Von Col zu Col

Pyrenäen- und Alpen Motorradtour 5.-17.Juni 2011

Durch Klicken auf die Fotos werden diese im Großformat geöffnet


Anreise

Für die Anreise hatte ich mich für den Autozug entschieden, 1000 km bis Narbonne am Fuße der Pyrenäen wollte ich wenigstens auf der Hinfahrt nicht selber auf Autobahnen zurücklegen, die Rückfahrt wollte ich auf der Route des Grandes Alpes fahren. Ich fuhr extra früh zum Abfahrtsbahnhof in Neu-Isenburg los, weil das Wetter nach Regen aussah. Richtig, aber den Regen bekam ich noch ab, etwa 15 Minuten ordentlich genäßt...Aber am Bahnhof angekommen war der Regen vorbei. Das Verladen der Fahrzeuge begann früh, das Personal war freundlich und kompetent.

Ein englischer Triumph Sportwagen steht da, ein Koffer außen auf dem Kofferraumdeckel, in Plastikfolie eingeschweißt. Das Ehepaar packt aus, weil das Ticket in einem Koffer versteckt ist... Auch die Koffer im Kofferraum (nach dem Öffnen muß man eine Stange in ein Loch im Deckel einführen, damit der oben bleibt, so wie das früher bei Motorhauben üblich war, dafür hat es aber ein Holzarmaturenbrett)sind eingeschweißt. Ein Mann fragt wie alt das Auto sei usw, sie sagen,25 Jahre, es hätte viele Macken, würde gerne mal ausgehen, und wasserdicht sei es ja auch nicht, deswegen sei alles eingeschweißt. Es geht pünktlich ab, bis Mannheim braucht der Zug 2 Stunden. Ich habe Liegeplatz im 5er Abteil (als Familienvater muss man aufs Geld achten), mit einem Rentnerehepaar und 2 Bikern, die um 23 Uhr ziemlich voll aus dem Speisewagen kommen. Die Fahrt ist aber ruhig, wir kommen auf die Minute pünktlich an.

 
Kilometerstand bei Abreise, der Kilometerzähler zeigt 100000 zu wenig an...

     

   
Aufladen in Neu-Isenburg und Abladen in Narbonne.

1.Tag 6.Juni

Die eigentliche Tour begann viel schlimmer als befürchtet. Bei meinem alten Motorrad läuft Öl in den linken Zylinder wenn es längere Zeit gekippt auf dem Seitenständer steht, so dass es beim Anlassen eine Qualmwolke auszustößt. Auf dem Autozug von NeußIsenburg nach Narbonne stand es so nun 16 Stunden, und beim Anlassen stand das ganze Unterdeck in einer riesigen rußigen Qualmwolke. War mir das peinlich. Aber nach einer Minute war der Qualm auch abgezogen, und los ging die Tour. Himmel bedeckt, aber schwül warm mit 27 Grad. Eine schöne Route führt mich durch das Katharerland über Ste. Marie - Gleon - Tuchan. Dort ist die Beschilderung inkonsequent, ich fahre einmal im Kreis durch das kleine Kaff. 3 alte Männer sitzen auf einer Bank, ich stelle mein Rad ab, nehme die Karte und frage nach dem Weg. Einer der 3 steht etwas mühsam auf und beschreibt mir den Weg. Er sagt noch: C'est tres bon, la BMW, ca passe partout. Oui monsieuer, sage ich wahrheitsgemäss. Über Radern geht die Tour zu den beiden bekanntesten Katharerburgen, Chateau de Queribus und Chateau de Peyrepertuse. Die Burgen sind schön, und ich muss an die armen Teufel denken, die diese Burgen bauen mussten. Der Aufstieg zu den Burgen ist steil und beschwerlich, und ein Tourenanzug ist ja auch kein Wanderdress. Mein T-shirt ist jedenfalls klitschnass, ziehe ein neues an. Weiter gehts durch die Schlucht Gorges du Galamus über Sournia nach Prades. Das Pradotel hatte ich vorher im Internet ausgesucht, und frage in Prades 2 Männer, die auf einem Balkon das Nichtstun geniessen, nach dem Weg. Sie lachen, als ich Helm, Sturmhaube und Ohrenstöpsel abziehe, um sie zu verstehen. Das Hotel ist schön, den Pool kann man bei dem Wetter allerdings nicht benutzen. Das Hotel liegt an einem Kreisel mit Einkaufszentrum, Tankstelle, McDonalds usw, ein BigMac ist mein Abendessen.

     
   
     
Die ersten Kilometer im Katharerland, Anfahrt zur ersten Burg, dem Chateau de Peyrepertuse
       
     
     
       
       
   
Der Weg von und zur Burg ist weit und geht steil rauf und runter, Schweiss treibend!


