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Editorial | Februar 1997 |
Die Sterne lügen nicht! |
Was die Sterne uns künden, ist wahr. Die Sterne lügen nicht, sie können gar nicht lügen. Über unser persönliches Schicksal sagen sie nämlich gar nichts aus. Der Glaube an die schicksalbestimmenden Planetenkonstellationen hat seine Wurzeln in einer fernen Vergangenheit, als man dachte, die funkelnden Lichter am nächtlichen Firmament seien Geister, Götter oder Dämonen, aus deren Bewegungen ihr Wille und ihr Einfluß auf die Menschen abzulesen wäre. Damals sah man Erde und Menschheit als Nabel und Zentrum des Universums an. Alles schien sich um die Erdscheibe und die Menschen zu drehen. Dieses geozentrische und anthropozentrische Weltbild ist aber längst überholt. Niemand glaubt mehr ernsthaft daran, daß die Erde in sich ruhend im Mittelpunkt des Weltalls steht. Vielmehr kreist unser Heimatplanet um die Sonne, einen gewöhnlichen Durchschnittsstern in den äußeren Bezirken der Milchstraße, einen flachen spiraligen Sternensystems mit weit über hundert Milliarden Sonnen. Und unser eigenes Milchstraßensystem, die Galaxis, nimmt in den Weiten des Universums, in dem allein im überschaubaren Bereich viele Milliarden ähnlicher Milchstraßensysteme existieren, keineswegs eine bevorzugte Position ein. Menschen sind ein Augenblicksereignis in der rund zwanzig Milliarden Jahre alten Geschichte des Universums. Sie stehen weder im Mittelpunkt des Universums noch nehmen sie sonst in räumlicher oder zeitlicher Sicht eine besondere Stellung ein. Diese Erkenntnis hat eine tiefe Kränkung der Menschheit zur Folge. Man sieht sich nicht mehr eingebettet in den besonderen Schutz des Weltgetriebes. Unbewußt sträubt man sich gegen persönliche und kollektive Bedeutungslosigkeit der eigenen Existenz für die Vorgänge im Kosmos. Man flüchtet in eine Scheinwelt, in der den Sternen die Verantwortung für unser Schicksal zugeschoben wird. Persönliche Probleme, Schicksalsschläge oder einfaches Versagen werden allzugerne |
In einer freien Gesellschaft kann und darf man die Astrologie nicht verbieten. Auch soll sie nicht fanatisch und in sektiererischer Manier bekämpft werden. Aber es ist dringend geboten, die Mitmenschen von kompetenter Seite über die wahren Wurzeln dieses Aberglaubens aufzuklären. Öffentliche Bildungseinrichtungen, die mit Steuergeldern finanziert werden, haben die Aufgabe, die Astrologie als das darzustellen, was sie tatsächlich ist, nämlich Aberglaube und Pseudoreligion. Sie haben alles zu unterlassen, was der Verbreitung dieses Aberglaubens Vorschub leistet und damit letztendlich Bürger und Bürgerinnen zu unmündigen Menschen macht, die blind auf ihr angeblich vorherbestimmtes Schicksal vertrauen und sich den obskuren Mächten der Sternenwelt ausgeliefert fühlen. Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen haben schon deshalb Astrologie nicht in ihr Kursprogramm aufzunehmen, um zu vermeiden, daß in der Bevölkerung der falsche Eindruck entsteht, Astrologie sei eine wissenschaftliche Lehre. Durch Astrologiekurse in öffentlichen Bildungseinrichtungen wird die Sterndeuterei scheinbar salonfähig gemacht. Astrologie in Volkshochschulen stellt einen eklatanten Mißbrauch
des öffentlichen Bildungsauftrages dar und leistet nicht nur dem Aberglauben
Vorschub, sondern stellt auch eine grobe Täuschung der Öffentlichkeit
dar. Letztendlich erweist sie den Volkshochschulen einen Bärendienst,
indem sie deren Programm als Gemischtwarenladen höchst zweifelhafter
Qualität erscheinen und bei ihren Trägern Bedenken aufkommen läßt,
ob die aus öffentlichen Mitteln gewährten Zuschüsse gerechtfertigt
sind oder nicht doch lieber eingespart werden sollten. |