen (Omelett 20DH, Huhn 30DH, Bier 55DH)...

Nördlich des Atlas, im Nordwesten, ist das Land sehr fruchtbar.Gegend bei Asila.

Abzweigung von der Hauptstrasse auf einen kleinen holprigen Weg, der nach 4km zum Cromlech, dem einzigen Steinkreis in Nordafrika führt.

Asilah, am Strand und in der Medina.

 

Die Medina ist sehr sauber und malerisch. Blick vom Strand auf die Medina, vor den Mauern der bewachte Parkplatz für Autos.

 

Asilah – Tanger

 

Von Asila will ich an die Küste südlich von  Tetouan fahren. Die Strecke AsilahTetuan führt durch Berge an die Küste und ist sehr schön, ebenso schön ist die Küstenstraße südlich von Tetuan.  Sie windet sich in engen Kurven um Felsen, der Wind pfeift und drückt und zerrt am Motorrad, so dass ich nur langsam  vorwärts komme. Die Kamera streikt, obwohl ich ihr neue Batterien spendiert habe; die Fotos der Medina von Asilah sind daher die letzten, die ich machen konnte. Wäre doch besser gewesen, das Ladegrät mitzunehmen. Ich hatte es aus Gewichtsgründen zu Hause gelassen...In einem tristen Städtchen mache ich Rast, trinke wie immer einen Cafe au lait und einen Orangensaft. Ein Einheimischer setzt sich zu mir und qualmt seine Haschpfeife.

 

Da ich langsamer vorwärts komme als gedacht, drehe ich auch bald wieder um und fahre bis Tanger. Die große Uferstraße am Hafen finde ich sofort, checke in einem Hotel ein, bringe meine Sachen in Ordnung, wasche Hemden.

 

Am nächsten Morgen regnet es, so ein Mist denke ich, aber um 10:30 hört es auf, ich gehe zur Medina. Bei einem Gewürzhändler erstehe ich Gewürze für Fleisch und Safran für Reis. In der Medina greift mich wieder ein Führer, er zeigt mir Häuser und Cafes, die ich ohne ihn nie gefunden hätte, denn die Medina ist auch hier äußerst verwinkelt und unübersichtlich. Er zeigt mir ein Cafe, in dem Kofi Annan Pfefferminztee getrunken und Mick Jagger - natürlich - Hasch geraucht hat, das Haus von Barbara Hutton. Er führt mich auch eine winzige Treppe hoch zu einem Teppichhändler. Wunderschöne Teppiche hat der Mann in seinem Laden, alles mit natürlichen Farben hergestellt. Ich würde gerne einen großen mitnehmen bzw. nachschicken lasssen, aber man weiss ja nie, obs zu Hause auch gefällt. Ein kleiner Läufer aus Kaschmir sieht schön aus und sollte auch nicht zu viel Platz auf dem Motorrad beanspruchen. Er will €250, ich sage 80, er sagt 150, ich bleibe bei 80. Es ist ihm recht - der erste Kunde am Tag sei der wichtigste - um den Kauf zu besiegeln, drückt er mich theatralisch „heart to heart“. Ich habe nur 800 DH (ca.72€) im Portmonnaie, aber er ists auch so zufrieden. Er wickelt den Teppich zu einer kleinen Rolle, etwa so groß wie die berühmte 1000 Blatt Rolle, und wir wünschen uns zum Abschied noch gegenseitig ein langes Leben. 

Am Abend gehe ich wieder ins Cafe Africaine auf dem Weg zur Medina. Ich hatte tags vorher dort gegessen,und da mir das Essen geschmeckt hatte, esse ich wieder dort. Der Inhaber erkennt mich gleich wieder und begrüßt mich per Handschlag. Er spricht sogar ganz ordentlich Deutsch. In einer Ecke des Lokals sitzen 2 mollige leichte Mädchen und stärken sich für die kommende Nacht. Etwas neidisch sehe ich die großen Portionen, die sie vertilgen. Ich selber esse Spaghetti, die aus einem nahen Laden geholt werden. Die Portion wäre selbst für italienische Verhältnisse klein. Zum Dessert bestelle ich Flan, der ebenfalls vom Sohn des Hauses aus einem Laden geholt (Danone) und ein wenig verschämt an mir vorbei geschmuggelt wird. Etwa 1/3 der Portion landet auf meinem Teller... Zum Test frage ich den Inhaber, was denn das für Mädchen seien. "Äh,hm, na du weißt schon...". Nach dem Bezahlen - das ganze Menü kostet ca.5 € - , gibt er mir die Hand und sagt zum Abschied:"Bis morgen". Ich erkläre ihm,daß ich morgen wieder nach Hause fahre,und er wünscht mir gute Reise.

 

 

 

Rückreise. 20.5-23-5.

Am Morgen fahre ich zum Hafen, ein Händler versucht noch, mir gefälschte Uhren anzudrehen. Die Formalitäten – Polizei und Zoll - sind schnell erledigt, als Motorradfahrer hat mans sehr leicht, ich werde nie vom Zoll kontrolliert, Autos werden dagegen genau untersucht, vermutlich auf Rauschgift.