     
Die Strasse durch die Gorge du Galamus windet sich durch die Felsen.
     
     
     
Selbst hier - am A... der Welt - haben Menschen Häuser gebaut (unten Mitte).
 
Manchmal war es doch der Nebel, der meinen Horizont begrenzt hat

2.Tag 7.Juni

Heute will ich 2 Pisten fahren, rund um den Pic du Canigou. Also nach dem Frühstück tanken, los gehts, kein Problem den Einstieg in die erste Piste zu finden, der Patron hat mir den Weg erklärt. Ein Abzweig, der im Enduroatlas aus den 90er Jahren beschrieben ist, ist nur noch per pedes machbar. Die Piste selbst ist in den Ferienmonaten für den Touristenverkehr gesperrt. Sie führt sehr steil - 21 % laut Enduroatlas - hinauf, sehr steinig und ausgewaschen, kein Problem, aber echte Arbeit da hoch zu fahren. Oben auf dem Gipfel Col de Castelet frage ich einen Waldarbeiter nach dem Weg, ich bin richtig. Er fragt mich woher ich komme, und sagt er käme hier nie weg, weil sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert hat, er sei 5 Monate arbeitslos gewesen, hätte von 540€ pro Monat leben müssen. Konkurrenz aus Polen und Afrika würde die Löhne drücken. Kommt mir alles sehr bekannt vor. Der Abstieg vom Col ist schön, um 14 Uhr erreiche ich wieder die 5km N116 östlich von Prades. Eine zweite Piste wollte ich ja noch fahren, aber es fängt zu regnen an, ich steuere mein Hotel bei Blitz und Donner an. Es ist noch keine Saison, die Rezeption ist erst ab 18 Uhr besetzt, aber mit der Codenummer komme ich problemlos rein. Es regnet weiter den ganzen Abend. Ich gönne mir noch ein ordentliches Abendessen im Restaurant des Hotels, sehr gut. Nur 58km stehen auf der Uhr, aber anstrengende, ich schlafe gut.

     
Einstieg zur Piste am Pic du Canigou, sie ist Juli/August für Touristen gesperrt.
     
     
     
   
Nebel und Wolken kommen aus dem Tal, die Sicht ist leider nicht sehr weit, aber die Stimmung eigenartig.
       
         
Eine Schutzhütte, anscheinend gabs hier mal ne Party. Steil gehts aufwärts, auf dem Foto sieht man das nicht so.
     
       
 
Gewitter kommt auf.

3.Tag 8.Juni

Kühl und bewölkt ist es am nächsten Morgen, aber kein Regen. Meine Route führt über Mosset - Col de Jau (stellenweise noch Schnee am Strassenrand) zum Port de Pailheres. Ein sehr schöner Pass, auf der Ostseite kleine Strasse, auf der Westseite breiter, größere Kurvenradien, mehr Fahrspass. Weiter gehts nach Tarascon, Col de Port. Ich muss tanken, aber die wenigen Tankstellen, an denen ich vorbeikomme, sind geschlossen, das ist in Frankreich so üblich zwischen 13 und 14:30 weil man da zu Mittag isst und nicht herumfährt. Also ein Umweg über St.Girons, dort ist eine Tankstelle offen. Weiter über Col de Portet-d'Aspet zum Col de Mente. Über diesen schriebt der Reiseführer, daß man auf Rollsplit achten solle. Stimmt auch nach mehreren Jahren noch, überhaupt lieben die Franzosen Rollsplit, der teilweise auch unverhofft auftaucht. Für ein Zweirad in Schräglage natürlich ein absoluter Todfeind.

Weiter gehts über interessante Sträßchen nach Spanien, durch Bossost (schöne Stadt mit Kurstadtflair) wieder nach Frankreich bis Bagneres de Luchon, eine Dachkammer im kleinen Hotel Rencluse St.Mamet in einem schönen alten Holzhaus wird meine Bleibe für eine Nacht. Lustig ist die Dusche, es gibt nur eine Sitzbadewanne. Es ist gar nicht so einfach, die Achselhöhlen zu entseifen ohne eine Überschwemmung im Badezimmer zu verursachen, da ein Duschvorhang fehlt. Dafür hat der Rollladen Elektroantrieb. Das Abendessen (Suppe, Sole, Artischocken, und Rhabarbertorte) ist sehr gut.

     
Der Col de Jau, mein erster Pyrenäenpass, ist noch nicht sehr hoch
     
 
     
Eine schmale Strasse führt zum Pailheres hinauf, immerhin schon 2000m hoch.
       
Leider liegt der Gipfel im Nebel...
       
