George Herbig, Pionier der Sternentstehung und auswärtiges Mitglied emeritus am MPIA, ist im Alter von 93 Jahren gestorben

15. Oktober 2013

George Herbig war einer der herausragenden Astronomen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als emeritierter Professor der Universität von Hawaii und emeritiertes auswärtiges wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck Instituts für Astronomie, Heidelberg, war er bis zuletzt wissenschaftlich aktiv.

George Herbig wurde am 20. Januar 1920 in Wheeling, West Virginia, USA als Kind deutschstämmiger Eltern geboren. Schon in jungen Jahren an Astronomie interessiert, war er bereits 1938 Sekretär der »Amateur Astronomical Society of Los Angeles« und um 1940 Assistent am Griffith Observatorium, der großen Volkssternwarte in Los Angeles.

Sein Studium an der Universität von Kalifornien, Los Angeles beendete er im Jahr 1943, und begann im darauffolgenden Jahr als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lick Observatorium. Parallel dazu arbeite er an der Universität von Kalifornien, Berkeley an seiner Doktorarbeit über die Wechselwirkung von T Tauri-Sternen mit der sie umgebenden interstellaren Materie, welche er im Jahr 1948 abschloss. 1966 erhielt er den Ruf zum Professor für Astronomie. George Herbigs Forschungsschwerpunkte am Lick-Observatorium blieben bis zu seiner Pensionierung die Untersuchung junger Sterne und die spektralen Eigenschaften variabler Sterne und des Interstellaren Mediums. Nach seiner Pensionierung wurde George Herbig Professor der Universität von Hawaii, und siedelte mit seiner Frau 1988 nach Honolulu um. Neben Beteiligung an der Lehre und der Ausbildung der Studenten blieb George weiterhin wissenschaftlich sehr aktiv und produktiv, und führte auch mit knapp 80 Jahren noch selbst Beobachtungen mit den Teleskopen der Universität von Hawaii vom Gipfel des Mauna Kea aus durch. Allein in seiner Zeit auf Hawaii veröffentlichte er 38 wissenschaftliche Arbeiten, davon 30 als Erst- oder alleiniger Autor.

George Herbigs Forschungsarbeiten trugen entscheidend zu einem Paradigmenwechsel in unserem astronomischen Weltbild bei. Ab Mitte der 1940er Jahre fanden Astronomen verstärkt Hinweise darauf, dass Sternentstehung und somit auch die Bildung neuer Planetensysteme nicht in der Frühphase des Universums abgeschlossen wurde, sondern immer noch andauert und auch in der Nachbarschaft der Sonne zu finden und zu beobachten ist.

George Herbigs Untersuchungen variabler, mit Gas- und Reflektionsnebeln umgebener Sterne führte zur Identifizierung junger Sterne und der Charakterisierung ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften. 1946 veröffentlichte er seine erste Arbeit zu einem Stern aus der Klasse der T Tauri-Variablen, indem er die spektralen Eigenschaften des Sterns V380 Orionis untersuchte. Dieser und ähnliche von ihm untersuchte Sterne wurden die Prototypen der ihm zu Ehren als »Herbig AeBe-Sterne« bezeichneten Klasse junger Sterne.

Unabhängig von und zeitgleich mit dem mexikanischen Astronomen Guillermo Haro entdeckte und charakterisierte er Ausflüsse junger Sterne, in denen das Gas durch Stoßwellen zum Leuchten angeregt wird. Derartige Nebel werden seit Mitte der 1950er Jahre als »Herbig-Haro-Objekte« bezeichnet.

George Herbig war der Idealtyp eines Forschers: bescheiden, selbstkritisch und selbstironisch, bis ins hohe Alter interessiert und neugierig auf neue Erkenntnisse und Einsichten. George Herbigs Wirken wurde mit zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt, auch wenn ihm selbst derartige Auszeichnungen eher unangenehm waren. George Herbig starb am 13. Oktober 2013 in Honolulu, Hawaii, USA.

Nachruf auf George Herbig, der dem Max-Planck-Institut für Astronomie als auswärtiges wissenschaftliches Mitglied lange Jahre verbunden war, von Wolfgang Brandner (MPIA).

 
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