Aufbruchstimmung
Zum Titelbild: Der Große Orionnebel. Das rot leuchtende Emissionsgebiet ist von einem bläulichen Saum reflektierten Sternlichtes umgeben, die vier heißen Trapezsterne regen die grünliche Emission des Sauerstoffs an. (G. Rhemann, F. Kersche; vgl. S. 160)
SuW 40 • Nr. 21
Seite 103–204
Februar 2001
Sterne und Weltraum 1/2001  
Erinnern Sie sich an das Schwarze Loch im Galaktischen Zentrum, um dessen »Schatten« es im Januar-Heft ging? Heino Falcke hatte ausgerechnet, dass dieser »Schatten« einen Durchmesser von rund 50 Millionen Kilometer haben sollte, und nun wollen die Radioastronomen versuchen, ihn mit Hilfe der Radiointerferometrie tatsächlich abzubilden. Das hatten wir so in die Zeitschrift gesetzt, ohne uns allzu viel dabei zu denken. Erst während ich unseren Weihnachtsbaum schmückte (wir behängen ihn am liebsten mit roten Äpfeln), wurde mir klar, worauf sich die Kollegen damit eingelassen haben: Der Schatten des Schwarzen Loches im Galaktischen Zentrum erscheint uns von der Erde aus so groß, wie ein Apfel auf dem Mond – ihn abzubilden, kann wirklich nicht einfach sein. Aber das Schwarze Loch verrät sich ja bereits durch seine riesige Masse, welche durch ihre Gravitationskraft die Sterne in einem weiten Umfeld herumsausen lässt. Dieses Herumsausen können die Beobachter nun im nahen Infrarot immer genauer verfolgen (Seite 112 in diesem Heft)... für die Zweifler am Schwarzen Loch wird’s eng und enger!
Auch ein zweites Thema lässt uns nicht los: die extrasolaren Planeten. Beim Lesen des großen Beitrags von Günther Wuchterl (Seite 130 ff) kam ich mir vor wie eine Märchenfigur, die durch Zauberkraft mitten in der Nacht in ein fernes, unbekanntes Land versetzt wird. Und nun bricht langsam das Tageslicht an: Da erscheint Zug um Zug eine neue Welt, von der wir bisher nichts ahnten. In diesem neuen Licht erkennen wir auch an unserem alten Heimat-Planetensystem, das uns ganz und gar vertraut, geradezu langweilig schien, ganz neue Aspekte. Alte Unterscheidungen verlieren ihren Sinn, neue Zusammenhänge werden deutlich: Hier lässt sich Wissenschaft im schnellen Fluss miterleben.
Diese Aufbruchstimmung hat es in der Astronomie immer wieder gegeben. Die Stuttgarter Ausstellung über die Anfänge der Himmelsphotographie vor 150 Jahren (Seite 114) macht das unmittelbar anschaulich: Was müssen die Menschen empfunden haben beim Anblick des allerersten, einfachen Mondphotos! Solche Durchbrüche sind keineswegs auf die professionelle Astronomie beschränkt – das zeigen eine Reihe von Amateurarbeiten in diesem Heft. Es beginnt bei den Leserbriefen, wo wir daran erinnert werden, dass in Europa bereits mehrere Amateurteleskope der 1-m-Klasse im Einsatz sind. Und es geht weiter mit den anspruchsvollen Arbeiten über Kleinplaneten (Seite 165 und 172) und über die Astrophotographie. Auf Seite 170 ff stellen Jens Moser und Stephan Linhart ein relativ einfaches Verfahren zur Erstellung von Farbkompositen vor, und im Beitrag von Stefan Binnewies (Seite 176 ff) geht es um ein wunderschönes, bisher wenig beackertes Feld der südlichen Milchstraße. Hier wird deutlich, welche Bereicherung das Erlebnis der Astronomie erfährt, wenn man selbst Hand anlegt und auf Grund der eigenen Lektüre und der eigenen Beobachtungspraxis mit den Gegenständen des Himmels vertraut wird.
Solche Freuden wünsche ich Ihnen von Herzen!