Ein halb verlassenes Pyrenäendorf
   
     
Eine typische Gipfelhütte
   
     
Bossost in Spanien, mit dem Flair einer Kurstadt
   
Blick zurück auf Bossost

4.Tag 9.Juni

Heute ist große Pässetour angesagt. Es ist wieder kühl, leicht bewökt, kein Regen, prima Wetter zum Fahren. Über Col de Peyresourde und Col d'Aspin gehts zum Tourmalet. Nicht einfach zu fahren, die kleinen Radien erfordern Konzentration, vor allem bei Rechtskurven. Sehr viele Radfahrer sind unterwegs und eifern ihren Idolen nach, auf den Straßen sind deren Namen noch von den letzten Rundfahrten zu lesen, ich erkenne einmal sogar noch "Ulle" und das Telecomlogo.

Ein Abstecher zum Cirque de Troumousse ist sehr schön, tolle Strecke, tolles wetter, tolle Landschaft. Ich sehe auch Murmeltiere, sie sind putzig aber scheu und ergreifen sofort die Flucht.

Weiter zum Col d'Aubisque, die Anfahrt ist sehr schön und toll zu fahren. Für mich der schönste Pass der Tour (auch wenn er mit 1709 m nicht der höchste ist, was für viele wohl das Hauptkriterium ist). Auf der Hütte genehmige ich mir einen Cafe au lait und ein Stück Kuchen, 7€. Ich spaziere noch ein wenig herum, sehe wie ein Bediensteter der Hütte herauskommt, pinkelt und wieder hineingeht... Die Abfahrt vom Col ist auch sehr schön, einfach cool. In Laruns biege ich nach Norden ab,um nach Bielle und zum Col Marie-Blanque abzubiegen. Nur 1035m hoch, aber toller Aufstieg, im 2. bis 4. Gang fahrbar, man kann es laufen lassen, macht einfach mehr Spass als z.B. zum Tourmalet, bei dem man ständig zwischen 1. und 2. Gang schalten muss, und das alle 100-200m. In Escot gehts weiter Richtung Süden auf der Nationalstrasse N134, schöne Landschaft, super Strasse durch ein großes Tal, man kanns noch mehr laufen lassen im 5.Gang. Gegen 17 Uhr werde ich doch müde, ein Hinweisschild bei Etsaut Chambre de Hote lässt mich die schöne Strasse verlassen. Im Dorf Etsaut - 500m von der Nationalstrasse entfernt - ist das Hotel de Pyrenees nicht zu verfehlen, es ist verlassen, aber an einem Fenster hängt ein Zettel, man solle in der Bar am kleinen Platz gegenüber nachfragen. Mache ich, ein junges Mädchen telefoniert, läuft dann zum Haus des Patrons, der auch kommt und mit mir zum Hotel geht. Er sagt ich solle die Q in den Eingang stellen, er schließt auf, der Raum ist etwa 5 mal 10m groß, ich kann locker darin wenden. Es sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag, alter Kram und Müll, und die arme Q muss die Nacht in Gesellschaft eines Bidets verbringen. Nach oben gehts dann durch eine alte unbenutzte Küche, in der es sogar noch schlimmer aussieht. Mein Zimmer ist im 2. Stock, mit Bad 45 € inkl.Frühstück. Ein absoluter Wucherpreis. Dennoch hat das Ganze den Reiz und Charme des Verfalls. In der nahen Bar trinke ich ein Bier, treffe 2 Wanderer aus Finnland. Sie sind von Finnland bei 10 Grad abgeflogen nach Biaritz, in Biaritz hatte es bei ihrer Ankunft 10 Grad, zu Hause in Finnland 30... Sie sind frustriert, weil sie die ganze Zeit durch Nebel und Regen laufen, sie sind auf der 10. Etappe von 40, sie wollen die Pyrenäen ganz entlang laufen.

   
       
Das Städtchen Arreau ist sehr hübsch.
     
     
   
Der Col d"Aspin
     
Lamas an der Auffahrt zum Tourmalet. Die Pinseleien auf der Strasse sind Zeugen der Tour de France, die jedes Jahr hier unbedingt drüber muss.

     
Gipfelausblicke vom Tourmalet.

       
Weiter gehts zum Cirque du Troumousse

       
Die Auffahrt zum Cirque de Troumousse ist eng und steil
   
 
     
     
Beeindruckende Landschaft

     
Weiter zum Col d'Aubisque führt eine herrliche Strasse
       
Gipfel des Col d'Aubisque
 
       
Etsaut, Hotel les Pyrenees, am zentralen Platz gelegen, die Bar und Restaurant gegenüber, grosse Halle und Blick aus meinem Zimmer.

5.Tag 10.Juni

Am nächsten Morgen ist es regnerisch, die beiden Finnen sind nicht so fröhlich, aber trocken zunächst... Am Col du Somport regnet es. Ich hoffe auf die spanische Seite, dort ist das Wetter tatsächlich deutlich besser.

