Ein englischer Triumph Sportwagen steht da, ein Koffer außen auf dem Kofferraumdeckel,
in Plastikfolie eingeschweißt. Das Ehepaar packt aus, weil das Ticket in einem Koffer versteckt ist...
Auch die Koffer im Kofferraum (nach dem Öffnen muß man eine Stange in ein Loch im Deckel einführen, damit der
oben bleibt, so wie das früher bei Motorhauben üblich war, dafür hat es aber ein Holzarmaturenbrett)sind eingeschweißt.
Ein Mann fragt wie alt das Auto sei usw, sie sagen,25 Jahre, es hätte viele Macken, würde gerne
mal ausgehen, und wasserdicht sei es ja auch nicht, deswegen sei alles eingeschweißt.
Es geht pünktlich ab, bis Mannheim braucht der Zug 2 Stunden. Ich habe Liegeplatz im 5er Abteil
(als Familienvater muss man aufs Geld achten),
mit einem Rentnerehepaar und 2 Bikern, die um 23 Uhr ziemlich voll aus dem Speisewagen kommen.
Die Fahrt ist aber ruhig, wir kommen auf die Minute pünktlich an.
Kilometerstand bei Abreise, der Kilometerzähler zeigt 100000 zu wenig an...
Aufladen in Neu-Isenburg und Abladen in Narbonne.
Die ersten Kilometer im Katharerland, Anfahrt zur ersten Burg, dem Chateau de Peyrepertuse
Der Weg von und zur Burg ist weit und geht steil rauf und runter, Schweiss treibend!
Weiter gehts über interessante Sträßchen nach Spanien, durch Bossost (schöne Stadt mit Kurstadtflair) wieder nach Frankreich bis Bagneres de Luchon, eine Dachkammer im kleinen Hotel Rencluse St.Mamet in einem schönen alten Holzhaus wird meine Bleibe für eine Nacht. Lustig ist die Dusche, es gibt nur eine Sitzbadewanne. Es ist gar nicht so einfach, die Achselhöhlen zu entseifen ohne eine Überschwemmung im Badezimmer zu verursachen, da ein Duschvorhang fehlt. Dafür hat der Rollladen Elektroantrieb. Das Abendessen (Suppe, Sole, Artischocken, und Rhabarbertorte) ist sehr gut.
Ein Abstecher zum Cirque de Troumousse ist sehr schön, tolle Strecke, tolles wetter, tolle Landschaft. Ich sehe auch Murmeltiere, sie sind putzig aber scheu und ergreifen sofort die Flucht.
Weiter zum Col d'Aubisque, die Anfahrt ist sehr schön und toll zu fahren. Für mich der schönste Pass der Tour (auch wenn er mit 1709 m nicht der höchste ist, was für viele wohl das Hauptkriterium ist). Auf der Hütte genehmige ich mir einen Cafe au lait und ein Stück Kuchen, 7€. Ich spaziere noch ein wenig herum, sehe wie ein Bediensteter der Hütte herauskommt, pinkelt und wieder hineingeht... Die Abfahrt vom Col ist auch sehr schön, einfach cool. In Laruns biege ich nach Norden ab,um nach Bielle und zum Col Marie-Blanque abzubiegen. Nur 1035m hoch, aber toller Aufstieg, im 2. bis 4. Gang fahrbar, man kann es laufen lassen, macht einfach mehr Spass als z.B. zum Tourmalet, bei dem man ständig zwischen 1. und 2. Gang schalten muss, und das alle 100-200m. In Escot gehts weiter Richtung Süden auf der Nationalstrasse N134, schöne Landschaft, super Strasse durch ein großes Tal, man kanns noch mehr laufen lassen im 5.Gang. Gegen 17 Uhr werde ich doch müde, ein Hinweisschild bei Etsaut Chambre de Hote lässt mich die schöne Strasse verlassen. Im Dorf Etsaut - 500m von der Nationalstrasse entfernt - ist das Hotel de Pyrenees nicht zu verfehlen, es ist verlassen, aber an einem Fenster hängt ein Zettel, man solle in der Bar am kleinen Platz gegenüber nachfragen. Mache ich, ein junges Mädchen telefoniert, läuft dann zum Haus des Patrons, der auch kommt und mit mir zum Hotel geht. Er sagt ich solle die Q in den Eingang stellen, er schließt auf, der Raum ist etwa 5 mal 10m groß, ich kann locker darin wenden. Es sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag, alter Kram und Müll, und die arme Q muss die Nacht in Gesellschaft eines Bidets verbringen. Nach oben gehts dann durch eine alte unbenutzte Küche, in der es sogar noch schlimmer aussieht. Mein Zimmer ist im 2. Stock, mit Bad 45 € inkl.Frühstück. Ein absoluter Wucherpreis. Dennoch hat das Ganze den Reiz und Charme des Verfalls. In der nahen Bar trinke ich ein Bier, treffe 2 Wanderer aus Finnland. Sie sind von Finnland bei 10 Grad abgeflogen nach Biaritz, in Biaritz hatte es bei ihrer Ankunft 10 Grad, zu Hause in Finnland 30... Sie sind frustriert, weil sie die ganze Zeit durch Nebel und Regen laufen, sie sind auf der 10. Etappe von 40, sie wollen die Pyrenäen ganz entlang laufen.
