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Thorsten Neckel (1937-2020)

24. August 2020

Am 8. August 2020 verstarb Thorsten Neckel im Alter von 83 Jahren. Er war nicht nur einer der ersten wissenschaftlichen Mitarbeiter des MPIA sondern leistete auch Pionierarbeit bei der Suche nach einem Teleskopstandort für eine Sternwarte des Instituts auf der Südhalbkugel.
Institutsbesprechung im neu gegründeten MPIA mit Thorsten Neckel (dritter von links). Von links alle Kollegen (mit ihren damaligen Aufgaben): Karl-Heinz Sorg (Verwaltungsleiter), Josef Solf (Spektroskopie, Bipolare Nebel), Thorsten Neckel (Gamsberg, OB-Sterne), Hans Hippelein (Fabry-Perot), Hans Elsässer (Direktor), Dietrich Lemke (THISBE, HII-Regionen), Klaus Bahner (Teleskope), Christoph Leinert (HELIOS, Zodiakallicht), Ronald Weinberger (Bipolare Nebel). Bild vergrößern

Institutsbesprechung im neu gegründeten MPIA mit Thorsten Neckel (dritter von links).
Von links alle Kollegen (mit ihren damaligen Aufgaben): Karl-Heinz Sorg (Verwaltungsleiter), Josef Solf (Spektroskopie, Bipolare Nebel), Thorsten Neckel (Gamsberg, OB-Sterne), Hans Hippelein (Fabry-Perot), Hans Elsässer (Direktor), Dietrich Lemke (THISBE, HII-Regionen), Klaus Bahner (Teleskope), Christoph Leinert (HELIOS, Zodiakallicht), Ronald Weinberger (Bipolare Nebel).

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Thorsten Neckel war einer der ersten wissenschaftlichen Mitarbeiter unseres 1969 gegründeten Instituts. Sein Weg begann als Liebhaber-Astronom während seiner Schulzeit in Rostock. Nachdem er dort nicht zum Studium zugelassen wurde, gelang ihm in Göttingen eine bemerkenswerte Promotion über die Struktur der Milchstraße und die Verteilung des interstellaren Staubes. Er folgte seinem Doktorvater Hans Elsässer an die Landessternwarte nach Heidelberg. Als letzterer Gründungsdirektor des MPIA wurde, engagierte sich Neckel mit Beharrlichkeit bei der Suche nach einem Standort für eine geplante Sternwarte des neuen Instituts auf der Südhalbkugel. Nach Beobachtungs-Kampagnen an einem südafrikanischen Observatorium reiste er, zum Teil auf eigene Kosten und begleitet nur von einem weiteren Astronomen, nach Namibia und entdeckte im Jahr 1969 dort den 2347 m hohen Gamsberg als geeigneten Standort. Als erste Beobachtungen mit kleinen Teleskopen günstig ausfielen, begann Neckel mit großem Engagement auf dem Gamsberg eine Sternwarte für das 50-cm-Teleskop des MPIA zu errichten. Damit gelang ihm, gemeinsam mit Gerhard Klare, eine vielbeachtete Beobachtung junger Sterne in den nahen Spiralarmen unseres Milchstraßensystems. Nun schien der Weg frei für die Aufstellung des 2,2-m-Telekops des MPIA: Neckel bereitete den Kauf des Gamsbergs durch die Max-Planck-Gesellschaft vor, damals zum Preis eines VW-Käfers. Und er holte seine Familie für ein Leben in Namibia nach.

Dienstreisen zum Gamsberg erforderten Pfadfindergeist. Thorsten Neckel (32) beginnt in der Regenzeit auf dem Gipfelplateau den Bau einer Sternwarte zu planen. Bild vergrößern

Dienstreisen zum Gamsberg erforderten Pfadfindergeist. Thorsten Neckel (32) beginnt in der Regenzeit auf dem Gipfelplateau den Bau einer Sternwarte zu planen.

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Nachdem 1972 die Nutzung des Gamsbergs durch das MPIA aus politischen Gründen unerwartet blockiert wurde, wandte sich Neckel gemeinsam mit Jakob Staude einem neuen Forschungsgebiet zu: den bipolaren Nebeln, einer wichtigen Objektklasse für die Entstehung von Sternen und Planeten. Nun konnte er auch auf der nördlichen „Südsternwarte“ des MPIA, dem Calar Alto Observatorium in Spanien, beobachten. Neben seiner eigentlichen Forschungsarbeit entstand, gemeinsam mit Hans Vehrenberg und unterstützt durch das MPIA, in den Jahren 1985-1990 der dreibändige „Atlas Galaktischer Nebel“, nützlich für die Beobachter von Sternentstehungsgebieten und auch von Liebhaber-Astronomen geschätzt. Neckel gehörte mehrere Jahre der Redaktion von „Sterne und Weltraum“ an und lieferte Sternfreunden spannende Beobachtungshinweise. Seine Erschließung des Gamsbergs kommt gegenwärtig der „Internationalen Amateur-Sternwarte Gamsberg“ zugute.

Thorsten Neckel starb am 8. August 2020 im Alter von 83 Jahren und wurde auf dem Wilhelmsfelder Friedhof bestattet. Er bleibt uns in Erinnerung als ein stets begeistert beobachtender Astronom und als unermüdlicher Wegbereiter für die auf dem Gamsberg geplante Sternwarte. Eine ausführliche Würdigung von Thorsten Neckels Lebenswerk verfasst von Jakob Staude wird im Herbst in „Sterne und Weltraum“ erscheinen.

Text: Dietrich Lemke

 
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