Caroline Gieser erhält den Biermann-Preis der Astronomischen Gesellschaft

8. Juli 2026

Caroline Gieser, Postdoktorandin in der Abteilung Planetenentstehung und Exoplaneten des MPIA, wird auf der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft (AG) im September mit dem Ludwig-Biermann-Preis ausgezeichnet.

Die Astronomische Gesellschaft verleiht den Ludwig-Biermann-Förderpreis jährlich an eine hervorragende Astronomin oder einen hervorragenden Astronomen in den ersten Jahren nach der Promotion. Der Förderpreis unterstützt mit einem Betrag von 3.000 Euro einen Forschungsaufenthalt an einem Institut nach Wahl. Die Auszeichnung ist benannt nach dem bekannten deutschen Astrophysiker Ludwig Biermann (1907-1986) und wurde von der Astronomischen Gesellschaft erstmals im Jahr 1989 vergeben.

In ihrer Pressemitteilung würdigt die Astronomische Gesellschaft Caroline Gieser „für ihre herausragenden Beiträge zum Verständnis der physikalischen und chemischen Prozesse, die die Sternentstehung bestimmen“.

Die Erforschung von Sternentstehungsgebieten ist von grundlegender Bedeutung für die Astrophysik. In komplexen Wolken aus Gas und Staub entstehen nicht nur in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, neue Sterne und ganze Planetensysteme, sondern nahezu überall im Kosmos in Milliarden anderen Galaxien. Das Wissen um die Mechanismen der Sternentstehung und ihre Veränderung über kosmologische Zeiträume hinweg ist deshalb von fundamentaler Wichtigkeit für ganz unterschiedliche Bereiche astrophysikalischer Forschung. Dies reicht von der Bildung von Planetensystemen bis hin zur Entwicklung ganzer Galaxien.

Da wir selbst Teil unseres Milchstraßensystems sind, können wir aufgrund der relativen Nähe von Sternentstehungsgebieten hier sehr detaillierte Beobachtungen anstellen. Ein Beispiel ist das in der Abbildung gezeigte Sternentstehungsgebiet Cygnus-X, welches hier in einer Infrarot-Aufnahme des Spitzer Weltraumteleskops zu sehen ist. Dank der infraroten Wellenlängen lassen sich auch im Innern solcher Wolken Strukturen untersuchen, da das langwelligere Licht durch Staub weniger abgeschwächt wird. Somit ist es möglich, quasi in das Herz der aktiven Sternentstehung hineinzusehen.

Genau zu solchen Untersuchungen hat Caroline Gieser bereits in ihrer noch jungen Karriere einen wichtigen Beitrag geleistet. In der AG-Mitteilung heißt es deshalb weiter:

Durch die Kombination modernster Beobachtungen mit fortgeschrittener astrochemischer Modellierung lieferten ihre wegweisenden Untersuchungen massereicher Sternentstehungsgebiete erstmals Beobachtungsbeschränkungen für die Dichte- und Temperaturstrukturen massereicher protostellarer Kerne und zeigten, wie sich die chemische Entwicklung nutzen lässt, um die frühesten Phasen der Sternentstehung nachzuverfolgen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen ganzheitlichen Ansatz aus, der Beobachtungen mit anspruchsvoller physikalischer und chemischer Modellierung verbindet und grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung sternbildender Regionen über ein breites Spektrum von Massen und Entwicklungsstadien hinweg liefert.

Caroline Gieser arbeitete an Ihrer Dissertation am MPIA unter der Betreuung von Henrik Beuther und schloss die Promotion im Jahr 2022 an der Universität Heidelberg ab. Nach einer Postdoc-Zeit beim MPI für Extraterrestrische Physik (MPE) in Garching ist sie nun wieder zurück am MPIA und arbeitet in der Abteilung Planetenentstehung und Exoplaneten (PFE), die von Direktorin Myriam Benisty geleitet wird.

Pressemitteilung der Astronomischen Gesellschaft

KJ/CG/HB

Zur Redakteursansicht