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Jakob Staude
Jakob Staude
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Startschuss für modernste Kartierung des Himmels

6. Oktober 2000

Am 5. Oktober wurde in Neu Mexico (USA) ein internationales Projekt unter Teilnahme des Max-Planck-Intituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg formal eröffnet, mit dem der Himmel erstmals mit einer modernen, elektronischen Kamera durchmustert werden soll. Für diesen »Sloan Digital Sky Survey« wurde von dem US-japanisch-deutschen Konsortium eigens ein Teleskop auf dem »Apache Point« in Neu Mexico gebaut, das als Teleobjektiv für die größte jemals gebaute digitale Kamera dient.
Abb1: Das heute eingeweihte 2.5-Meter-Teleskop für die digitale Durchmusterung des Nordhimmels (Sloan Digital Sky Survey). Das Teleskop befindet sich in der Apache Point Sternwarte in New Mexiko, USA. Das viereckige Gehaeuse um das Teleskop, das auf der Abbildung zu sehen ist, besteht aus einer Anordnung verstellbarer Jalousien, die je nach Windstärke weiter geöffnet oder geschlossen werden. Durch diese fortschrittliche und sparsame Konstruktion wird die beeinträchtigung der Abbildungsqualität durch die Luftunruhe auf ein Minimum reduziert. Bild vergrößern
Abb1: Das heute eingeweihte 2.5-Meter-Teleskop für die digitale Durchmusterung des Nordhimmels (Sloan Digital Sky Survey). Das Teleskop befindet sich in der Apache Point Sternwarte in New Mexiko, USA. Das viereckige Gehaeuse um das Teleskop, das auf der Abbildung zu sehen ist, besteht aus einer Anordnung verstellbarer Jalousien, die je nach Windstärke weiter geöffnet oder geschlossen werden. Durch diese fortschrittliche und sparsame Konstruktion wird die beeinträchtigung der Abbildungsqualität durch die Luftunruhe auf ein Minimum reduziert.

Die Kamera besteht aus fünf mal sechs CCD-Chips mit insgesamt 126 Millionen Bildelementen (»Pixeln«). Sie nimmt den Himmel auf, während er aufgrund der Drehung der Erde an ihr vorbeizieht. Mit einer einzigen Aufnahme deckt sie ein Gebiet von 1.4 mal 2.5 Grad ab, was der fünfzehnfachen Fläche des Vollmondes entspricht – ein für astronomische Verhältnisse enorm weites Feld, das mit sehr hoher Auflösung aufgenommen wird.

Über die nächsten fünf Jahre wird aus den Einzelaufnahmen, die hundertmal emfindlicher sind als bestehende Karten, ein Katalog von 200 Millionen Galaxien und Millionen von Sternen und Quasaren erstellt, der viele Gebiete der Astronomie revolutionieren wird. Dazu zählen so unterschiedliche Disziplinen wie die Untersuchung der großräumigen Struktur des Universums, der Verteilung und Natur der dunklen Materie, und Galaxienentwicklung bis hin zu einzelnen Sternen in unserem eigenen Milchstraßensystem.

Die Sloan-Durchmusterung kartiert nicht nur den Himmel, sondern misst außerdem die Entfernung zu einer Million Galaxien. Damit erhalten wir ein dreidimensionales Bild des Universums, das einen hundertmal größeren Raum durchmisst als bisher untersucht.

Schon in den vorläufigen Testaufnahmen wurde mit der Entdeckung eines Quasars ein Weltrekord für das am weitesten entfernte Objekt im Universum aufgestellt. Dieser Quasar zeigt eine Rotverschiebung von 5.8 und steht damit in einer Entfernung von mehr als zehn Milliarden Lichtjahren. Bereits in den Testdaten der Sloan-Durchmusterung sind dreimal mehr Quasare entdeckt worden, als bislang bekannt. Aber auch bei sehr nahen Objekten hat die Sloan-Durchmusterung bereits Rekorde aufgestellt. So wurden durch Ergebnisse aus den Testdaten die Anzahl bekannter, sehr massearmer Zwergsterne vervielfacht. Diese seltenen, lichtschwachen Sterne sind nur zehn bis 70-mal so schwer wie Jupiter. Ebenfalls durch die Auswertung von Sloan-Testdaten haben Forscher am MPIA herausgefunden, dass unsere eigene Milchstraße gerade dabei ist, einen ihrer Kugelsternhaufen durch ihre Gravitationskraft zu zerreißen.

Dieses Durchmusterungsprojekt erschließt eine Fülle neuer Arbeitsgebiete und bildet eine ideale Voraussetzung für die Nutzung der Großteleskope der neuen Generation (Öffnungen von 8 Metern und mehr), an denen das Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie maßgeblich beteiligt ist.

 
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