Wenige Kilometer später passiert die Strasse Canfranc, berühmt durch eine Bahnstation, die großkotzig geplant war, mit Luxushotel inklusive. Sie wurde 1928 vom spanischen König und dem französischen Präsidenten eingeweiht und sollte betuchte Gäste auf dem weg von Frankreich nach Spanien beherbergen. Der Bahnhof ist leider gesperrt, der Reiseführer spricht von Jugendstil Wartesaal und Ornamentik, leider kann mans nur lesen und nicht sehen, denn der Bahnhof ist gesperrt, da die Gäste lieber in ihren Luxuxkarossen als im Zug diese Route fuhren, und mangels Interesse wurde der Bahnhof 1970 dem Verfall preisgegeben. Ein Gleis ist in Betrieb, ein Triebwagen bläst blaue Wolken in die saubere Pyrenäen Luft. Die Bahnstation Canfranc ist schon beeindruckend, ca 200m lang. Ich denke, wird Stuttgart21 auch mal so enden, als Investitionsruine?

Weiter gehts nach Jaca von dort aus weiter zum Foz de Lumbier, schöne Strecke, die mehrfach vom Pilgerweg nach Santiago de Compostella gekreuz wird, was an der Hinweisschildern mit der Muschel auf blauem Grund leicht zu sehen ist. Zahlreiche Pilger sind unterwegs, aber ob sich bei den vielen Überquerungen der stark befahrenen Strasse Erleuchtung einstellen kann?

Eine Pyrenäenautobahn ist in Bau, eine riesige Baustelle. Der Foz ist schön, ca 1 Stunde wandere ich durch. Dann wieder zurück, ein Abstecher zum Kloster "Monasterio de San Juan de la Pena" ist sehr lohnenswert. Man denkt, gleich wird das Kloster von dem riesigen Felsen erschlagen, aber der rührt sich schon seit über 1000 Jahren nicht vom Fleck. Eine Führung gibt es nicht (keine Saison), dafür habe ich das Kloster aber auch für mich alleine und kann nahe bei im Halteverbot parken.

Weiter bis Sabinanigo, Biescas und eine tolle Strecke durch die Berge bis Torla. Unterkunft finde ich im Hotel Edelweiss, Q steht sicher in der Garage, von 2 Hunden bewacht. Torla ist sehr schönes Dorf am Rande des Parque Nacional d'Ordesa, viele Wanderer, viele Geschäfte die Wanderausrüstung und Ausflüge anbieten. Schlafe gut (ein schöner Tag auf dem Motorrad ist doch das beste Schlafmittel), wache morgens auf aus dem Traum, ich hätte Geld gewonnen. Auf einer Art Registrierkasse drehen sich die Zahlen, bleiben bei €41450 stehen, eine Moderatorin schreit die Zahl hinaus. Bin jetzt noch am Grübeln, was das für eine Veranstaltung war.

     
   
Estacion de Canfranc, eine beeindruckende Investitionsruine, ca.200m lang. Leider ist das Innere gesperrt. Der Zahn der Zeit nagt...
     
An der N111 Richtung Westen.

     
     
     
Foz de Lumbier, ein schöner Canyon.

     
     
Das Kloster San Juan de La Pena wird von dem grossen Felsen fast erdrückt.
       

     
Im Ordesa National Park

     
Torla, "mein" Hotel Edelweiss (links)
         
   
     

6.Tag 11.Juni

Verlasse am nächsten Morgen das schöne Torla, super Strecke, super Wetter, kleiner Rundgang in Ainsa. Die kleine Stadt liegt noch im Schlaf, ist ja auch erst 10 Uhr... Durch Schluchten und schnelle Kurven gehts weiter nach Vielha. Am Stausee Baseca will ich ein Foto machen, verdammte Sch..., Saft ist im Tankrucksack ausgelaufen, die Kamera ist geflutet. Versuche sie trocken zu legen so gut es geht, aber sie versagt den Dienst. Daher gibt es keine Fotos von den nächsten Tagen, erst 2 Tage später konnte man Fotos machen, die Belichtungsautomatik funktionierte aber nicht mehr richtig.

