Otto-Haxel-Dissertationspreis für Klaus Paschek
Klaus Paschek vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) ist für seine herausragende Dissertation mit dem Otto-Haxel-Dissertationspreis für Physik ausgezeichnet worden. In seiner Arbeit geht er der Frage nach, wie die ersten Bausteine des Lebens auf der noch jungen Erde entstanden sein können.
Seit 2017 vergibt der KIT Freundeskreis und Fördergesellschaft e.V. (KFG) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) den Otto-Haxel-Dissertationspreis für Physik. Die Auszeichnung ehrt die drei besten Dissertationen am KIT und an den Universitäten Göttingen und Heidelberg – jenen drei Institutionen, an denen der Kernphysiker Otto Haxel (1909-1998) seine Forschungen betrieben hat. Gestiftet wurde die Auszeichnung von Hans Joachim Langmann zur Erinnerung an seinen Doktorvater.
Der Otto-Haxel-Preis ist einer der bestdotierten Dissertationspreise in Deutschland und Klaus Paschek wurde für seine Arbeit im sogenannten ersten Rang geehrt, d.h. er wird mit einer Summe von 6000 Euro ausgezeichnet.
In seiner Dissertation mit dem Titel “From Space to the Hadean Earth: Prebiotic Synthesis and the Origins of Life” (Vom Weltraum zur Erde im Hadaikum: Präbiotische Synthese und die Ursprünge des Lebens“) hat sich Klaus Paschek mit einer der spannendsten Fragen aktueller Forschung befasst: Wie sind die ersten Bausteine des Lebens auf der Erde eigentlich entstanden?
Dieser Prozess muss sehr früh auf unserem Heimatplaneten stattgefunden haben, d.h. in einer Zeit vor mehreren Milliarden Jahren, als unsere Erde allerdings alles andere als lebensfreundlich war nach heutigen Maßstäben. In seiner Doktorarbeit geht Klaus Paschek dieser Frage aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund: einerseits könnte das Material – also wichtige Bausteine des Lebens – durch den Fall von Meteoriten auf die Erde gebracht worden sein. Der Fall von Meteoriten oder größeren Körpern wie Kometen auf die Erde war zu jener Zeit ein viel häufigeres Phänomen, als (zum Glück) heute.
Andererseits könnten die Bausteine auch auf der Erde in „Darwins warmen kleinen Tümpeln" entstanden sein. Darwin spekulierte nämlich, dass sich das Leben in flachen, warmen Gewässern mit reichlich organischen Verbindungen und Phosphaten hätte bilden können – angetrieben durch einen Zyklus aus Befeuchten durch Regen und Austrocknen in Trockenzeiten. Wir sprechen hier über das sogenannte Hadaikum, also über die Zeit vor rund vier Milliarden Jahren.
Klaus Paschek konnte nun zeigen, dass beide Mechanismen möglich sind: Sowohl der Eintrag durch Meteoriten als auch die vulkanische Gasfreisetzung durch Serpentinisierung können die Bausteine für RNA und andere präbiotische Moleküle geliefert haben.
Diese Serpentinisierung ist ein geologischer Prozess, bei dem durch die Reaktion von Wasser und Gestein Gase in die Atmosphäre freigesetzt werden. In der Atmosphäre werden diese Gase durch das UV-Licht der jungen Sonne chemisch umgewandelt und regnen aus, um dann in Darwins Tümpeln erste komplexere RNA-Bausteine für die Entstehung des Lebens zu bilden.
Das bemerkenswerteste Ergebnis liefert eine Lösung für ein jahrzehntealtes Rätsel: „Eine anfänglich als zu oxidierend geltende Atmosphäre kann, sobald sie durch geologische Aktivität reduziert wird, zu einer idealen Wiege für die Moleküle des Lebens werden“, sagt Klaus Paschek. „Somit verwandeln diese Erkenntnisse ein altbekanntes Hindernis in einen vielversprechenden Weg zum Verständnis der Entstehung des Lebens“.
Die Ergebnisse und die Arbeit von Klaus Paschek sind spektakulär und ein wunderbares Beispiel für gleich zwei, eher neuere Entwicklungen in der Wissenschaft: einerseits dafür, wie eng Astrophysik, Biologie und Chemie heute verzahnt sein können. Und andererseits dafür, dass Astrophysik nicht nur mit Teleskopen betrieben werden kann, sondern zumindest in diesem Teilbereich auch im Labor.
Klaus Paschek erstellte seine 2025 veröffentlichte Dissertation in der Laborastrophysikgruppe vom mittlerweile emeritierten Direktor des MPIA, Thomas Henning, der auch Erstgutachter der Doktorarbeit war. Das Labor ist Teil der von Myriam Benisty geleiteten Abteilung Planetenentstehung und Exoplaneten (PFE) – der Nachfolgeabteilung von Thomas Henning´s Abteilung Planeten- und Sternentstehung (PSF).
Die Verleihung an Klaus Paschek fand am 13. Juli 2026 auf dem KFG-Sommerempfang am KIT Campus Süd in Karlsruhe statt.
Webseite zum Otto-Haxel-Dissertationspreis beim KFG
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KJ/KP/ThH