Wenige Kilometer später passiert die Strasse Canfranc, berühmt durch eine Bahnstation, die großkotzig geplant war, mit Luxushotel inklusive. Sie wurde 1928 vom spanischen König und dem französischen Präsidenten eingeweiht und sollte betuchte Gäste auf dem weg von Frankreich nach Spanien beherbergen. Der Bahnhof ist leider gesperrt, der Reiseführer spricht von Jugendstil Wartesaal und Ornamentik, leider kann mans nur lesen und nicht sehen, denn der Bahnhof ist gesperrt, da die Gäste lieber in ihren Luxuxkarossen als im Zug diese Route fuhren, und mangels Interesse wurde der Bahnhof 1970 dem Verfall preisgegeben. Ein Gleis ist in Betrieb, ein Triebwagen bläst blaue Wolken in die saubere Pyrenäen Luft. Die Bahnstation Canfranc ist schon beeindruckend, ca 200m lang. Ich denke, wird Stuttgart21 auch mal so enden, als Investitionsruine?
Weiter gehts nach Jaca von dort aus weiter zum Foz de Lumbier, schöne Strecke, die mehrfach vom Pilgerweg nach Santiago de Compostella gekreuz wird, was an der Hinweisschildern mit der Muschel auf blauem Grund leicht zu sehen ist. Zahlreiche Pilger sind unterwegs, aber ob sich bei den vielen Überquerungen der stark befahrenen Strasse Erleuchtung einstellen kann?
Eine Pyrenäenautobahn ist in Bau, eine riesige Baustelle. Der Foz ist schön, ca 1 Stunde wandere ich durch. Dann wieder zurück, ein Abstecher zum Kloster "Monasterio de San Juan de la Pena" ist sehr lohnenswert. Man denkt, gleich wird das Kloster von dem riesigen Felsen erschlagen, aber der rührt sich schon seit über 1000 Jahren nicht vom Fleck. Eine Führung gibt es nicht (keine Saison), dafür habe ich das Kloster aber auch für mich alleine und kann nahe bei im Halteverbot parken.
Weiter bis Sabinanigo, Biescas
und eine tolle Strecke durch die Berge bis Torla. Unterkunft finde ich im Hotel Edelweiss, Q steht sicher
in der Garage, von 2 Hunden bewacht. Torla ist sehr schönes Dorf am Rande des
Parque Nacional d'Ordesa, viele Wanderer, viele Geschäfte die Wanderausrüstung und Ausflüge anbieten.
Schlafe gut (ein schöner Tag auf dem Motorrad ist doch das beste Schlafmittel),
wache morgens auf aus dem Traum, ich hätte Geld gewonnen. Auf einer Art Registrierkasse drehen sich die
Zahlen, bleiben bei €41450 stehen, eine Moderatorin schreit die Zahl hinaus. Bin jetzt noch am Grübeln,
was das für eine Veranstaltung war.
In Vielha auf die C35,
fantastische Strecke bis Sort. Der Port de Bonaiqua ist grandios. Frage nach Hotelzimmer in Sort,
es ist Pfingstsamstag, das Hotel ist voll. Die Empfangsdame ruft aber im Hostal Can Josep an,
ja ich kann kommen. Sie beschreibt mir noch den Weg. Im Hostal kommt die
Chefin (O-Ton, kein Flachs): "individual?" Si. "Passaporte". Höflichkeit ist irgendwie anders...
Überhaupt ist der Unterschied in den Umgangsformen zwischen Frankreich und Spanien riesig,
die höflichen Franzosen (Oui Monsieur, bonjour monsieur...) auf der einen und die ruppigen
Spanier - genauer Katalonen - auf der anderen Seite. Das Essen ist in Frankreich feiner,
ausgetüftelter, der Kaffee aber in Spanien viel besser, ebenso der Wein, mir ist der
französische Wein einfach unbekömmlich. Auch ist die Lautstärke in beiden Ländern sehr
unterschiedlich, ruhig etwa wie bei uns in Frankreich, sehr laut in Spanien.