 

Die Überfahrt von Tanger nach Genua verläuft problemlos, abgesehen von dem erneuten Versuch, mir eine schlechtere Kabine anzudrehen. Das Wetter ist perfekt. Da ich leider keine Lektüre außer dem Reiseführer dabei habe, den ich jetzt natürlich nicht mehr lese, ists sehr langweilig. Ich treffe einige Leute die ich schon bei der Hinfahrt gesehen hatte.Interessant war der Erfahrungsaustausch, wie anders hat ein Ehepaar mit 2 Kindern (schätzungsweise 2 und 4 Jahre) Marokko erlebt. Sie waren die meiste Zeit bei Merzouga, der Wind hat immer Sand aufgewirbelt und einen richtigen Sandsturm hatten sie auch. Sie machten auch Bekanntschaft mit einem lokalen Arzt, denn ein Kind wurde von einem Skorpion gebissen. Ich treffe auch einen Wiener, der mit dem Auto vor allem im Süden unterwegs war. Da er auch Motorradfahrer ist, haben wir genügend Gesprächsstoff. Er behauptet, eine extrem feine Nase zu haben, und würde viele Dinge riechen können. Mir verschlägt's ein wenig die Sprache, denn seine eigene olfaktorische Aura ist gewaltig. Wir kommen am 22.5. wieder viel zu spät an, 23:00 (statt 13:00). Ich  komme als 3. Fahrzeug vom Schiff, werde beim Zoll durchgewunken. Auch die Passkontrolle in Italien ist schnell erledigt; der Zöllner schaut das Foto an, dann mich, ich sehe, daß er wegen des Helmes mich natürlich nicht erkennen kann und will daher den Helm abnehmen. (An der tschechisch-deutschen Grenze musste ich mal den Helm abziehen). Er macht eine Geste, daß ich das nicht tun soll, schaut in den Pass: (Germania? Si. Ciao!). Ich bin gut ausgeruht und will mindestens bis Mailand fahren,  fühle mich aber gut und fahre weiter, nach Mailand ist man ja gleich in der Schweiz, aber hier ists saukalt und neblig. Ich fange an zu frieren, und überlege ob ich ein Hotel suchen soll. Da das letzte Hotel in Tanger etwas teurer war, will ich sparen und fahre weiter. Bei einem Tankstop klappe ich wg. durchgefroren den Seitenständer nicht ganz aus, das Motorrad fällt um, so unglücklich um, dass der linke Spiegel beschädigt wird. Für die 35€, die der Ersatzspiegel kostet, hätte ich fast auch ein Hotelzimmer bekommen…

Bei der Fahrt über die Rheintalautobahn ist es dann angenehm warm, und der Verkehr auch nicht so stark. Kurz vor 11 Uhr biege ich am Walldorfer Kreuz, hier bildet sich anscheinend ein Stau, Richtung Heilbronn ab und verlasse die Autobahn in Wiesloch/Rauenberg. War bei meiner Abreise das Grün noch sehr spärlich und zart, ist es jetzt voll und prall. Bei der Fahrt über Meckesheim und Wiesenbach muß ich unwillkürlich denken: bei uns ist es doch auch sehr schön.

 

Eine wunderbare Reise  ist zu Ende. Außer Problemen hat sie alles geboten: Kälte, Hitze, Regen (zum Glück sehr wenig), herrliche Landschaft, tolle Straßen und Pisten, freundliche Menschen, Begegnung mit einem völlig anderen Kulturkreis. Sie war immer interessant und schön, auch mal beschwerlich, wie das bei einer Fernreise mit dem Motorrad ja normal ist, und hat meinen Horizont erweitert. Noch Wochen nach der Rückkehr muss ich oft an Marokko denken, sehe die Menschen in den Medinas und Souqs vor mir, die herrliche Landschaft im Hohen Atlas. Au revoir Maroc!

Orco freut sich, dass ich wieder daheim bin.


Tourkarte:


Reisezeit:

Da Marokko mehrere Klimazonen hat, gibt es keine bevorzugte Reisezeit. Mai war ein guter Kompromiss zwischen nicht zu kalt im Hohen Atlas (ca.10-15 Grad) und nicht zu heiss in der Wüste (ca.33 Grad). Für einen reinen Wüstentrip sollte man früher fahren, den Süden kann man auch erreichen, ohne den Atlas zu überqueren (über Midelt/ ErRachidia).

 

Anreise:

Es gibt mehrere Möglichkeiten, nach Marokko zu kommen: über Spanien nach Almeria, von dort Fähre (viele Autobahn km), Motorrad verschicken und hinterherfliegen (teuer), nach Genua (mit Autoreisezug bis Allessandria, teuer aber bequem) oder mit eigenem Motorrad über Basel, Luzern, Gotthard, Mailand, ca. 700 km) und von dort mit Fähre nach Tanger. Kosten für die Fähre mit Einzelkabine im Seniorentarif und Reiserücktrittsversicherung ca. € 700, Überfahrtsdauer >54 Stunden (fahrplanmäßig 48…).

 

Empfehlenswerte Hotels (Preise u.U.verhandelbar):

 

 

Was in Marokko schön bzw. gut ist:

 

Was nicht so gut ist:

Sonstiges:

 

 

Erkenntnisse, Erfahrungen:


Reiseplanung:

 

Strecken für eine weitere Reise:



Josef Fried

last update: October 2008
 
 

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