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am
22. November 1998

   

Licht und Asche des Urknalls Rainer Kayser  
(Aus: Sterne und Weltraum
, Special 2 - Schöpfung ohne Ende, S. 106-117)
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Strukturbildung, waren gefunden! Seither hat sich die genaue Vermessung der Hintergrundstrahlung zu einem der wichtigsten Zweige der beobachtenden Kosmologie entwickelt. Aus der Stärke der Fluktuationen, gemessen in Abhän- gigkeit von den Winkelskalen, auf denen sie auftreten, lassen sich nämlich, so zumindest die Hoffnung der Astro- physiker, eine Vielzahl von Informationen über unseren Kosmos gewinnen. Art und Umfang der Dunklen Materie sollten sich ebenso bestimmen lassen wie die Dichte der baryonischen Materie, die Kosmolo- gische Konstante und sogar das genaue Alter des Kosmos.
   Die in der Hintergrundstrahlung sichtbaren Variationen sind ein Finger- abdruck des Ursprungs der heute im Universum sichtbaren Strukturen, damit auch Ausgangspunkt der immer aufwen- digeren Computersimulationen, mit denen die Wissenschaftler versuchen, die zeitliche Entwicklung der Materie- verteilung nachzuvollziehen und zu verstehen (Bilder auf dieser Doppelseite).
   Diese Rechnungen zeigen, wie die Struktur- bildung von den Zutaten der Materiesuppe und von den Werten der kosmologischen Parameter beeinflußt wird. So erweist es sich beispielsweise als unmöglich, in einem Szenario mit »heißer« dunkler Materie (also zum Beispiel energiereichen Neutrinos, Beitrag ab Seite 22) die beobachtete Verteilung der Materie zu reproduzieren: In diesen Modellen bilden sich die Strukturen viel zu langsam (Bilder rechts).
   Heute ist daher unter den Struktur- bildungs-Experten die »kalte« dunkle Materie en vogue. Ihre Bestandteile sind allerdings höchst spekulativ: Axionen etwa, oder Photinos, Teilchen, deren Existenz zwar von einigen Theorien vorhergesagt wird, die aber bislang noch niemand im Labor zu Gesicht bekam.
   Jene Schwankungen der Hintergrund- strahlung, aus denen die heutigen sichtbaren Strukturen des Kosmos entstanden, finden sich erst bei kleinen Winkelskalen unterhalb von einem Grad. Die Cobe-Messungen waren noch zu grob, um sie aufzuspüren (Bilder Seite 110 unten). Nach der Cobe-Mission wurden daher in zahlreichen Experi- menten etwa vom Südpol oder von hoch fliegenden Ballonen aus weitere Messun- gen der Temperaturschwankungen des Mikrowellenhintergrunds vorgenommen. Alle diese Messungen zeigen tatsächlich Variationen im Bereich von einem tausendstel Prozent auf Skalen von zehn Grad bis hinab zu einem halben Grad.
   Die Messungen sind jedoch nicht einfach - und zum Teil noch umstritten.
 

Die Entwicklung im Modell-Universum hängt stark von der angenommen Art der Dunklen Materie ab. Links, von oben nach unten: Bei »kalter« Dunkler Materie entsteht ein Kosmos, wie wir ihn heute vorfinden (großes Bild Seite 116). Rechts: Mit »heißer« Dunkler Materie bilden sich die Strukutren viel zu langsam.

 
Unsere Milchstraße ist im Mikrowellen- bereich nicht überall vollkommen durchsich- tig, dazu kommt ein inhomogener Vorder- grund von Strahlung aus dem interstellaren Medium. Diese Fehlerquellen lassen sich nur durch eine vollständige Erfassung des Himmels bei möglichst vielen Wellenlängen ausschalten. Vom Erdboden und selbst von Ballonen aus läßt sich aber nur ein kleiner Teil des Spektrums untersuchen.
   Die Kosmologen warten daher ungeduldig auf den für das Jahr 2000 geplanten Start des amerikanischen Satelliten Map, sowie den im Jahr 2005 nachfolgenden ESA-Satelliten Planck (vormals Cobras/ Samba), welche die Hintergrundstrahlung mit einer Auflösung von einem zehntel Grad abtasten sollen.
 

   So steht der Kosmologie vermutlich ein äußerst aufregendes Jahrzent bevor, innerhalb dessen womöglich die kosmolo- gischen Parameter mit bislang unerreichter Genauigkeit bestimmt und die Vorstellungen der Astrophysiker sowohl vom frühen Urknall als auch von der Strukturbildung im Kosmos überprüft werden können - durch die Analyse des Zustands unseres Universums, als es 300000 Jahre alt war und gerade durchsichtig wurde.

Dr. Rainer Kayser arbeitete mehrere Jahr als theor- etischer Astrophysiker an der Hamburger Sternwarte auf den Gebieten Kosmologie und Gravitationslinsen. Heute schreibt er als freier Wissenschaftsjournalist für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften, zum Beispiel für Die Zeit und Bild der Wissenschaft.








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