Ich habe das Pech, neben einer Familie das Zimmer zu haben, sie sind laut, schlagen
die Türen, brüllen nachts um 11 auf dem Gang... Da das alles inklusive gutem Frühstücksbuffet
nur 29€ kostet, ein unschlagbares Preisleistungsverhältnis. Das Haus steht auf dem Hang,
auf der Rückseite gibt es daher sehr hohe Versorgungsräume, in denen meine Q sicher steht.
Als ich am Morgen wieder los will, ruft die ruppige
Chefin etwas in den sehr tiefen Keller hinunter, eine alte Frau wohnt anscheinend dort unten
und macht mir auf.
Kurz hinter Andorra la Vella will ich eine Strecke aus dem Enduro Atlas fahren, find auch den Einstieg, die ersten 10km sind geteert, dann gehts extrem steil nach oben, die Piste ist total ausgewaschen, steinig. Jeder Meter will erarbeitet werden, ich komme problemlos voran, aber der Spass stellt sich nicht ein. Ists nicht steinig, wirds auch nicht schöner zu fahren, da der Lehmboden sehr glitschig ist weil es geregnet hat. Auf der ersten Anhöhe nach etwa 7km drehe ich um, da es sehr nach Regen aussieht, der Gipfel in den Wolken hängt. Kann so auch die schwierige Strecke noch mal geniessen...
Ich tanke noch für 1.2€ (sonst ca 1.35 in Spanien, 1.60 in Frankreich), der
Col de Pyumores ist auch bei der Rückfahrt in dicke Wolken gehüllt. Aus den Bergen heraus nach
Norden wirds immer wärmer, in Carcasonne ist es richtig heiss. Bin müde, frage im Hotel Ibis
das an der Strasse liegt, nach Zimmer.
Die mäßige Bude kostet inkl.Frühstück 88€, ein Nepp. Man muss die Badezimmertür offenlassen,
wenn man sein Geschäft machen muss, sonst kann man nicht thronen...Carcasonne ist an
sich sehr schön, eine alte Festungsstadt mit 2 Stadtmauern, Weltkulturerbe der Unesco.
Es gibt aber kein Haus, in dem nichts verkauft wird, Essen, Souvenirs usw. Eine Pizza kostet auch nur 11€...
Fotos in schlechter Qualität, die Belichtungsautomatik versagt.
An einer Mautstelle halte ich nach dem Bezahlen rechts an, um den Geldbeutel richtig zu verstauen und die Handschuhe anzuziehen. Zwei Fahrer eines Kleintransporters kommen aufgeregt: tournevis? tournevis? Ich vermute sie meinen einen Schraubendreher, steige ab, nehme die Sitzbank herunter und den Schraubendreher aus der Werkzeugrolle. Er wird freudig genommen, aus dem Kleintransporter läuft der Diesel raus, es hat sich schon eine große Lache unter dem Auto gebildet. Einer der beiden schraubt kurz, vermutlich eine lose Schlauchschelle. Er kommt zu mir: Allemand? Oui. Dankeschön, und drückt mir den gut eingedieselten Schraubendreher in die Hand.
Von Manosque aus gehts zu den Gorges de Verdon, der größten Schlucht Europas. Schön, mit tollen Ausblicken.
In St.Andre des Alpes bekomme ich ein Zimmer im Hotel Lac et Foret, ein altes Holzhaus, Teppichboden im Badezimmer. Treffe 2 Biker aus Ludwigsburg und Pforzheim, wir sitzen auf der Hotelterrasse und reden, natürlich über Motorräder. Sie fahren KTM, und erzählen rechte Schauergeschichten, verlorene Rücklichter, Kondenswasser im Steuergerät usw. Kann mir nicht passieren, habe ja gar kein Steuergerät (Was nicht dran ist, geht auch nicht kaputt). Ein Fahrzeug nähert sich, der Motor klingt sehr gut, einer sagt: die kaufen wir. Als wir das Fahrzeug sehen können, ists ein Ferrari... den kaufen wir nicht, hat ja 2 Räder zu viel.