In Vielha auf die C35, fantastische Strecke bis Sort. Der Port de Bonaiqua ist grandios. Frage nach Hotelzimmer in Sort, es ist Pfingstsamstag, das Hotel ist voll. Die Empfangsdame ruft aber im Hostal Can Josep an, ja ich kann kommen. Sie beschreibt mir noch den Weg. Im Hostal kommt die Chefin (O-Ton, kein Flachs): "individual?" Si. "Passaporte". Höflichkeit ist irgendwie anders... Überhaupt ist der Unterschied in den Umgangsformen zwischen Frankreich und Spanien riesig, die höflichen Franzosen (Oui Monsieur, bonjour monsieur...) auf der einen und die ruppigen Spanier - genauer Katalonen - auf der anderen Seite. Das Essen ist in Frankreich feiner, ausgetüftelter, der Kaffee aber in Spanien viel besser, ebenso der Wein, mir ist der französische Wein einfach unbekömmlich. Auch ist die Lautstärke in beiden Ländern sehr unterschiedlich, ruhig etwa wie bei uns in Frankreich, sehr laut in Spanien. Ich habe das Pech, neben einer Familie das Zimmer zu haben, sie sind laut, schlagen die Türen, brüllen nachts um 11 auf dem Gang... Da das alles inklusive gutem Frühstücksbuffet nur 29€ kostet, ein unschlagbares Preisleistungsverhältnis. Das Haus steht auf dem Hang, auf der Rückseite gibt es daher sehr hohe Versorgungsräume, in denen meine Q sicher steht. Als ich am Morgen wieder los will, ruft die ruppige Chefin etwas in den sehr tiefen Keller hinunter, eine alte Frau wohnt anscheinend dort unten und macht mir auf.

     
Verlassene Dörfer gehören in den Pyrenäen zum gewohnten Bild.
       
     
10 Uhr,as Städtchen Ainsa wacht so langsam aus dem Schlaf auf.
             

7.Tag 12.Juni

Die Strecke Sort-Adrall ist angeblich eine der schönsten Strecken in den Pyrenäen, es geht auf etwa halber Höhe den Bergen entlang, schön zu fahren, schöne Landschaft. Eine schöne Route führt von Adrall nach Süden, dann auf L408 nach Berga. Über kleine Umwege durch Nebenstrecken gehts nach Puigcerda. Vor einem kleinen Hotel mache ich Halt, will nach Zimmer fragen. Der Speisesaal ist voller Rentner, man bereitet offensichtlich Nachmittagstanz vor, aus den Lautsprechern ertönt Mackie Messer. Nix für mich, am Stadtrand liegt ein Hotel, fahre dorthin. Sieht deutlich besser aus, ich fürchte es wird viel zu teuer, denn der Empfangschef trägt eine echte goldene Rolex... Ist aber nicht zu teuer, mit 69 € ok. Ich frage nach Garagenplatz fürs Mopped, er sagt, es hätte hier noch nie Probleme gegeben an seinem Ferrari... War wohl der Eigentümer höchstpersönlich. Puigcerda ist nichts besonderes, ich habe Hunger, und da es in Spanien vor 20:30 keine Cena gibt, esse ich eine Tiefkühlpizza in einem kleinen Cafe in der Stadt.

Keine Fotos!

8.Tag 13.Juni

Am nächsten Morgen fahre ich bei dunklem Himmel ab, es sieht nach viel Regen aus. Kaum 500m gefahren, da geht ein Platzregen hernieder, begleitet von Blitz und Donner. Stelle mich unter, denn als Motorradfahrer ist man vor Blitz nicht geschützt wie im Auto, und nach 15 Minuten ist alles vorbei, warte noch ein wenig, bis die Straßen abgetrocknet sind, es geht bei Sonnenschein in die Berge Richtung Andorra. Schöne Strecke, Andorra ist schön, aber ein riesiger Supermarkt. Direkt hinter der Grenze die ersten Geschäfte, fast alle Leute haben prall gefüllte Plastiktüten...

Kurz hinter Andorra la Vella will ich eine Strecke aus dem Enduro Atlas fahren, find auch den Einstieg, die ersten 10km sind geteert, dann gehts extrem steil nach oben, die Piste ist total ausgewaschen, steinig. Jeder Meter will erarbeitet werden, ich komme problemlos voran, aber der Spass stellt sich nicht ein. Ists nicht steinig, wirds auch nicht schöner zu fahren, da der Lehmboden sehr glitschig ist weil es geregnet hat. Auf der ersten Anhöhe nach etwa 7km drehe ich um, da es sehr nach Regen aussieht, der Gipfel in den Wolken hängt. Kann so auch die schwierige Strecke noch mal geniessen...

Ich tanke noch für 1.2€ (sonst ca 1.35 in Spanien, 1.60 in Frankreich), der Col de Pyumores ist auch bei der Rückfahrt in dicke Wolken gehüllt. Aus den Bergen heraus nach Norden wirds immer wärmer, in Carcasonne ist es richtig heiss. Bin müde, frage im Hotel Ibis das an der Strasse liegt, nach Zimmer. Die mäßige Bude kostet inkl.Frühstück 88€, ein Nepp. Man muss die Badezimmertür offenlassen, wenn man sein Geschäft machen muss, sonst kann man nicht thronen...Carcasonne ist an sich sehr schön, eine alte Festungsstadt mit 2 Stadtmauern, Weltkulturerbe der Unesco. Es gibt aber kein Haus, in dem nichts verkauft wird, Essen, Souvenirs usw. Eine Pizza kostet auch nur 11€...
Fotos in schlechter Qualität, die Belichtungsautomatik versagt.

