Trifon Trifonov von der Göttinger Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet

26. November 2020
Trifon Trifonov vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg (MPIA) ist von der Göttinger Akademie der Wissenschaften mit dem Nachwuchspreis der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Klasse 2020 im Bereich Physik ausgezeichnet worden.
Trifon Trifonov

Trifon Trifonov, der in der von Thomas Henning geleiteten Abteilung "Planeten- und Sternentstehung" forscht, erhält den Preis der Akademie für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Erforschung extrasolarer Planeten (Exoplaneten).

Exoplaneten umkreisen im Gegensatz zu den Planeten unseres Sonnensystems nicht unser Zentralgestirn, sondern andere, ferne Sterne. Nachdem vor etwa einem Vierteljahrhundert erstmals ein Exoplanet entdeckt wurde, konnten inzwischen mehrere Tausend weitere Objekte dieser Art mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften gefunden werden. Darunter sind inzwischen sogar Kandidaten für sehr erdähnliche Objekte.

Allen gemeinsam ist, dass sie sehr schwer zu entdecken sind. Aufgrund der großen Entfernungen der Sterne erscheinen Exoplaneten, die wie unsere Planeten nur das Licht ihres Zentralsterns reflektieren, extrem lichtschwach. Das größere Problem ist aber, dass uns diese Planeten nur unter einem sehr kleinen Winkelabstand von ihrem Stern erscheinen und von diesem daher stark überstrahlt werden. Nur unter günstigen Umständen und mit speziellen Kameras, die eine hohe Auflösung und einen hohen Bildkontrast liefern, können momentan wenige Prozent der Exoplaneten direkt gesehen werden.
Die Entdeckung der überwiegenden Zahl der Exoplaneten ist daher indirekten Methoden zu verdanken. So verraten sich Exoplaneten, wenn Sie aus unserer Sicht vor Ihrem Stern entlanglaufen (Transit) und dessen Licht bei jedem Umlauf abschwächen. Oder sie verursachen periodische Taumelbewegungen des Zentralsterns, da sie ja auch eine Masse haben und so den Stern in seiner Bewegung systematisch beeinflussen.

Auf der Beobachtungsseite befasst sich Trifon Trifonov mit dem Nachweis von Mehrplanetensystemen mit diesen indirekten Methoden, nämlich dem Doppler-Effekt zur Messung der Sternbewegungen und dem photometrischen Transitverfahren. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt vor allem auf der Charakterisierung der orbitalen und physikalischen Daten von Exoplaneten mit Hilfe numerischer Techniken wie der dynamischen Modellierung von Doppler- und Transitdaten sowie der langfristigen dynamischen Stabilität von Mehrplanetensystemen mit Hilfe direkter N-Körper-Simulationen. Ziel ist, die Parameter der Planetenbahnen genauer abzuschätzen und damit die Bedingungen für die Entstehung und Entwicklung der Planeten besser zu verstehen.

Der Preisträger studierte in Sofia (Bulgarien) und Heidelberg, wo er 2014 auch promovierte. Danach arbeitete er als Postdoc in der Abteilung Geowissenschaften an der Universität Hong Kong, bevor er 2016 zum MPIA kam.

Die feierliche Verleihung des Preises sollte ursprünglich in diesem Monat in der Aula der Georg-August-Universität Göttingen stattfinden. Aufgrund der Corona-Pandemie musste diese Veranstaltung nun leider auf 2021 verschoben werden.

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen wurde 1751 gegründet und ist eine traditionsreiche Gelehrtengesellschaft und eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Sie vereint rund 400 herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Fach- und Ländergrenzen hinweg und betreut viele Projekte von internationaler Bedeutung. Mit der Preisvergabe möchte die Akademie junge herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler motivieren, ihre erfolgreiche Arbeit fortzusetzen.

KJ/TT/Th.H.

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