Es sind noch 2 andere Biker aus Mainz und Wiesbaden da, sie bleiben für ein paar Tage in diesem Hotel, und machen Tagestouren. Sie haben beeindruckende Bierbäuche, und erzählen richtige Schauergeschichten, wie schlecht ihre BMWs seien. Einer sagt, er hätte das 3. Federbein, aber er behauptet auch die Maschine sei 2 Jahre alt, und die 70tkm hätte er vor allem auf dem Weg zur Arbeit gefahren. 2 km sei der Weg lang. Nach soviel Müll verabschiede ich mich ins Bett.
Das Hotel Les Marmottes (die Murmeltiere) in Lanslebourg hat seine besten Tage lange hinter sich, immerhin steht das Motorrad wohlbehütet in einer Garage, und das Essen ist gut.
Evian ist eine schöne Stadt, kein Vergleich zu
Neckargemünd, der Partnerstadt. Ein Hinweisschild in schwarz-gelb (nicht schwarz-weiss wie in F normal)
zeigt an Neckargemünd 498 km. Mit ulkiger Orthografie wird am Ortsschild auf die Partnerstadt hingewiesen.
Pässe fahren macht nicht immer großen Spass. Galibier und Tourmalet sind Beispiele für Pässe, die nicht so gut zu fahren sind: rechts ein Steilhang, Straße 2-3m breit, links Abgrund. Enge Kurven, im 1. Gang zu fahren, nach der Kurve 2.Gang, nach 2-3 Hundert Metern wieder in den 1. Gang, nächste Kurve, raus aus der Kurve, 2. Gang usw. 10 Kilometer auf diese Weise, und das mehrmals am Tag, da schläft man abends gut. Pässe die man im 2. und 3. Gang fahren kann wie der Aubisque haben mir da mehr Spass gemacht, auch wenn sie nicht so hoch sind.
Eine Tour mit jedem Abend Hotelsuche hat natürlich Nachteile. Bequemer ist es natürlich, einen Standort für mehrere Tage für Tagestouren ohne Gepäck zu benutzen.
Frankreich ist schön, aber Tanken kann ein Problem sein, wenn man keine lokale Kreditkarte hat. Tankstellen an Supermärkten gehen nur mit lokalen Karten, auch bei Mautstellen werden die üblichen Karten wie Master, Maestro oder Visa nicht immer genommen. Zwischen 13 und 15 Uhr sind viele Tankstellen geschlossen. Die Franzosen sind hilfbereit und sehr höflich, aber man muss sie in Französisch ansprechen, eine andere Sprache zu versuchen ist ungefähr so wie dem Papst einen Playboy zu schenken - absolutes no go.
Vergaser sind Versager, merkt man in auch den Bergen, wenn mit zunehmender Höhe das Gemisch überfettet und die Leistung wegbleibt...Ich habe dann immer einen Drehzahlbereich gesucht, in dem der Motor einigermaßen rund lief, aber das ändert sich natürlich alle 100-200 Höhenmeter.
In Frankreich liebt man den Rollsplit, nicht immer wird man durch Schilder (gravillons) gewarnt. Für Motorradfahrer natürlich unangenehm und gefährlich.
Benutzte Karte:Daerr Pyrenäen
| Tag | Regen |
| 1. | 0% |
| 2. | 40% |
| 3. | 0% |
| 4. | 0% |
| 5. | 5% |
| 6. | 0% |
| 7. | 0% |
| 8. | 10 |
| 9. | 0% |
| 10. | 0% |
| 11. | 0% |
| 12. | 0% |
| Prades Pradotel | 6.-8. | sehr schön, pool,ruhig, Parkplatz, an Kreisel mit Einkaufszentrum und Tankstelle | 60 € |
| Luchon Hotel La Rencluse | 8./9. | schönes Holzhaus, gutes Essen | 47€ |
| Toral Hotel Edelweiss | 10/11. | sehr gut, preiswert | 35 € |
| Sort Hostal Can Josep | 12/13.6 | einfach, preiswert, gutes Frühstücksbuffet, laute Leute | 29 € |
| Puigcerda Park Hotel | 13/14. | schönes 3* Hotel ausserhalb der Stadt, empfehlenswert | 68 € |
| St.Andre les Alpes Hotel Lac e Foret | 14./15. | einfach, ruhig, man spricht Deutsch, gute Küche | 60 € |
| Lanslebourg Les Marmottes | 15./16. | einfach, ruhig, gute Küche | 46 € |
| Carcasonne Ibis | 12./13.| laut an der Durchgangsstraße, Preis/Leistung miserabel, teuerstes und zugleich schlechtestes Hotel |
88 €
| |
| Evian-Les-Bains Hotel Panorama | 16./17. | laut an der Durchgangsstraße, sehr gutes Essen | 69 € |
Josef Fried Erstellt im Juni/Juli2011