   
Blick aus dem schönen Hotelzimmer in Puigcerda.
     
     
   
Ausflug in die Berge bei Andorra la Veilla
     
   

     
Meine Luxussuite im Ibis Hotel Carcassone.
     
     
   
     
     
   
Die malerische Altstadt von Carcassonne ist UNESCO Weltkulturerbe.

9.Tag 14.Juni

Ich will in die Alpen, um über die Route des Grandes Alpes bis zum Genfer See zu fahren. Autobahn ist also angesagt, bei super Wetter über Narbonne - Montpellier - Arles - Aix en Provence - Manosque, wo ich die Autobahn endlich verlassen kann. Der Zustand der Autobahnen ist ja sehr gut, die Mautstellen ein Ärgernis, wenn man anhalten muss um 1.90€ zu bezahlen. Dies geht auch nur mit lokalen Kreditkarten oder Bargeld, es sind große Schilder aufgestellt, welche Kreditkarten nicht angenommen werden, darunter sind alle gängigen Kreditkarten. Auch beim Tanken kanns diesselben Probleme geben, ich stand auch mal vor der Zapfsäule ohne die richtige Karte von Carrefour. Ein gut gelauntes Paar hat mir aus der Klemme geholfen, ich gab ihnen 20€, sie liessen mich dafür auf ihre Karte tanken. Ich kann mich ja täuschen, aber diese Kreditkartensache deute ich so, daß Ausländer nicht erwünscht sind, noch nicht mal als Touristen. Auch sind die Franzosen sehr reserviert, nie wurde mal gefragt, woher, wohin oder so. Ich habe mich daher nicht so recht willkommen gefühlt.

An einer Mautstelle halte ich nach dem Bezahlen rechts an, um den Geldbeutel richtig zu verstauen und die Handschuhe anzuziehen. Zwei Fahrer eines Kleintransporters kommen aufgeregt: tournevis? tournevis? Ich vermute sie meinen einen Schraubendreher, steige ab, nehme die Sitzbank herunter und den Schraubendreher aus der Werkzeugrolle. Er wird freudig genommen, aus dem Kleintransporter läuft der Diesel raus, es hat sich schon eine große Lache unter dem Auto gebildet. Einer der beiden schraubt kurz, vermutlich eine lose Schlauchschelle. Er kommt zu mir: Allemand? Oui. Dankeschön, und drückt mir den gut eingedieselten Schraubendreher in die Hand.

Von Manosque aus gehts zu den Gorges de Verdon, der größten Schlucht Europas. Schön, mit tollen Ausblicken.

In St.Andre des Alpes bekomme ich ein Zimmer im Hotel Lac et Foret, ein altes Holzhaus, Teppichboden im Badezimmer. Treffe 2 Biker aus Ludwigsburg und Pforzheim, wir sitzen auf der Hotelterrasse und reden, natürlich über Motorräder. Sie fahren KTM, und erzählen rechte Schauergeschichten, verlorene Rücklichter, Kondenswasser im Steuergerät usw. Kann mir nicht passieren, habe ja gar kein Steuergerät (Was nicht dran ist, geht auch nicht kaputt). Ein Fahrzeug nähert sich, der Motor klingt sehr gut, einer sagt: die kaufen wir. Als wir das Fahrzeug sehen können, ists ein Ferrari... den kaufen wir nicht, hat ja 2 Räder zu viel.

Es sind noch 2 andere Biker aus Mainz und Wiesbaden da, sie bleiben für ein paar Tage in diesem Hotel, und machen Tagestouren. Sie haben beeindruckende Bierbäuche, und erzählen richtige Schauergeschichten, wie schlecht ihre BMWs seien. Einer sagt, er hätte das 3. Federbein, aber er behauptet auch die Maschine sei 2 Jahre alt, und die 70tkm hätte er vor allem auf dem Weg zur Arbeit gefahren. 2 km sei der Weg lang. Nach soviel Müll verabschiede ich mich ins Bett.

     
Allemagne en Provence, ein lustiger Ortsname.
       
