Erinnern
Sie sich an das Schwarze Loch im Galaktischen Zentrum, um dessen »Schatten«
es im Januar-Heft ging? Heino Falcke hatte ausgerechnet, dass dieser »Schatten«
einen Durchmesser von rund 50 Millionen Kilometer haben sollte, und nun
wollen die Radioastronomen versuchen, ihn mit Hilfe der Radiointerferometrie
tatsächlich abzubilden. Das hatten wir so in die Zeitschrift gesetzt,
ohne uns allzu viel dabei zu denken. Erst während ich unseren Weihnachtsbaum
schmückte (wir behängen ihn am liebsten mit roten Äpfeln),
wurde mir klar, worauf sich die Kollegen damit eingelassen haben: Der Schatten
des Schwarzen Loches im Galaktischen Zentrum erscheint uns von der Erde
aus so groß, wie ein Apfel auf dem Mond ihn abzubilden, kann
wirklich nicht einfach sein. Aber das Schwarze Loch verrät sich ja
bereits durch seine riesige Masse, welche durch ihre Gravitationskraft die
Sterne in einem weiten Umfeld herumsausen lässt. Dieses Herumsausen
können die Beobachter nun im nahen Infrarot immer genauer verfolgen
(Seite 112 in diesem Heft)... für die Zweifler am Schwarzen Loch wirds
eng und enger!
Auch ein zweites Thema lässt uns nicht
los: die extrasolaren Planeten. Beim Lesen des großen Beitrags
von Günther Wuchterl (Seite 130 ff) kam ich mir vor wie eine
Märchenfigur, die durch Zauberkraft mitten in der Nacht in
ein fernes, unbekanntes Land versetzt wird. Und nun bricht langsam
das Tageslicht an: Da erscheint Zug um Zug eine neue Welt, von
der wir bisher nichts ahnten. In diesem neuen Licht erkennen wir
auch an unserem alten Heimat-Planetensystem, das uns ganz und
gar vertraut, geradezu langweilig schien, ganz neue Aspekte. Alte
Unterscheidungen verlieren ihren Sinn, neue Zusammenhänge
werden deutlich: Hier lässt sich Wissenschaft im schnellen
Fluss miterleben.
Diese Aufbruchstimmung hat es in der Astronomie
immer wieder gegeben. Die Stuttgarter Ausstellung über die
Anfänge der Himmelsphotographie vor 150 Jahren (Seite 114)
macht das unmittelbar anschaulich: Was müssen die Menschen
empfunden haben beim Anblick des allerersten, einfachen Mondphotos!
Solche Durchbrüche sind keineswegs auf die professionelle
Astronomie beschränkt das zeigen eine Reihe von Amateurarbeiten
in diesem Heft. Es beginnt bei den Leserbriefen, wo wir daran
erinnert werden, dass in Europa bereits mehrere Amateurteleskope
der 1-m-Klasse im Einsatz sind. Und es geht weiter mit den anspruchsvollen
Arbeiten über Kleinplaneten (Seite 165 und 172) und über
die Astrophotographie. Auf Seite 170 ff stellen Jens Moser und
Stephan Linhart ein relativ einfaches Verfahren zur Erstellung
von Farbkompositen vor, und im Beitrag von Stefan Binnewies (Seite
176 ff) geht es um ein wunderschönes, bisher wenig beackertes
Feld der südlichen Milchstraße. Hier wird deutlich,
welche Bereicherung das Erlebnis der Astronomie erfährt,
wenn man selbst Hand anlegt und auf Grund der eigenen Lektüre
und der eigenen Beobachtungspraxis mit den Gegenständen des
Himmels vertraut wird.
Solche Freuden wünsche ich Ihnen von
Herzen!