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Reinhard Mundt
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Planeten ohne Muttersterne

5. Oktober 2000

Einem Team spanischer, deutscher und amerikanischer Astronomen gelang jüngst eine überraschende Entdeckung. In der Nähe des Pferdekopf-Nebels (Abb. 1) im Sternbild Orion fanden sie inmitten einer 1150 Lichtjahre entfernten Gruppe junger Sterne 18 Himmelskörper, bei denen es sich in der Mehrzahl wahrscheinlich um frei fliegende Planeten handelt. Anders als die Erde und die anderen Planeten der Sonne (Venus, Jupiter usw.) sind diese Himmelskörper nicht an einen Stern gebunden. Dies berichten Teamleiterin Maria Rosa Zapatero Osorio vom Astrophysikalischen Institut der Kanaren auf Tenerifa (IAC) und Kollegen in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science. Weil diese Körper isoliert am Himmel stehen, und nicht in unmittelbarer Nähe eines millionenmal helleren Sterns, lassen sie sich erstmals finden und direkt beobachten.
Abb. 1: Die entdeckten Planeten befinden sich in der Nähe des Pferdekopfnebels im Sternbild Orion und sind etwa tausend Lichtjahre entfernt. Bild vergrößern
Abb. 1: Die entdeckten Planeten befinden sich in der Nähe des Pferdekopfnebels im Sternbild Orion und sind etwa tausend Lichtjahre entfernt.

Abb. 2: Die entdeckten Planeten. Bild vergrößern
Abb. 2: Die entdeckten Planeten.

Das betreffende Himmelsareal hatten Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg bereits vor zwei Jahren am Calar-Alto-Observatorium in Südspanien beobachtet. Auf den Bildern waren ihnen einige Körper wegen ihrer ungewöhnlich roten Farbe aufgefallen. Weitere Beobachtungen mit Teleskopen auf Hawaii und Tenerifa zeigten dann, dass es sich bei einigen dieser Körper um Planeten handelt, die fünf- bis zehnmal schwerer als Jupiter sind. Leben gibt es auf ihnen mit großer Sicherheit nicht. Sie sind sehr jung und daher noch nicht abgekühlt. Ihre Temperaturen betragen rund 2000 Grad. Außerdem ist es auf ihnen immer Nacht, da keine Sonne den Himmel erhellt. »Es ist nicht leicht zu erklären, wie diese Planeten entstanden sein können«, meinte Reinhard Mundt vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie.

Bislang gehen die Astrophysiker davon aus, dass Planeten stets in der dichten Staubscheibe entstehen, die praktisch jeden neugeborenen Zentralstern umgibt, und diesen Stern dann ihr Leben lang umkreisen, wie unsere Erde die Sonne. Computersimulationen des Max-Planck-Instituts für Astronomie haben aber bereits gezeigt, dass sich in einem solchen System zwei oder mehrere Planeten zufälligerweise so nahe kommen können, dass einer von ihnen durch die starke Schwerkraftwirkung der anderen aus dem System herauskatapultiert wird. Möglicherweise handelt es sich bei den jetzt gefundenen Einzelgängern um solche Planeten auf Wanderschaft.

 
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