   
     
         
Beeindruckend die Gorges du Verdon, die grösste Schlucht Europas
 

10.Tag 15.Juni

Auf einem Pass treffe ich 2 andere Biker, die sind mit dem Wohnmobil da, die Bikes auf dem Hänger. Das Wohnmobil steht auf einem Campingplatz, sie kommen nach ihren Tagestouren dorthin zurück. Auch nicht schlecht. Sehr schönes Wetter am nächsten Tag, es geht über die Route des Grandes Alpes über Colmars - Col d'Allos - Barcelonnette - Col de Vars - Guillestre - Col d'Izouard - Briancon - Col du Galibier - Col du Telegraphe - St. Michel - Modane - Lanslebourg. Die Pässe sind teilweise sehr steil und eng, vor allem die Südrampe des Galibier ist zwar perfekt geteert für die Tour de France, aber die obersten km sind nur 2-3 m breit, links steiler Hang, rechts steiler Abgrund. Fahrspass hat sich da bei mir nicht eingestellt, nur im 1. und 2. Gang zu fahren macht mir keine Laune. Die grandiose Landschaft entschädigt natürlich. Bei der Auffahrt zum Izouard überhole ich mehrere Wohnmobile, die sich oben auf dem Gipfel versammeln, ich zähle 15 Stück. Alle von Rentnern gefahren, die sehr lautstark diskutieren.

Das Hotel Les Marmottes (die Murmeltiere) in Lanslebourg hat seine besten Tage lange hinter sich, immerhin steht das Motorrad wohlbehütet in einer Garage, und das Essen ist gut.

       
Der Col d'Allos
     
     
     
Der Col de Vars, keine Rekordhöhe dafür aber schön.
     
   
Ein Foto der Säule auf dem Col d'Izouard ist Pflicht...
     
       
Der Col de Galibier, bekannt von der Tour de France.

11.Tag 16.Juni

Perfektes Wetter am nächsten Tag, der Col de l'Iseran ist sehr schön, am nahen Gletscher wird Ski gefahren. Es sind sehr viele Radfahrer unterwegs, ich staune immer wieder wie fit die sind, kommen quietschfidel auf einem Pass mit mehr als 2500m Höhe an, mit mittleren Steigungen von 5-10 %. Weiter gehts auf der schönen Strasse, Cormet de Rosseland ist sehr schön und gut zu fahren, ebenso Col de Saisiers. Sie sind nur nicht so berühmt wie die anderen weil sie nicht so hoch sind, aber besser zu fahren. Als ich Evian les Bains am Genfer See erreiche, sieht es sehr nach Regen aus. Im Hotel Panorama steige ich ab, schönes Zimmer mit Seeblick. Ich hole noch ein Bier am Kiosk einen Block weiter, muss auf dem Rückweg aber rennen, weil es zu schiffen anfängt. Am nächsten Morgen treffe ich beim Frühstück 2 Biker aus Heilbronn, sie waren später dran und wurden richtig getauft...

Evian ist eine schöne Stadt, kein Vergleich zu Neckargemünd, der Partnerstadt. Ein Hinweisschild in schwarz-gelb (nicht schwarz-weiss wie in F normal) zeigt an Neckargemünd 498 km. Mit ulkiger Orthografie wird am Ortsschild auf die Partnerstadt hingewiesen.

     
Lanslebourg, ein verschlafenes Nest.
     
Der Col de l'Iseran.
   
Am nahen Gletscher wird noch Ski gefahren.
     
   
   
Ende der Grande Route des Alpes ist Evian les Bains am Genfer See, Partnerstadt von Neckargemünd.
   
 
Mit Evian les Bains kann Neckargemünd nicht ganz mithalten...

12.Tag 17.Juni

Nach dem Frühstück gehts nach Hause, ich überlege noch, ob ich normale Strassen oder Autobahnen in derSchweiz nehmen soll, aber 498km sind auch auf der Autobahn kein Pappenstiel mit meinem rustikalen Motorrad. Also Autobahn, und um 16 Uhr war ich zu Hause. Ich muss eine Abkürzung gefunden haben, denn ich war bereits nach 486km daheim.

   
Die Autobahnkilometer mit Gepäck haben auf dem Hinterreifen ihre Spuren hinterlassen (Mitte glatt abgelaufen), der kleine Angststreifen hats überlebt.

Erfahrungen:

Landschaft/Tour:

Natürlich konnte diese Tour nicht mit Island (aussergewöhnliche Landschaft) und Marokko (Landschaft, andere Kultur) mithalten. Dennoch eine super Tour, das Wetter war fast durchweg sehr gut, die Pyrenäen und Alpen sind natürlich grandios. Die Alpen mehr als die Pyrenäen, dafür hat es dort weniger Verkehr. Die spanische Seite der Pyrenäen ist flacher, die Straßen/Pässe nicht so steil, bieten aber mehr Fahrspass. Die Tour war allerdings etwas vollgepackt, zum Schluss hatte ich einfach genug Pässe gefahren. 8-10 Tage Pyrenäen scheint mir optimal, und Alpen extra.

Pässe fahren macht nicht immer großen Spass. Galibier und Tourmalet sind Beispiele für Pässe, die nicht so gut zu fahren sind: rechts ein Steilhang, Straße 2-3m breit, links Abgrund. Enge Kurven, im 1. Gang zu fahren, nach der Kurve 2.Gang, nach 2-3 Hundert Metern wieder in den 1. Gang, nächste Kurve, raus aus der Kurve, 2. Gang usw. 10 Kilometer auf diese Weise, und das mehrmals am Tag, da schläft man abends gut. Pässe die man im 2. und 3. Gang fahren kann wie der Aubisque haben mir da mehr Spass gemacht, auch wenn sie nicht so hoch sind.

Eine Tour mit jedem Abend Hotelsuche hat natürlich Nachteile. Bequemer ist es natürlich, einen Standort für mehrere Tage für Tagestouren ohne Gepäck zu benutzen.

Frankreich ist schön, aber Tanken kann ein Problem sein, wenn man keine lokale Kreditkarte hat. Tankstellen an Supermärkten gehen nur mit lokalen Karten, auch bei Mautstellen werden die üblichen Karten wie Master, Maestro oder Visa nicht immer genommen. Zwischen 13 und 15 Uhr sind viele Tankstellen geschlossen. Die Franzosen sind hilfbereit und sehr höflich, aber man muss sie in Französisch ansprechen, eine andere Sprache zu versuchen ist ungefähr so wie dem Papst einen Playboy zu schenken - absolutes no go.

Motorrad:

Mein Motorrad ist mittlerweile bei weitem nicht mehr Stand der Technik, in den Bergen ist hinauf der Motor zu schwach, herunter die Bremsen, und ein modernes Fahrwerk ist auch viel besser, wie ich bei einer Odenwaldtour mit einer F800GS feststellen konnte. Dennoch: die R80GS kann vieles, und mit Motorrädern wie Versys oder V-Strom hätte ich einige Strecken in Island und Marokko nicht machen können. Moderne Alternativen sind eigentlich nur F800GS/R1200GS, evtl. Tiger 800XC oder die rauen KTM Hobel.

Vergaser sind Versager, merkt man in auch den Bergen, wenn mit zunehmender Höhe das Gemisch überfettet und die Leistung wegbleibt...Ich habe dann immer einen Drehzahlbereich gesucht, in dem der Motor einigermaßen rund lief, aber das ändert sich natürlich alle 100-200 Höhenmeter.

In Frankreich liebt man den Rollsplit, nicht immer wird man durch Schilder (gravillons) gewarnt. Für Motorradfahrer natürlich unangenehm und gefährlich.

Autozug:

War sehr pünktlich, gutes Frühstück, freundliches Personal. Sehr empfehlenswert. Auch preiswert, 320 € für ca 1000 km (Liegewagen, 5er Abteil, inkl. Frühstück) ist günstig

Navigation:

Nach Altväter Sitte mit Karte, kein Problem, es gibt ja nicht so viele Straßen in den Pyrenäen und Alpen.

Literatur:

Motorradreiseführer Pyrenäen von Dirk Schäfer. Kurz und knapp, mit Tourenvorschlägen. Leider sehr schlecht gebunden, die Seiten fallen teilweise heraus.

Benutzte Karte:Daerr Pyrenäen

Strecke:

Abfahrt bei 115757 km
Ankunft bei 119369 km
Gesamtstrecke 3612 km

Wetter:

Tag  Regen 
1.  0% 
2.  40% 
3.   0% 
4.   0% 
5.   5% 
6.  0% 
7.  0% 
8.  10 
9.  0% 
10.  0% 
11.  0% 
12.  0% 

Hotels:

Prades Pradotel   6.-8.  sehr schön, pool,ruhig, Parkplatz, an Kreisel mit Einkaufszentrum und Tankstelle  60 € 
Luchon Hotel La Rencluse   8./9.  schönes Holzhaus, gutes Essen  47€ 
Toral Hotel Edelweiss   10/11.   sehr gut, preiswert   35 €  
Sort Hostal Can Josep   12/13.6  einfach, preiswert, gutes Frühstücksbuffet, laute Leute  29 €  
Puigcerda Park Hotel   13/14.   schönes 3* Hotel ausserhalb der Stadt, empfehlenswert   68 €
St.Andre les Alpes Hotel Lac e Foret   14./15. einfach, ruhig, man spricht Deutsch, gute Küche 60 €
Lanslebourg Les Marmottes   15./16. einfach, ruhig, gute Küche   46 €  
Carcasonne Ibis 12./13. laut an der Durchgangsstraße, Preis/Leistung miserabel, teuerstes und zugleich schlechtestes Hotel 88 €
Evian-Les-Bains Hotel Panorama   16./17. laut an der Durchgangsstraße, sehr gutes Essen 69 €
Alle Preise mit Frühstück, für ein Essen muss man in Spanien noch 15€ inkl. 1 Getränk rechnen, in Frankreich etwa 20-25€

Josef Fried Erstellt im Juni/Juli2011